Biosimilars: Nicht genau gleich

Biosimilars treten weltweit immer häufiger auf, aber etliche Fragen bleiben offen.

Es tut sich viel in der Welt der Biosimilars. Während Zulassungsbehörden daran arbeiten, klare Regeln für die sichere Einführung von biosimilaren monoklonalen Antikörpern aufzustellen, kommen in einigen Ländern bereits die ersten dieser Medikamente auf den Markt.

Positive Schritte

Viele Schwellenländer entwickeln oder implementieren zurzeit Vorschriften für die Zulassung von Biosimilars auf der Basis des Leitlinien­dokuments der Weltgesundheitsorganisation (WHO). “Eine der jüngsten Entwicklungen ist die Absicht der Zulassungsbehörde in China, in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Interessengruppen nationale Zulassungsanforderungen für Biosimilars festzulegen”, erklärt Fermín Ruiz de Erenchun, Global Head Biologic Strategy Team von Roche.

“Die Herausforderung für viele dieser Länder,» fügt er hinzu, «wird die Umsetzung und Anpassung der Richtlinien an die nationalen Gegebenheiten sein. In dieser Frage ist noch eine weitere Annäherung erforderlich.”

Produktnamen

Die Namensgebung von Biosimilars und Biotherapeutika im Allgemeinen war in den vergangenen Jahren ebenfalls ein wichtiges Thema für die WHO und viele nationale Zulassungsbehörden. In mehreren Foren wurde heftig dar­über diskutiert. Roche nahm in diesem Rahmen auch an der offenen Tagung der WHO zur Fragestellung teil, ob derartige Produkte denselben internationalen Wirkstoffnamen (International Nonproprietary Name, INN) tragen dürfen wie das eigentliche Originalprodukt (Innovatorprodukt).

“Die Patientensicherheit ist das Allerwichtigste. Deshalb sind Roche und andere Unternehmen der Auffassung, dass alle biopharmazeutischen Medikamente bei der Verschreibung und der Abgabe eindeutig identifizierbar sein müssen. Dies wäre im bestehenden INN-System nicht möglich, wenn man für Biosimilars denselben Wirkstoffnamen wie für das entsprechende Innovatorprodukt verwenden würde”, betont Ruiz de Erenchun. Seiner Ansicht nach könnte nur ein eindeutiges und allgemein gültiges Bezeichnungssystem gewährleisten, dass alle zugelassenen Biopharmazeutika eindeutig identifizierbar sind.

Bei allen Produkten muss an erster Stelle immer die Patientensicherheit stehen
Fermín Ruiz de Erenchun

Die WHO hat vor kurzem ausserdem einen Dokumentenentwurf über behördliche Erwartungen und die Risikobewertung für Bio­therapeutika (Regulatory Expectations and Risk Assessment for Biotherapeutic Products) ­herausgegeben. Dieser befasst sich speziell mit ­Biopharmazeutika, die in Märkten zugelassen wurden, in denen es entweder keine Richtli­nien für Biosimilars gibt oder deren Regelungen nicht unbedingt den globalen Empfehlungen aus dem Jahr 2010 entsprechen.

Offene Fragen

Trotz der Fortschritte sind nach wie vor wichtige Fragen offen. Für Ruiz de Erenchun bleibt das Fehlen einer wissenschaftlichen Position in Bezug auf die automatische Austauschbarkeit eines Biosimilars mit dem Innovatorprodukt ein zentrales Problem. «Der Austausch ist gängige Praxis bei den meisten Generika, aber für Biopharmazeutika gelten andere Grundsätze», erläutert er. Um Biopharmazeutika für automatisch austauschbar zu erklären, müsse nachgewiesen werden, dass der Wechsel zwischen dem Referenzprodukt und dem Biosimilar keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit und Sicherheit bei den Patienten hat – erst dann seien die Produkte untereinander austauschbar. «In den meisten Fällen liegen, wenn überhaupt, nur wenige Daten vor, die für die automatische Substitution dieser Produkte sprechen. Dennoch gibt es immer noch keine weltweit anerkannte Position zu diesem Punkt», so Ruiz de Erenchun.

Bezeichnend für die nach wie vor bestehende Uneinheitlichkeit hat Health Canada Richtlinien herausgegeben, die Biosimilars zu nicht austauschbaren Produkten erklären, und die FDA in den USA wird dieses Jahr entsprechende Richtlinien veröffentlichen, während die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in nächster Zeit wohl keine Leitlinien zu diesem Thema vorlegen wird.

Die Position von Roche

“Roche hat gezeigt, dass der beste Weg, echten Nutzen für Patienten zu schaffen, darin besteht, weiterhin innovative Medikamente und Dia­gnostika zu entwickeln. So haben wir bis heute bereits neun innovative Krebsmedikamente entwickelt, die nachweislich das Leben von Menschen mit zwölf häufigen Krebsarten verbessern und in vielen Fällen verlängern”, sagt Ruiz de Erenchun.

Seiner Meinung nach «verstärkt die Verfügbarkeit von Biosimilars den Wettbewerb und kann wirtschaftliche Vorteile für die Gesundheitssysteme bringen, während weiterhin neue Behandlungsmöglichkeiten durch Fortschritte der medizinischen Wissenschaft hervorgebracht werden. Aber egal, ob zugelassene Biopharmazeutika oder nicht vergleichbare Biologika – bei allen Produkten muss die Patientensicherheit an erster Stelle stehen.”

“Diese Sicherheit ist nur gewährleistet, wenn die Produkte gründlichen und umfassenden analytischen, präklinischen und klinischen Vergleichsstudien unterzogen wurden und wenn dies durch entsprechende Vorschriften geregelt wird. Wir setzen uns dafür ein, dass die Vorschriften für Biosimilars die innova­tive Forschung nicht behindern, sondern fördern und einen Anreiz für die Entwicklung neuer Medikamente bieten”, so Ruiz de Erenchun im Gespräch mit Roche.

Definitionen

Biosimilar

Laut Definition der European Medicines Agency ist ein «Biosimilar ein biologisches Arzneimittel, das eine Version des Wirkstoffs eines bereits zugelassenen biologischen Originalarzneimittels (Referenz-Arzneimittel) enthält. Ein Biosimilar zeigt in seinen Qualitätsmerkmalen und seiner biologischen Aktivität, Sicherheit und Wirksamkeit eine grosse Ähnlichkeit mit dem Referenz-Arzneimittel, die mithilfe einer umfassenden Vergleichsuntersuchung nachgewiesen wird.»

Nicht vergleichbare Biologika

Laut Definition des internationalen Pharmadachverbands IFPMA wurden «vor der Einführung einer wissenschaftsbasierten Regelung für die Zulassung von Biosimilars verschiedene Biologika in einigen Ländern auf den Markt gebracht. Da die Angemessenheit der Vergleichsstudien mit einem geeigneten biotherapeutischen Referenzprodukt und die Grundlage für die Zulassung unklar ist, werden diese Produkte am besten als nicht vergleichbare Biopharmazeutika beschrieben.

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