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Kampf gegen Medikamentenfälschungen - zum Schutz der Patienten

Gefälscht wird prinzipiell alles. Die Palette umfasst Arzneimittel, Ersatzteile für Auto und Computer, Kleider, Lebensmittel und Uhren.

Während der Kauf einer gefälschten Uhr strafrechtliche Folgen haben und ein Bussgeld kosten kann, bedroht der Kauf illegaler Medikamente die Gesundheit des Käufers und kostet ihn im schlimmsten Fall das Leben. Jährlich sterben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO bis zu einer Million Menschen aufgrund gefälschter Medikamente.

Die Definition von ‚Fälschung’ ist nicht einheitlich. Entscheidend ist aber letztlich, was eine Fälschung für den Käufer bedeutet. Häufig sind die Wirkstoffe in zu geringen Mengen oder gar nicht vorhanden. Es werden häufig Zuckerpillen oder Wasser in Ampullen verkauft. Immer wieder stellen Fälscher auch Medikamente mit falschen Wirkstoffen her, oder die Substanzen werden mit gefährlichen Bindemitteln gestreckt. Während «Zuckerpillen» bei Lifestyle-Medikamenten einen unzufriedenen Kunden generieren, haben sie bei Patientinnen und Patienten, die auf lebenswichtige Medikamente angewiesen sind, dramatische Auswirkungen.

Pius Waldmeier ist Leiter der Global Roche Anti-Counterfeit Commission (GRACC). Diese Kommmission wurde im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um ein funktionsüberreifendes Expertenteam, das sich dafür einsetzt, dass weltweit Medikamentenfälschungen entdeckt und von der offiziellen Lieferkette ferngehalten werden. Oberstes Ziel der Gruppe ist der Schutz von Patientinnen und Patienten. Die Gruppe definiert Strategien gegen Fälschungen, Diebstahl und unerlaubten Parallel-Import, koordiniert Untersuchungen von Fälschungen und kümmert sich um Folgeaktivitäten.
Pius Waldmeier zeigt sich besorgt über die Entwicklungen, hat sich der Absatzmarkt für gefälschte Produkte mit der Globalisierung und dem Internetverkauf zusätzlich erweitert: «Früher wurden die Fälschungen in Garagen und Hinterhöfen in eher kleineren Mengen hergestellt. Die Fälschungen waren oft plump und daher leichter zu erkennen. Heute existieren zum Teil Fabriken mit einer stattlichen Anzahl an Angestellten und mit modernster Technologie und neustem Equipment, die in der Lage sind, täuschend echte Fälschungen herzustellen und zu verpacken.»

Die Dimensionen des Handels mit gefälschten Medikamenten machen die Kontrolle immer schwieriger. Wir unternehmen alles, um zu verhindern, dass gefälschte Medikamente in die offizielle Lieferkette und damit zum Patienten gelangen. Wir haben zahlreiche Sicherheitsmerkmale eingeführt, damit die Verantwortlichen in Kliniken und Apotheken mit Hilfe spezieller Technologie Fälschungen erkennen können. Das reicht aber nicht aus erzählt Waldmeier: «Aus Platzgründen – zum Beispiel in Kühlschränken - lagern Krankenhäuser Medikamente oft ohne Verpackungen, wobei wichtige Informationen verloren gehen. Bei ungenügend kontrollierter Entsorgung der Abfälle in Kliniken kann es vorkommen, dass die leeren Schachteln gestohlen, verkauft und mit gefälschten Medikamenten bestückt erneut auf den Markt gebracht werden.»

Es finden sich auch immer wieder gefälschte Roche-Produkte auf dem Schwarzmarkt. So wurde letztes Jahr in China grosse Mengen eines gefälschten Immunusuppresivums beschlagnahmt, und in einer Klinik in Ecuador wurde der Fall mit eines falschem Krebsmedikaments aufgedeckt.
Es finden sich auch immer wieder gefälschte Roche-Produkte auf dem Schwarzmarkt. So wurde letztes Jahr in China grosse Mengen eines gefälschten Immunusuppresivums beschlagnahmt, und in einer Klinik in Ecuador wurde der Fall mit eines falschem Krebsmedikaments aufgedeckt.

Gottlieb Keller, Roche General Counsel, weist auf die Verantwortung des Unternehmens hin: «Roche nimmt jeden einzelnen Fälschungsverdacht sehr ernst und arbeitet ständig daran, Produkte noch fälschungssicherer zu gestalten. Vor allem aber braucht es das konsequente Vorgehen von Gesetzgeber, Polizei, Zoll und Gesundheitswesen. Bei der Patientensicherheit darf es keine Kompromisse geben.»

Aber wir können den Kampf nicht alleine führen. Cecilia Fant vom Pharmaceutical Security Institute (PSI), arbeitet regelmässig mit Vertreterinnen und Vertretern der GRACC zusammen. «Gefälschte Medikamente gefährden Patienten auf der ganzen Welt. Das PSI wurde vor mehr als 25 Jahren gegründet, um gegen dieses Problem anzukämpfen. Das Roche-Team arbeitet sehr sorgfältig mit seinen Partnern zusammen. Gemeinsam mit unserem Institut und mit den Strafverfolgungsbehörden wird versucht, kriminelle Organisationen zu identifizieren und sie vor allem daran zu hindern, gefälschte Medikamente zu produzieren und zu verkaufen.»

Um die Sicherheit zu steigern werden in der Europäischen Union ab Februar 2019 alle verschreibungspflichtigen Medikamente mit gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmerkmalen versehen, dank derer man ein Produkt lückenlos rückverfolgen und auf Echtheit prüfen kann.

Zusammen mit allen Partnern kämpfen wir in einer schwierigen Schlacht: «Wir sind den Fälschern nur einen Schritt voraus, und sie setzen alles daran nachzuziehen. Darum dürfen wir nie aufhören, gegen die Fälschung von Medikamenten zu kämpfen und müssen unsere Produkte immer wieder mit neuen Sicherheitsmerkmalen versehen,» sagt Pius Waldmeier.

Zahlen und Fakten

Die Anzahl der weltweit gefälschten Medikamente liegt geschätzt bei zirka 1 bis 3 Prozent in entwickelten Ländern und bei deutlich über 50 Prozent in einigen afrikanischen Ländern. Viele dieser Medikamente werden im asiatischen Raum (meist in China und Indien) im grossen Mengen produziert und über verschiedene Vertriebskanäle in der ganzen Welt verteilt, zum Beispiel über illegale Internet-Apotheken, bei denen rund die Hälfte der Medikamente gefälscht sind. Selbst das Schliessen tausender Internet-Seiten konnte bis heute den Verkauf von Medikamenten via Internet nicht wesentlich reduzieren.

Tags: Gesellschaft, Patienten, Nachhaltigkeit