Pionier der industriellen Architektur

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Roche-Gebäude sagen viel aus über die Firmenkultur. Sie folgen weltweit sieben architektonischen Prinzipien.

“In der Architektur muss sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.» Dieses Zitat des ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt a.M., Walter Wallmann, lässt sich auch auf die Firmenarchitektur übertragen. Die Architektur drückt aus, was ein Unternehmen zu sagen hat. 1935 hat Otto R. Salvisberg für Roche in Basel das Verwaltungsgebäude (Bau 21) realisiert. Die Attribute «Klarheit» und «zeitlose Funktionalität» prägen seit dieser Zeit die Architektur des Unternehmens und drücken eine entsprechende Haltung aus. Und auch der Begriff der spar-tanischen Eleganz findet in Roche-Gebäuden weltweit seine Entsprechung.

Architektur ist ein wichtiger Teil der Firmenidentität – ebenso wie die lange Roche-Tradition des Kultursponsorings in der bildenden Kunst und der Musik. Die Roche-Gebäude sagen viel aus über die Firmenkultur. Man erkennt sie weltweit an unterschiedlichen Standorten dank ihrer formalen Übereinstimmung und dem gemeinsamen Kontext. Aufgrund der Initiative von Kolja Bartscherer, verantwortlich für Diagnostics Global Engineering & Facilities, hat der ehemalige Roche-Architekt Gerard Wagner zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von Pharma sieben Prinzipien festgehalten, nach denen weltweit Roche-Gebäude gebaut werden sollen, damit sie in ihrer Gesamtheit greifbar sind für Mitarbeitende, Besucher, aber auch für die Öffentlichkeit.

Die sieben Prinzipien, die in einem ausführlichen Planungsführer detailliert erläutert werden, lassen sich auf die unterschiedlichen Gebäudetypen anwenden, also auf Produktions-, Forschungs-, Lager- und Administrationsbauten. Zusätzlich zu den Leitlinien für den Bau und das äussere Erscheinungsbild finden sich auch Anweisungen, wie das Innenleben der Gebäude je nach Funktion (Büro, Labor, Cafeterias usw.) aussehen soll.

São Paulo, Brasilien

Geschichte der Roche-Architektur

Die Geschichte der Roche-Architektur beginnt eigentlich erst 1935. Von der Gründung 1896 bis zu diesem Zeitpunkt waren am Hauptsitz in Basel und an einigen anderen Standorten unterschiedliche, meist einfach zweckorientierte Gebäude entstanden. Als klar wurde, dass Roche weltweit expandieren und den Hauptsitz ausbauen möchte, wurde die Idee einer einheitlichen Architektur geboren. Der damalige Unternehmenschef Emil Barell, bekannt für seine Autorität und seinen ausgeprägten Sparsinn, engagierte Otto Rudolf Salvisberg, einen Schweizer Architekten, der seine Meriten vor seiner Berufung als Professor an die ETH Zürich in Berlin erworben hatte. Ein breitschultriger, grobschlächtig wirkender, im Inneren aber sehr empfindsamer und zurückhaltender Mensch – allerdings ausgestattet mit einem sprichwörtlichen «Bernergrind». Und die Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Charaktere funktionierte erstaunlich gut. Gemeinsam leiteten die beiden eine baugeschichtliche Epoche ein, die bis in die heutige Zeit hineinreicht. Salvisberg baute 1935 das Verwaltungsgebäude (Bau 21) in Basel.

Das erste Produktionsgebäude auf dem Nordareal (Bau 29) diente fortan als Prototyp für weitere Bauten weltweit. Mit dem Entscheid, Salvisberg nicht nur den Verwaltungskomplex bauen zu lassen, sondern 1939 einen Masterplan für das Basler Areal zu entwerfen, leistete Barell Pionierarbeit auf dem Gebiet der industriellen Architektur. Und als kriegsbedingt Forschungs- und Produktionsaktivitäten nach England und in die Vereinigten Staaten ausgelagert wurden, entstanden auch dort Gebäude nach dem Basler Vorbild.

Nach dem Tod Salvisbergs (1940) wurde dessen Arbeit bei Roche von seinem Partner Roland Rohn weitergeführt. Unter seiner Leitung entstanden das «Hochhaus» Bau 52, der Verwaltungstrakt Bau 71 und die Forschungsbauten 68 bis 70, die das Erscheinungsbild des Unternehmens gegen den Rhein hin noch heute prägen. Als dritte Bauepoche gilt die Zeit nach 1970, als Roche der einmal eingeschlagenen Linie weitmöglichst treu blieb und namhafte Architekten damit beauftragte, weltweit die Geschichte des Roche-Designs fortzuschreiben. Dabei verharrt man keineswegs in Althergebrachtem, im Standardisierten. Stets wird der Entwicklung neuer Materialien oder neuer Bauarten Rechnung getragen – die sieben Prinzipien aber stellen sicher, dass sich auch in der Architektur die Roche-Werte und eine klar definierte Haltung widerspiegeln – und das weltweit.

1. Kontext

Roche-Gebäude fügen sich in das bestehende natürliche und funktionelle Umfeld eines Standorts ein. Sie sind keine losgelösten oder stilisierten Objekte. Roche-Gebäude sind Teil einer ausgewogenen Standortentwicklung, auf einem Masterplan beruhend.

2. Funktion

Bei industriellen Bauten ist die Funktionalität die entscheidende Voraussetzung. Die funktionelle Zuordnung von Bauten dient dazu, den Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden.

3. Form

Die Form von Roche-Gebäuden wird geprägt von Klarheit, Ausgewogenheit und orientiert sich am menschlichen Massstab. Roche-Gebäude stehen für zurückhaltende und zeitlose Eleganz.

4. Raum

Der Raum wird durch die Erfahrung der vertikalen Dimension erlebt. Klare Grundrissgestaltung und Einbezug der vertikalen Schichtung sind Voraussetzung für ausgewogene innere und äussere Volumen.

5. Elemente

Elemente sind gestaltete Komponenten, die einem Gebäude seinen Charakter verleihen. Spezielle Aufmerksamkeit gilt Eingangsbereichen, Treppenhäusern, Hand­läufen, der Anordnung von Fenstern. Elemente leiten sich ab von der Funktionalität und folgen ästhetischen Werten.

6. Licht

Licht ist sichtbare Energie, die das Wahrnehmen von Raum, Form und Farbe ermöglicht. Natürliches Licht lässt Strukturen plastisch erscheinen und vermittelt hohe Arbeitsplatzqualität.

7. Farbe

Roche-Gebäude sind hell und entsprechen der Idee der weissen Fabrik. Weiss und Hellgrau sind die bevor­zugten Farbtöne. Sie widerspiegeln Reinheit und stehen für ein im Gesundheitswesen tätiges Unternehmen. Andere Farben werden als Akzente eingesetzt.

Tags: Nachhaltigkeit, Environment, Gesellschaft, Kultur