Die Katze boxt sich durch

In Mannheim haben die Mitarbeitenden eine amtierende Box-Weltmeisterin in ihren Reihen. Ein Besuch bei Raja Amasheh.

Wer Raja Amasheh in ihrem Büro bei Roche in Mannheim besucht, trifft auf eine zierliche, 1,58 Meter grosse Frau. Doch trotz ihrer Körpergrösse wirkt Amasheh alles andere als zerbrechlich oder gar schutzbedürftig. Ihr fester Blick, die Körperhaltung – Amasheh strahlt Entschlossenheit und Selbstbewusstsein aus. Eigenschaften, die helfen, wenn man wie sie schon früh wusste, wo man hin will: ganz nach oben. Geboren wird Raja Amasheh 1982 in Jordanien; die Familie zieht nach Berlin, als sie noch ein Baby ist. Dort wächst sie mit vier Geschwistern auf. Sich durchsetzen zu müssen, gehört in einer grossen Familie dazu. Aber die wenigsten, die das früh lernen, werden später Box-Weltmeisterin.

Zu Roche Diabetes Care kam Raja Amasheh 2012; als Partner und Product Care Manager ist sie verantwortlich für das Geschäft mit den Partnerfirmen und die Produktpflege. Sie überwacht die Lieferfähigkeit der Produkte im Bereich Diabetes Care. «Ich übernehme gerne Verantwortung, im Augenblick als Leiterin des Entwicklungsteams für das Implantat DiaPort und die Insulinampulle Insight Cartridge für die neue Insulinpumpe von Accu-Chek», sagt die 31-Jährige. Ehrgeizig sei sie immer gewesen – im Job genauso wie im Sport. In Salzburg fängt sie 2002 mit dem Kampfsport an, im Jahr darauf nimmt sie zum ersten Mal an Wettkämpfen im Kick- und Thaiboxen teil. Bei der Kickbox-WM in Spanien gewinnt sie 2008 Gold. Sie wechselt zum Boxsport und ist so erfolgreich, dass sie 2009 reif ist fürs Profilager. 2013 wird sie Intercontinental Champion im Fliegen­gewicht und Weltmeisterin im Superfliegen­gewicht. «Der Wettkampfgedanke steckt in mir», sagt Amasheh. «Ich bin sehr zielstrebig.»

Ich war schon immer ein Showgirl – unter Druck bin ich am besten.
Raja Amasheh
Raja Amasheh ist Weltmeisterin im Superfliegengewicht

Diese Zielstrebigkeit, der Wunsch sich ständig weiterzuentwickeln und besser zu werden, prägt auch ihre berufliche Karriere. «Im Fluss bleiben», nennt Amasheh das. Nach dem Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre entschliesst sie sich 2009, den Master zu machen. Berufsbegleitend. Dass sie damals ein doppeltes Pensum – Arbeit plus Studium – bewältigen musste, sieht Amasheh im Rückblick aber nicht als Belastung. «Mein Studium zu vertiefen, war für mich eine Bereicherung – natürlich hat das auch damit zu tun, dass ich sehr ehrgeizig bin.»

Vor Wettkämpfen sind ihre Tage minuziös durchgeplant: Jeden Morgen trainiert Amasheh eine Stunde vor der Arbeit, nach Feierabend kommen 90 Minuten Lauf- und Hanteltraining dazu. Daran, dass sie eine Box-Weltmeisterin in ihren Reihen haben, haben sich ihre Kollegen gewöhnt. «Manche feuern mich bei Wettkämpfen an, schicken E-Mails und freuen sich, wenn ich gewonnen habe.» Letzteres ist die Regel: Als Profiboxerin ist sie ungeschlagen. «Beim Boxen lernst du nicht, mit Druck umzugehen und hart zu sein. Das sind Eigenschaften, die du mitbringen musst und die dann zu einer Stärke ausgearbeitet werden», sagt Amasheh. «Ich war schon immer ein Showgirl – unter Druck bin ich am besten.» Das bedeutet auch, dass Amasheh, die unter dem Pseudonym «die Katze» in den Ring steigt und zu deren Einzug «Girl on fire» von Alicia Keys gespielt wird, im Wettkampf besser ist als im Training. Die letzte Gegnerin, die das zu spüren bekam, war im vergangenen Jahr Eva Voraberger, das «Golden Baby» aus Wien. Gegen sie gewann Amasheh ihren Weltmeistertitel.

Dass sie nicht für immer ungeschlagen bleiben wird, dass irgendwann eine Gegnerin kommen wird, die stärker ist als sie, das weiss Raja Amasheh. Deshalb will sie rechtzeitig aus dem Profisport aussteigen. Noch aber ist es nicht so weit.

Tags: Menschen