Ausbau des Roche-Standorts in Schanghai spiegelt Chinas Bedeutung für das Pharmageschäft

Chinas wirtschaftlicher Aufstieg ist kein Geheimnis. Als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt hat das Land von der Produktion bis zur Forschung in allen Bereichen gewaltige Fortschritte erzielt, und sein Einfluss ist weltweit spürbar. Für Roche ist China einer der am schnellsten wachsenden Märkte. Dies zeigt sich an der seit Jahren zunehmenden Bedeutung des Standorts Schanghai für das Pharmageschäft. Heute arbeiten über 1800 Kolleginnen und Kollegen auf dem stetig wachsenden Areal. Landesweit beschäftigt das Unternehmen 5000 Mitarbeitende.

Das neue Zentrum macht Schanghai zu einer bedeutenden Drehscheibe im Konzern.
Christiane Glanzmann

«Roche ist seit 20 Jahren am gleichen Standort. Mittlerweile umfasst das 70’000 Quadratmeter grosse Areal 19 Gebäude unterschiedlicher Grösse. Zwei davon befinden sich zurzeit im Bau, zwei weitere werden geplant. Dies ist angesichts von Chinas Bedeutung für den Pharmaweltmarkt und das resultierende Wachstum des Standorts Schanghai notwendig», betont Hans Tanner, Leiter Projektmanagement China. Neben umfangreichen Investitionen sind damit verschiedene Initiativen für eine nachhaltige und mitarbeiterfreundliche Standortentwicklung verbunden.

Es sei daran erinnert, dass Roche erst Ende der 1990-Jahre in Schanghai eine neue Fabrik baute. Sie wurde 1997 in Betrieb genommen. Biotech-Produkte wie Pegasys und MabThera werden ebenfalls in Schanghai verpackt. Anfang 2006 wurde zudem ein Hochleistungsbetrieb für die Solida-Produktion zur lokalen Herstellung eröffnet.

Schanghai ist der Hauptsitz des Pharmageschäfts in China; landesweit gibt es zudem über 30 Zweigstellen. Der umfassende Ausbau des Standorts, der im Zusammenhang mit dem «Shanghai Site Masterplan» erfolgte, kostete bisher 1,8 Milliarden RMB (rund 300 Millionen Franken). Mit SHiP II und ICUP 35 wurden zuletzt zwei weitere Projekte lanciert. SHiP II startete im August 2012 und wird voraussichtlich bis September 2015 abgeschlossen.

«Nach einer eingehenden Analyse und Machbarkeitsstudie, die im Rahmen der Shanghai Site Master Planning Initiative im zweiten Quartal 2012 durchgeführt wurde, war klar, dass wir eine zusätzliche Hochleistungs-Produktionsanlage für unser Pharmageschäft bauen mussten. All das gehört zum Projekt SHiP II, das bis Ende des dritten Quartals 2015 abgeschlossen sein muss. ICUP 35 umfasst den Bau zentraler Versorgungseinrichtungen, um den heutigen und den künftigen Versorgungsbedarf des Standorts zu decken. Darin sind massgebliche Aspekte des energiesparenden Designs und der optimalen Raumnutzung berücksichtigt. Hinzu kommt eine erweiterte 35-kV-Stromversorgung für das Areal», erklärt Tanner.

So umfasst das Versorgungsprojekt den Ausbau der Kläranlage, die Verlegung der Anlage für die Trinkwasseraufbereitung, die Erweiterung der Dampferzeugungsanlage, die Sicherheitssystem-Überwachung sowie Telefon- und Datenleitungen.

Ausbildung ist wichtig

Tausende Mitarbeitende im Land zu beschäftigen, erfordert laufende Ausbildungsprogramme im Aussendienst und am Sitz in Schanghai. Ein neu errichtetes Ausbildungszentrum bietet Platz für 300 Teilnehmende. Frühere Ausbildungsprogramme wurden extern durchgeführt und waren mit zusätzlichen Reisen und Kosten verbunden. «Ausbildung ist für die Geschäftsentwicklung in China unabdingbar. Das neue Zentrum ermöglicht lokale, regionale und globale Schulungen und macht den Standort Schanghai zu einer bedeutenden Drehscheibe im Roche-Konzern», erklärt Christiane Glanzmann, frühere Project- Managerin, ROSE II, die heute in South San Francisco arbeitet.

