Menschenrechte

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UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

Der Harvard Professor John Ruggie entwickelte ein Rahmenkonzept, welches aus den drei Säulen «Schützen, Achten, Rechtsschutz gewähren» («Protect, Respect and Remedy») besteht. Die Menschenrechte zu «schützen», stellt eine Pflicht des Staates dar, sie zu «achten», nimmt Unternehmen in die Pflicht. Der Staat und die Unternehmen gemeinsam sollen «Rechtsschutz gewähren». Das «Ruggie Framework» wurde 2011 durch die Annahme der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs) durch den UN Menschenrechtsrat genehmigt und erfährt seither grosse Unterstützung vonseiten der Regierungen, der Unternehmen und der Gesellschaft. Aufgrund dessen haben die Länder einen nationalen Handlungsplan ausgefertigt, um die UNGPs auf nationaler Ebene umzusetzen.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die gesellschaftlichen Auswirkungen werden ganzheitlich betrachtet; Risiken, aber auch Chancen sollen identifiziert und adäquate Lösungen umgesetzt werden. Darüber soll intern wie auch extern kommuniziert werden.

Im Rahmen unseres gesellschaftlichen Engagements unterstützt und respektiert Roche die Menschenrechte und hat die UNGPs umgesetzt, was auch ausdrücklich in den Roche-Konzerngrundsätzen genannt wird. Wir verpflichten uns gleichermassen, die zehn Grundsätze des Globalen Pakts der Vereinten Nationen, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie die grundlegenden Arbeitsrechte gemäss der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit zu beachten und einzuhalten. Diese Verpflichtung ist im Verhaltenskodex der Roche-Gruppe, im Leitfaden zur Personalpolitik der Roche-Gruppe, im Roche-Verhaltenskodex für Lieferanten wie auch im „Position Paper on Respecting Human Rights“ verankert.

Durch die Beachtung der Menschenrechte wird sichergestellt, dass Menschen mit Würde behandelt werden. Indem Roche das Prinzip «Kennen und Zeigen» («knowing and showing») anwendet, verpflichtet sich Roche, negative Auswirkungen auf Menschenrechte zu verhindern, indem man sich auf die Perspektive der Rechteinhaber konzentriert. Während wir die Auswirkungen auf Personen bewerten, sind wir bestrebt, negative Auswirkungen auf Menschenrechte zu verhindern und zwar ungeachtet dessen, ob wir diese direkt verursacht haben, ob wir dazu beigetragen haben oder ob sie mit unserem Geschäft zusammenhängen.

Das „Business & Human Rights Resource Centre“ hat Roche für ihr öffentliches Engagement für die Einhaltung von Menschenrechten ausgezeichnet.

Unsere Grundsätze

Wir identifizieren systematisch potentielle Menschenrechtsrisiken, die unsere Geschäftstätigkeit beeinträchtigen könnten. Wir fokusieren uns dabei primär auf:

  • Arbeit (einschliesslich Zwangsarbeit und Kinderarbeit)
  • Belästigung und Diskriminierung
  • Vereinigungsfreiheit (insbesondere die Mitgliedschaft in Gewerkschaften)
  • Recht auf Privatsphäre / Datenschutz

Dies beinhaltet auch die Identifikation folgender schutzbedürftigen Gruppen: (i) Teilnehmer in klinischen Studien, (ii) Mitarbeitende, (iii) Gewerkschaften, (iv) Lieferanten. Angelegenheiten mit Menschenrechtsbezug werden prioritär behandelt, um ihnen angemessen zu begegnen. Zurzeit erarbeitet ein funktionsübergreifendes Team eine detailiertere Risikobeurteilung.

Alle Roche-Konzerngesellschaften beachten die folgenden Grundsätze:

Integration in die Geschäftstätigkeit und innerhalb der Konzerngesellschaften

Auf globaler Ebene sind wir bestrebt, die Menschenrechte auf vielfältige Weise in bestehende geschäftliche Aktivitäten zu integrieren: Risiken abschätzen, das entsprechende Bewusstsein fördern, die Sorgfaltspflicht fördern, den rechtlichen Rahmen stärken, an gemeinsamen Aktionen mitwirken und auf transparente Weise berichten.

