Sir Harrison Birtwistle

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Der erste Kompositionsauftrag von Roche Commissions wurde 2003 an Sir Harrison Birtwistle vergeben. Seine Komposition, "Night’s Black Bird", wurde am 21. August 2004 am Lucerne Festival im Sommer uraufgeführt.

Harrison Birtwistle, der erste Komponist von Roche Commissions, wurde 1934 in England geboren und gehört zu den besten und originellsten Komponisten weltweit. Nach mehreren Gastprofessuren in den USA war er Musikdirektor des National Theatre und später Leiter der Kompositionsabteilung an der Royal Academy of Music, London. 1988 wurde er von der englischen Königin zum Ritter geschlagen. Zu den wichtigsten Werken Birtwistles zählen die beiden Opern "Punch and Judy" und "The Last Supper", das Orchesterwerk "Earth Dances" sowie der Liederzyklus "Pulse Shadows" nach Gedichten Paul Celans.

Ausgewählte Orchesterwerke von Sir Harrison Birtwistle, "Night’s Black Bird", "The Shadow of Night" und "The Cry of Anubis", gespielt von The Hallé wurden von NMC Recordings im Mai 2011 auf einer CD herausgebracht.

Invention und Innovation in Kunst und Wissenschaft

Als Sir Harrison Birtwistle im Frühjahr 2003 den ersten Kompositionsauftrag von Roche Commissions entgegennahm, war damit auch ein Besuch im Forschungszentrum der Roche in Basel verbunden. Im Rahmen dieses Besuches ergab sich ein intensives Gespräch zwischen Birtwistle und Professor Klaus Lindpaintner, dem damaligen Leiter von Roche Genetics in Basel. Diese Unterhaltung, die bei beiden einen bleibenden Eindruck hinterliess, fand am 25. Mai 2004 in London eine Fortsetzung, auf der der vorliegende Text basiert.

Ein Ausschnitt des Gesprächs:

Harrison Birtwistle: Ich habe mir oft Gedanken gemacht über die Natur einer Idee. Was ist eine Idee? Und was geschieht mit ihr im Verlaufe ihrer Realisierung? Ich möchte gerne wissen, Herr Professor Lindpaintner, wo auf Ihrem Gebiet der Anfang einer Idee ist? Was ist sie? Eine Idee ist wie ein helles Licht. Und dann schwindet das Licht allmählich, und man ist mit der Realität konfrontiert, denn man kann ja nicht für immer inspiriert sein. Wenn ich mit Studenten arbeite, versuche ich ihnen beizubringen, was eine Idee ist, wie man sie erforscht, bis zum höchstmöglichen Grade, um sie bis zum Äussersten zu treiben, damit das Licht gleichsam weiterleuchtet. Es macht einen Unterschied, ob man Teil einer Kontinuität ist oder ob es einen Kontext gibt. Dann ist es leichter, in gewisser Weise. Ich kann mir jetzt eine Idee einfallen lassen, und während ich dies tue, bin ich gespannt, was geschieht.

Klaus Lindpaintner: Ja, sehen Sie, Sir Harrison, ich denke, es ist in der Wissenschaft in verschiedener Hinsicht ähnlich. Wir haben eine Idee und verfolgen sie weiter, wir sagen dann, wir setzen sie in die Praxis um, oder wir realisieren sie. Aber es geht wahrscheinlich weniger darum, dieses Licht zu erforschen, sondern um die Frage, ob es dieses Licht überhaupt gibt. Es geht darum sicherzustellen, dass es ein Stern oder ein Sonnensystem ist, und nicht bloss ein Meteor oder eine Sternschnuppe. In der Kunst mag eine Sternschnuppe so gut sein wie ein Fixstern, solange sie schön ist während der Dauer ihres Daseins. In der Wissenschaft ist das nicht so. Hier beginnt die Plackerei dann, wenn neun von zehn Versuchen, um den Unterschied zwischen Sternschnuppe und Fixstern herauszufinden, fehlgeschlagen sind. Neben diesem Verfolgen eines vorgegebenen Ziels ist in der Wissenschaft aber eines ganz besonders wichtig – und ich bin gespannt, ob dies auch in Ihrem Bereich eine Rolle spielt – nämlich, die Augen offen zu halten für das Unerwartete...

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