Gratis-Energie aus der Plastikflasche

Innovative Solar-Technologie bietet Lösung für Energieknappheit auf den Philippinen

Die Herausforderung

Elektrizität ist auf den Philippinen ausserordentlich teuer, falls überhaupt vorhanden. Rund drei Millionen Haushalte sind ohne Strom. Das Leben fernab von Elektrizität ist exemplarisch für die harte Ausgrenzung der Ärmsten der Armen, die häufig auf abgelegenen Inseln oder in schwer zugänglichen Berggebieten leben.

Auch in der Hauptstadt Manila haben grosse Slums keinen Zugang zu Strom. Die Häuser sind so nah aneinander gebaut, dass viele von ihnen keine Fenster oder kein Tageslicht haben. Viele Familien arbeiten, leben und essen deshalb in fast vollständiger Dunkelheit.

Unser Engagement

Projekt 1

Als Ilias Diaz, Gründer und Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation MyShelter Foundation, von der Solar-Flaschen-Glühbirne erfuhr, die genug Licht spendet, um ein ganzes Haus zu erhellen, wusste er, dass er einen Weg gefunden hatte, um Menschen, die ohne Strom auskommen müssen, zu helfen. Die innovative umweltfreundliche Glühbirne liefert kostenloses Licht, indem eine Recycling-PET-Flasche mit Wasser und Bleichmittel gefüllt wird. Die Flasche wird im dünnen Dach der bescheidenen Unterkünfte montiert. Das darin enthaltene Wasser reflektiert oder bricht die Sonnenstrahlen in alle Richtungen und produziert so viel Licht wie eine 40- bis 60-Watt-Glühbirne. Die Solarlampe kann ganz einfach aus einer 1,5- oder 2-Liter-PET-Flasche hergestellt werden und hat eine Lebensdauer von bis zu fünf Jahren.

Dies war der Start eines revolutionären Projekts, das auch als «Ein Liter Licht» bekannt ist. Begonnen wurde es in Manilas ärmster Gegend im Jahr 2011. Diaz arbeitete mit Gemeindevorstehern, lokalen Behörden und anderen Partnern zusammen, um Unterstützung für das Projekt zu finden. Er führte ein Businessmodell ein, welches das Zusammensetzen und Installieren der Flaschen-Glühbirnen durch Einheimische vorsieht, die mit ihrer Arbeit ein kleines Einkommen erzielen. Roche Philippinen spendete über 500 solcher Glühbirnen sowie Bohrmaschinen, Leitern und andere Materialien, die für die Installation benötigt werden. Das «Ein Liter Licht»-Projekt erhellte schon bald 28'000 Unterkünfte und das Leben von 70'000 Menschen in der Stadt.

Ein grosser Nachteil war aber, dass damit nur tagsüber für Beleuchtung gesorgt war. Die Solarleuchte wurde deshalb weiterentwickelt. Die neueste Version enthält ein LED-Licht sowie einen kleinen Solarkollektor plus eine Batterie, um während des Tages Energie zu erzeugen und zu speichern. Die Batterie kann das LED-Licht für rund zehn Stunden pro Nacht mit Energie versorgen. Die Verbesserungen spielten auch eine wichtige Rolle, als es darum ging, Bewohner in einem ländlichen Gebiet nach einer Naturkatastrophe zu unterstützen.

Projekt 2

Im November 2013 verwüstete Taifun Yolanda, einer der schlimmsten tropischsten Wirbelstürme überhaupt, Teile der Philippinen. Zu den am schwersten betroffenen Gebieten gehörten viele kleine verarmte Küstenregionen, wie z.B. die Insel Naborot. , im nördlichen Iloilo, die mit ihren 37 Barangays und einem unheimlichen Fischreichtum auch “Alaska” der Philippinen genannt wird.   