So werden beispielsweise alle Roche-Mitarbeitenden mit einem weltweit verbindlichen eLLearning über die Grundprinzipien der Menschenrechte geschult. Im Jahr 2017 haben mehr als 98 Prozent aller Roche Mitarbeitenden diesen Kurs absolviert.

Wir betreiben ein System mit einheitlichen globalen Standards, welche auch auf unsere Geschäftspartner Anwendung finden, z. B. in Forschung und Entwicklung, bei klinischen Studien sowie im Bereich der Herstellung und des Vertriebs. Zudem verfügt jeder Roche-Standort über eine/n Personalverantwortliche/n, welche/r für die Umsetzung der Human-Ressource-Prinzipien (z. B. Diskriminierung, Belästigung) gemäss dem Leitfaden zur Personalpolitik der Roche-Gruppe verantwortlich ist. Alle Roche-Konzerngesellschaften respektieren zudem das Recht der Mitarbeitenden auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen. Den Mitarbeitenden steht es frei, sich durch Gewerkschaften, Betriebsräte oder ähnliche Organisationen vertreten zu lassen, beispielsweise durch das Roche Europa Forum, das Mitarbeitende aus allen Roche-Gesellschaften in Europa repräsentiert.

Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern

Wir führen in Bezug auf aktuelle und potenzielle Geschäftspartner eine Sorgfaltsprüfung durch und erwarten von ihnen dieselbe Sorgfalt bei der Auswahl und Prüfung ihrer Geschäftspartner, um Transparenz zu schaffen. Aufgrund der hohen Standards, welche wir von unseren Geschäftspartnern verlangen, erachten wir die Gefahr der Verletzung von Menschenrechten als gering.

Menschenrechte sind ein integraler Bestandteil unserer Sorgfaltsprüfung. Zu diesem Zweck, hat eine bereichsübergreifende Arbeitsgruppe eine Checkliste für die Sorgfaltsprüfung (Due Diligence) von externen Geschäftspartnern erarbeitet, wobei der Schwerpunkt auf Handelsvertretern und Distributoren liegt. Diese beinhaltet Hilfestellungen zur Risikobeurteilung, inklusive eines Rahmenkonzepts zur Beurteilung und Umsetzung der Menschenrechte.

Rahmenkonzept zur Beurteilung und Umsetzung der Menschenrechte
Rahmenkonzept zur Beurteilung und Umsetzung der Menschenrechte

Alle Roche-Konzerngesellschaften sind aufgefordert, Menschenrechtsaspekte in ihre regelmässige Risikobewertung einzubeziehen und Standards für einen risikobasierten Ansatz anzuwenden.

Fokus auf die Lieferkette

2017 wurde eine funktionsübergreifende „human rights task force“ gegründet. Sie hat Instrumente und Prozesse zur Erkennung und Minderung von Menschenrechtsrisiken (mit Schwerpunkt auf moderner Sklaverei) entwickelt, die allenfalls in unserer Lieferkette bestehen könnten. Durch die Bewertung unserer geschäftskritischen Lieferanten wurden (unter Berücksichtigung des Länder- und Branchen-/Rohstoffrisikos und nach der Berechnung einer kumulativen Bewertung, die eine Einstufung nach Risikoschweregrad ermöglicht) ein skalierbarer Algorithmus und eine Heatmap der Risiken erstellt.

Unser Ziel ist es sicherzustellen, dass wir auch Risiken der kritischen Lieferanten unserer geschäftskritischen Lieferanten (sprich die Lieferanten 2. Grades) identifizieren und entsprechende Risikobegrenzungspläne haben. Die ausgearbeitete Methodik schafft die notwendige Transparenz zwischen den höheren Ebenen der Lieferkette.

