Mitarbeitende spricht über den Prinzen in ihrem Leben

Lieblingslektüre in vielen Sprachen und Dialekten: Odeta Rimkeviciute besitzt zahlreiche Exemplare des Kleinen Prinzen, die sie auf ihren Reisen um die Welt

Eine Roche-Kollegin sammelt mehrsprachige Ausgaben ihres Lieblingsbuchs und hat interessante Geschichten zu erzählen.

Menschen haben alle möglichen Hobbys und Interessen – auch Odeta Rimkeviciute von Roche. Sie sammelt verschiedene Ausgaben des Kleinen Prinzen (Le Petit Prince), 1943 von Antoine de Saint-Exupéry auf Französisch verfasst. Auf ihren Reisen in alle Herren Länder stöbert sie immer auch in Buchhandlungen und Antiquariaten auf der Suche nach lokalen Ausgaben des Werks. Dabei hat sie interessante Erfahrungen gemacht.

«Wenn ich in ein neues Land reise, ist der Besuch von Buchhandlungen ein Muss. Vor der Abreise recherchiere ich im Internet, ob es im jeweiligen Land eine lokale Ausgabe gibt. Und dann beginnt meine Suche», sagt Odeta Rimkeviciute, Kommunikationsverantwortliche am UAE Management Centre. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn sie ergatterte seltene Erstausgaben, Sonderdrucke mit Originalzeichnungen des Autors und sogar ein Exemplar, das wahrscheinlich einer Schulbibliothek entstammt. Insgesamt besitzt sie 48 Exemplare in verschiedenen Sprachen und Dialekten. Der kleine Prinz wurde in über 200 Sprachen und Dialekte übersetzt und gilt als das meistgelesene und meistübersetzte französische Buch.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Aber es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Rimkeviciutes Mutter begann, ihr auf Litauisch, ihrer Muttersprache, aus der Erzählung vorzulesen, als sie fünf oder sechs Jahre alt war. «Es war nicht mein Lieblingsbuch, und ehrlich gesagt mochte ich auch die Zeichnungen nicht. Später in der Mittelschule wurde es Pflichtlektüre, aber ich war immer noch nicht besonders angetan. Erst als ich das Buch während meines Studiums in französischer Literatur an der Universität Vilnius las, begann ich die Geschichte zu verstehen und zu lieben. Seither reist Der ­kleine Prinz überallhin mit», sagt sie.

Als Odeta Rimkeviciute gegen Ende ihres Studiums zu reisen begann, beschloss sie, ausgefallene Souvenirs nach Hause zu bringen. «Als ich im Mai 2003 in Bratislava nach Büchern stöberte, sprang mir ein Buchumschlag ins Auge. Es war eine Ausgabe des Kleinen Prinzen, die ich sogleich erwarb. Ich liebte die Geschichte. Warum also nicht eine Ausgabe in der Sprache des Landes kaufen, das ich gerade besuchte?»

Odeta Rimkeviciute weiss um die weltweite Fangemeinde des Kleinen Prinzen. Dennoch hat sie sich von diesen Gruppen ferngehalten. Viele von ihnen besitzen eine vollständige Sammlung, kaufen, verkaufen oder tauschen Exemplare im Internet. Odeta Rimkeviciute hatte andere Beweggründe. Sie fand es spannend, das Buch jeweils in dem Land zu kaufen, das sie gerade besuchte. In mancherlei Hinsicht machte die Suche so viel Freude wie das Buch selbst.

Wenn ich in ein neues Land reise, ist der Besuch von Buchhandlungen ein Muss.
Odeta Rimkeviciute

«Mission possible»

Einige der Recherchen bleiben unvergessen. «2005 war ich in Kuba», so Odeta Rimkeviciute. «In der Stadt Cienfuegos lernten wir eines Abends eine Gruppe Einheimischer kennen. Ich unterhielt mich mit einem Lehrer über das Buch und fragte ihn, ob es trotz der Zensur in Kuba erhältlich sei. Zu meiner Überraschung bestätigte er, dass ihm Der kleine Prinz bekannt sei und er in den örtlichen Buchläden danach suchen würde.» Am nächsten Morgen kam der Lehrer und überreichte ihr ein Exemplar des Buchs in kubanischem Spanisch, versehen mit einer freundlichen Widmung.

«Erst als ich wieder daheim in Litauen war und mir das Buch genauer anschaute, sah ich auf ­einer Innenseite den Stempel «Biblioteca ­escuela» (Schulbibliothek). Ich glaube, er hat mir einfach das Buch aus der Bibliothek seiner Schule geschenkt. Es gibt übrigens Unterschiede. Die kubanische Ausgabe ist zensuriert, viel kürzer als das Original und schwarz-weiss.»

Alt und teuer

Nach langem Suchen fand Odeta Rimkeviciute eine schwedische Fassung des Werks. Diese Ausgabe erwies sich als die älteste und teuerste ihrer Sammlung. Es handelt sich um ein Exem-p­lar aus der Erstauflage. In Argentinien gelang es ihr, ein Buch mit Originalskizzen von Saint-Exu­péry zu erstehen. «In den 1930er-Jahren arbeitete er als Direktor bei der argentinischen Flug­gesellschaft Aeroposta und war dort sehr bekannt. Die Bücher mit seinen Zeichnungen gehören zu meinen schönsten.»

Odeta Rimkeviciute besitzt auch Ausgaben in verschiedenen Dialekten, beispielsweise in drei spanischen: Katalanisch, Kastilisch und Kantabrisch. In Frankreich konnte sie aus einer Vielfalt an Ausgaben für verschiedene Altersgruppen auswählen, darunter solchen, die nur Zeichnungen enthielten. In Muscat, Oman, erschien der Besitzer einer Buchhandlung mit einem Exemplar der Kleinen Prinzessin von Frances ­Hodgson Burnett, nachdem sie sich nach einer lokalen Ausgabe ihres Lieblingsbuchs erkundigt hatte. Auf die Bemerkung, dass dies nicht das Buch sei, antwortete der Mann lächelnd: «Sie suchen nach einem Prinzen – ich gebe Ihnen eine Prinzessin.» Allein dieser Antwort wegen kaufte sie das Buch.

Als Odeta Rimkeviciute nach Dubai zog, nahm sie alle ihre Bücher mit. Der kleine Prinz nimmt im Regal den Ehrenplatz ein. Für ihren Kleinen Prinzen ist sie bereit, weitere Reisen über Berge und Meere zu unternehmen.

Tags: Menschen