Als Reaktion darauf unterstützte Roche Philippinen ein weiteres Mal die MyShelter Foundation in Abstimmung mit dem «Rebuild Project», das lanciert wurde, um den Wiederaufbau im ganzen Land zu beschleunigen. Ziel war es, Solarglühbirnen in den Häusern auf der Insel Naborot zu installieren sowie entlang von Wegen, die den Bewohnern als Notfallpfade dienen sollten, um sich im Fall einer weiteren Sturmgefahr in höhere gelegene Gebiete in Sicherheit bringen zu können.

Das Projekt wird von Roche finanziell unterstützt, während die MyShelter Foundation technische Hilfe, Konzeption und Beratung bietet. Die Bewohner von Naborot tragen mit eigenen Leistungen zur Installation der Lampen bei, was die Eigenverantwortung und Eigenständigkeit vor Ort erhöht. Zudem wurde mit dem Dorfrat ein Modell für die Servicekosten vereinbart, um Ersatzteile für den Unterhalt der Leuchten zu beschaffen.

Die Unterstützung für dieses Projekt folgt unserer allgemeinen Philosophie, die sich auf die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen konzentriert und zum Ziel hat, die Selbstverantwortung zu stärken und gemeinsam eine nachhaltige Wirkung zu erzeugen.

Es ist toll, dass die Bewohner die Lampen selber installierten und auch für deren Wartung zuständig sind. Es ist so, als ob die gesamte Insel kostenlos erleuchtet wurde. Und es ist ja tatsächlich Gratis-Strom.
Illac Diaz III Vorstand und Gründer der MyShelter Stiftung

Doch die Installation von Solarleuchten auf einer abgelegenen Insel unterscheidet sich völlig von der Arbeit in einer Stadt. Eine der Herausforderungen, die sich Diaz stellten, war der Transport von Materialien per Boot nach Naborot, darunter Zement und Stangen. Auch die Solarkomponenten waren nicht immer erhältlich und die Kosten dafür hoch. Diaz gründete deshalb eine Non-Profit-Organisation, um die Teile vor Ort herzustellen, und schulte Studenten, damit sie Unterstützung bieten konnten.

Am 12. Juni 2014 um 18.03 Uhr verabschiedeten sich die 43 Haushalte und 212Bewohner von Naborot für immer von dunklen Nächten und weihten die Beleuchtung für ihre Wege auf der Insel offiziell ein. Nachdem auch ihre Häuser durch das wundervolle Solarlicht beleuchtet sind, erhielten die Inselbewohner Zugang zu einer Grundversorgung, die für viele selbstverständlich ist.

«Bevor ich diese Nacht schlafen ging, schaute ich hinüber zu den Nachbarinseln, die alle im Dunkeln lagen. Auch sie würden von der Dunkelheit befreit werden. Es wird schon bald ein Naborot auf den anderen Inseln von Nord Iloilo geben. Naborot ist eine wunderschöne Insel, von innen wie auch von aussen, die es zu erhalten gilt, und die Bewohner fühlen sich jetzt wie in einer Stadt.» Danny Del Rosario, Projektleiter ReBuild.

Licht verbreiten

Roche hat sich verpflichtet, 5000 Familien zu unterstützen. Naborot ist die erste von 37 Inselgemeinschaften in Nord Iloilo, die Roche Philippinen und MyShelter beleuchten wollen. Alle wurden von Taifun Yolanda heimgesucht und sind ohne Strom.

In der Zwischenzeit zählt Diaz auf die Hilfe von Freiwilligen, welche die «Ein-Liter-Licht»-Bewegung in die Welt hinaustragen. Mit den Philippinen als Basis hat er Niederlassungen in Indien, Indonesien und der Schweiz gegründet. Die Vision ist, bis ins Jahr 2015 eine Million umweltfreundliche Solar-Flaschen-Lampen installiert zu haben.

Bemerkung:

Am 17./18. September 2014, zwei weitere Barangays (Nasidman und Ajuy) konnten mit 122 Solarlichtern und 10 Lampenpfosten ausgestattet werden.

Tags: Nachhaltigkeit, Environment, Gesellschaft, Philanthropie