Im Jahr 2017 haben wir mit Unterstützung unserer geschäftskritischen Lieferanten 1000 kritische Sublieferanten (Tier 2) identifiziert, davon 300 Lieferanten mit hohem Risiko (die Zahl ist projektbedingt höher als 2016). Bei diesen wurden Risikobegrenzungspläne angewendet. Ausserdem haben wir festgestellt, dass das Risiko steigt, wenn wir Lieferanten der höheren Ebenen einbeziehen (ab Tier 3), da es sich bei einigen Rohstoffen um landwirtschaftliche Produkte aus Ländern handelt, die beispielsweise im Index für modernen Sklavenhandel an oberer Stelle stehen.

Da wir eine langfristige Beziehung zu unseren Lieferanten anstreben, stehen wir mit ihnen im Dialog und erarbeiten gemeinsam Begrenzungspläne für die identifizierten hohen Risiken.

Ausserdem führen wir Bestätigungsbesuche („Sustainability Assurance Visits“) unseren geschäftskritischen Lieferanten mit Hilfe von externen Prüfgesellschaften durch. Damit stellen wir sicher, dass unsere Lieferanten unsere Erwartungen hinsichtlich der Einhaltung der Menschenrechte und anderer Nachhaltigkeitsgrundsätze erfüllen. 2017 haben wir 156 Bestätigungsbesuche durchgeführt. Es gab keine Anzeichen von Kinderarbeit oder moderner Sklaverei, wir hatten jedoch 114 Auffälligkeiten im Bereich Arbeit zu verzeichnen (z. B. übermässige Überstunden, unangemessene Bezahlung von Überstunden, unzureichende Ruhetage pro Arbeitswoche, unzureichende Auszahlung von Sozialleistungen wie Altersversorgungsregelung). Die Behebung der Befunde haben wir durch Folgeaudits geprüft. Wir haben die Geschäftsbeziehungen zu fünf Lieferanten eingestellt, weil diese trotz Unterstützung unsererseits nicht in der Lage bzw. nicht willens waren, die festgestellten Befunde zu beheben.

Ausserdem integrieren wir systematisch entsprechenden Wortlaut in unsere Verträge mit geschäftskritischen Lieferanten. So wollen wir sicherstellen, dass sie bei den mit ihren eigenen kritischen Lieferanten verbundenen Risiken für Transparenz sorgen und daran arbeiten diese zu minimieren.

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Ziele und Zielerreichung

Meldungen über Menschenrechtsverletzungen

Von unseren Mitarbeitenden und Geschäftspartnern wird erwartet, dass sie Vorfälle offen ansprechen und melden, wenn sie in gutem Glauben davon ausgehen durften, dass im Zusammenhang mit einer Geschäftstätigkeit mit Roche-Bezug jemand etwas getan hat, gerade tut oder möglicherweise etwas tun wird, welches diese Grundsätze verletzt.

Unsere lokalen, regionalen und Group Compliance Officers agieren als Kontaktpersonen bei Zuwiderhandlungen, welche über das Business Ethics Incident Reporting (BEIR) System dem Chief Compliance Officer (CCO) gemeldet werden. Externe Geschäftspartner können sich direkt an den CCO wenden. Sämtliche Anschuldigungen werden ernst genommen und sachlich untersucht. Ist eine Anschuldigung begründet, werden angemessene Massnahmen zur Behebung getroffen.

Im Jahr 2017 wurden 13 begründete Vorfälle im Bereich der Menschenrechte festgestellt, hauptsächlich schwere Menschenrechtsverletzungen (wie Diskriminierung), welche eine Kündigung zur Folge hatten: elf Vorfälle durch Mitarbeitende und zwei Vorfälle durch einen Geschäftspartner.

Der CCO erstattet der Geschäftsleitung sowie dem Corporate-Governance-Ausschuss des Verwaltungsrats detaillierte Meldung.

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