Ausbildung ist für die Geschäftsentwicklung in China unabdingbar.
Christiane Glanzmann

Das Ausbildungszentrum befindet sich in einem grösseren Bau (B11), der zwischen dem zweiten und fünften Stockwerk auch 350 Büros für die Bereiche Product De-

velopment Asia Pacific (PDY) und Strategic Planning and Commercial Excellence (SPACE) beherbergt. «PDY war bisher in einem Mietobjekt untergebracht. Die Verlegung fördert den Übergang des Stand-orts zu einem dritten strategischen Standbein neben Basel und South San Francisco», betont Glanzmann. Der Bau wurde im September 2014 eröffnet.

Liftfreie Tage

Um diese umfassenden Erweiterungspläne möglichst umweltfreundlich und nachhaltig zu gestalten und die Mitarbeitenden einzubeziehen, laufen verschiedene Projekte und Aktivitäten. Dazu gehören neben Bemühungen um die Änderung der Lebensgewohnheiten auch IT-Programme, Kantinen und Cafés auf dem Areal sowie laufende Energiediagnosen.

Im September 2014 beteiligten sich die Mitarbeitenden dreier Gebäude des Standorts während 21 Tagen an einer Kampagne namens «No Elevator Days». «Dadurch sollte das Bewusstsein für Energieeinsparungen und gesundes Treppensteigen gefördert werden. Die Mitarbeitenden waren aufgerufen, tagsüber die Treppen statt den Lift benutzen. Obwohl dies nicht obligatorisch war, reagierten viele Mitarbeitenden positiv», so Sunny Zhu, Senior Administration Officer, Administration and General Affairs Department (ADGS).

Die Abteilung plant zurzeit eine Kampagne, welche die Mitarbeitenden über die Reduktion von Lebensmittelabfällen in der Kantine aufklären soll. Um das Trennen von Abfall gezielt zu fördern, wurden in den Teeküchen des Standorts mit Unterstützung der Bereiche SHE (Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz) und ADGS 30 entsprechend beschriftete Tonnen aufgestellt.

Wegwerftassen kosten mehr

Das ADGS unternimmt auch gezielte Anstrengungen, um den Einsatz von Papierbechern einzudämmen, die auf dem weitläufigen Gelände in grosser Zahl für Kaffee benutzt werden. Seit Mai 2014 fördert die Abteilung die Verwendung von Kaffeetassen, die in den verschiedenen Teeküchen wieder eingesammelt werden. Ein Kaffee im Papierbecher kostet 2 RMB mehr.

Der Energieverbrauch pro Kopf nimmt bei Roche Pharma China Jahr für Jahr ab und dürfte 2014 gegenüber 2009 um schätzungsweise 15 Prozent zurückgehen. Zur Erreichung des weltweiten SHE-Energiesparziels von Roche wurden an diesem stetig wachsenden Standort verschiedene Massnahmen umgesetzt. Seit September 2014 wird die Bürotemperatur in sechs Gebäuden neu geregelt, um Stromeinsparungen von 45 Prozent zu ermöglichen.

Weitere Massnahmen sind: Beleuchtung mit automatischer Einschaltung, ein geothermisches Wärmepumpensystem, den Ersatz von Leuchtstofflampen durch LED-Leuchten sowie in einigen Gebäuden effizientere Klimaanlagen.

Nächste Schritte

Während diese vielfältigen Massnahmen helfen, den Standort nachhaltig und umweltfreundlich zu machen und die Mitarbeitenden zu einem gesünderen Leben zu bewegen, arbeitet das «Site Masterplan»-Projektteam bereits an der Weiterentwicklung des Standorts.

Nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten im Jahr 2015 sind zwei weitere Gebäude geplant. Bei dem im September 2014 von der Konzernleitung bewilligten Roche Innovative Campus Shanghai (RICS) handelt es sich um ein neues pRED-Gebäude, das neben Basel und San Francisco als drittes F+E-Zentrum von Roche dienen wird. Als Erweiterung des bisherigen QC LAB wird QC LABEX einer wachsenden Anzahl Laborspezialisten Platz bieten und den Bedarf der zunehmenden lokalen Produktion decken.

Zusammen mit der angekündigten Investition in Höhe von 450 Millionen Franken für eine neue Produktionsanlage zur Herstellung diagnostischer Produkte in Suzhou unterstreicht dies Chinas wachsende Bedeutung für die Weltwirtschaft und die Gesundheitsindustrie.

Tags: Nachhaltigkeit, China