Erhellende Perspektiven: Ein näherer Blick auf die geografische Atrophie

Von Dr. Christopher Brittain, Ophthalmologe

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Chris Brittain, ausgebildeter Ophthalmologe, kam 2014 als International Medical Director zu Roche

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine schwere, das Augenlicht bedrohende Erkrankung. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als es für Patienten mit fortgeschrittener AMD keinerlei Behandlungsmöglichkeiten gab. In den letzten zehn Jahren gab es unglaubliche Fortschritte in der Behandlung von retinalen Augenerkrankungen, und Patienten, die früher das Schicksal der Erblindung ereilte, können heute sehen. Leider ist eine Form der fortgeschrittenen AMD, die sogenannte geografische Atrophie (GA), nach wie vor unbehandelbar. In jüngster Zeit haben uns eine Reihe von internationalen genetischen Kartierungsstudien vor Augen geführt, welche Rolle Gene bei der Veranlagung für die Entwicklung einer AMD oder bei ihrer Vorbeugung spielen. Wir wissen heute sehr viel mehr über die biologischen Pathomechanismen der Krankheit. Aufgrund der wesentlichen Fortschritte in der Technologie der Augenuntersuchung und der biologischen Therapeutika stehen wir kurz davor, die GA behandeln zu können - eines der letzten ungelösten Probleme der Ophthalmologie.

Geografische Atrophie: Eine fortschreitende, irreversible Erkrankung, die zur Erblindung führt

Die geografische Atrophie ist eine wenig bekannte und oft unterdiagnostizierte Erkrankung, für die es bis heute keine Möglichkeit der Behandlung oder Heilung gibt. Die Erkrankung ist eine der Hauptursachen für Erblindung in der entwickelten Welt, und weltweit sind über 5 Millionen Menschen davon betroffen. Die geografische Atrophie ist eine fortgeschrittene Form von AMD. Bei AMD bilden sich Ablagerungen unter der Netzhaut (Retina) des Auges, und mit zunehmender Ausdehnung und Vergrösserung dieser Ablagerungen werden die spezialisierten Zellen der Retina geschädigt und zerstört, vor allem im Bereich des gelben Flecks (Makula) in der Mitte der Netzhaut. GA ist eine fortschreitende, irreversible Erkrankung – die abgestorbenen Netzhautzellen wachsen nicht nach. Die Erkrankung kann individuell sehr verschieden ausgeprägt sein und schreitet nicht bei jedem Betroffenen gleich schnell fort. Wichtig ist, dass die Krankheit früh erkannt, überwacht und behandelt wird.

Die Betroffenen leiden unter verschwommenem Sehen, haben Probleme beim Lesen, Farbensehen oder Erkennen von Gesichtern und sind in ihren alltäglichen Aktivitäten eingeschränkt. Zwar sind hauptsächlich Menschen über 75 Jahren betroffen, die jedoch ansonsten oft gesund sind und selbstständig leben. Die sozialen Kontakte, das Arbeitsleben, das Autofahren und das sichere Umhergehen werden zunehmend beeinträchtigt. Soziale Isolation und Depression können die Folge sein. Die Patienten benötigen ein enges Netzwerk der Betreuung durch die Familie, einen Partner/Betreuer oder die Gemeinde.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Der hohe ungedeckte medizinische Bedarf bei Patienten mit GA ist unbestritten – es gibt noch keine zugelassenen Medikamente für GA. Wir versuchen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die der Krankheit zugrundeliegenden biologischen Pathomechanismen sind vielfältig: Oxidativer Stress, lokale Entzündung und genetische Risikofaktoren können zur Entwicklung der GA beitragen. Ein dabei beteiligter Stoffwechselweg ist derjenige der alternativen Komplementaktivierung – ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Der zielgerichtete Eingriff in diesen Stoffwechselweg ist eine neue und komplexe Strategie in der Ophthalmologie. Zahlreiche Arbeitsgruppen erforschen unterschiedliche Behandlungsansätze. Eine zweite treibende Kraft sind die Fortschritte in den Bildgebungstechnologien, mit denen Netzhautveränderungen genauer diagnostiziert und überwacht werden können. Sie ermöglichen eine bessere Beurteilung der Krankheitsprogression und potenzieller zukünftiger Therapien.

Bei Roche folgen wir der Wissenschaft, um neue Medikamente für eine Reihe von Augenerkrankungen zu entwickeln. Unser Ziel ist, den Sehverlust aufzuhalten, zu verhindern oder zu behandeln und das Leben von Millionen von Menschen mit schweren Augenleiden zu verbessern. Ich arbeite zwar vor allem in Projekten, in denen es speziell um geografische Atrophie geht, aber Roche erforscht auch andere Netzhauterkrankungen – wir leisten zum Beispiel Pionierarbeit bei der Entwicklung eines bispezifischen Antikörpers gegen zwei Faktoren, die bei der neovaskulären AMD eine wichtige Rolle spielen. Eine weitere Herausforderung, der wir uns stellen, besteht darin, die Therapietreue der Patienten zu verbessern, sei es durch neue Darreichungsformen oder Systeme zur verzögerten Wirkstoff-Freisetzung.

Es muss dringend eine Zielstruktur identifiziert werden, über die das Fortschreiten der geografischen Atrophie verlangsamt werden kann. Darüber hinaus sehen wir die Möglichkeit, Medikamente verzögert freizusetzen, um die Einnahmebereitschaft der Patienten zu verbessern und die klinische Belastung zu reduzieren. Deshalb sind die kommenden zwei Jahrzehnte sehr vielversprechend, und ich freue mich auf das, was die Zukunft bringt!

Tags: Ophthalmology, Geographic Atrophy