Engagement für die Sache

  • In Ghana ist die Infrastruktur in vielen Dörfern mangelhaft. Es braucht Hilfe der lokalen Behörden und von Nichtregierungs-organisationen, damit innovative und kosten-effiziente Lösungen umgesetzt werden können
    In Ghana ist die Infrastruktur in vielen Dörfern mangelhaft. Es braucht Hilfe der lokalen Behörden und von Nichtregierungs-organisationen, damit innovative und kosten-effiziente Lösungen umgesetzt werden können
  • Lynda (Dritte von rechts) mit dem Team
    Lynda (Dritte von rechts) mit dem Team

Kollegin von Roche Basel gründet NGO für Abwasserprojekt in Ghana.

Während über 13 Jahren bei Roche widmete sich Lynda Barton verschiedenen Aufgaben in fünf verschiedenen Abteilungen: von New Medicines Strategy über Research Communications, Informatics und Portfolio Management bis hin zu ihrem jetzigen Job im Group Risk Advisory Team in Basel. Aber auch ausserhalb von Roche prägen vielfältige Aktivitäten ihr Leben. Mit Experten in Europa und Afrika gründete sie «Sanitation Solutions», eine Nichtregierungsorganisation (NGO) zur Ver-besserung der gesundheitlichen Situation der Menschen in Entwicklungsländern. In Kürze soll ein Pilotprojekt in Ghana gestartet werden.

Offene, stinkende Abwassergräben

Ihre Verbundenheit mit Ghana und die Motivation hinter Sanitation Solutions reichen zurück bis ins Jahr 2011, als Barton während einer achtmonatigen unbezahlten Auszeit nach Ghana reiste, um Freiwilligendienst im Bereich Gesundheitsversorgung zu leisten. «Als ich in Ghana ankam, war ich entsetzt über den Gestank, den die offenen Abwassergräben in ganz Accra verbreiteten. Die Menschen verrichteten ihre Notdurft überall, sei es mangels öffentlicher Toiletten, sei es, weil sie sich keine eigenen Toiletten leisten konnten», sagt sie.

Im Juni 2012 wurde Sanitation Solutions als gemeinnützige Organisation in Ghana eingetragen. «Wir möchten mit Gemeinden im ländlichen Teil Ghanas zusammenarbeiten, um sie bei der Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen Abwassersystems zu unterstützen. Für manche Gemeinden bedeutet dies den Bau privater, wasserloser Komposttoiletten und von An-lagen, die Haushaltskompost und Landwirtschaftsabfälle als Dünger für Kakao- und Palm-ölplantagen verwertbar machen können», erklärt Barton.

Arbeiten am Pilotstandort

Als Pilotstandort wurde Aboaboso (nahe Kumasi) gewählt, und das Projekt soll mithilfe von Spenden vorangebracht werden. Die Umsetzung von Sanitation Solutions ist jedoch nicht einfach, nicht nur der Kosten wegen. «Wir müssen den gesundheitlichen Nutzen des verbesserten Abwassersystems aufzeigen und die Lokalbehörden überzeugen, die Initiative durch Opportunitätskostenvorteile für die Gemeinden weiter zu fördern.» Vor diesem Hintergrund fand letztes Jahr in Ghana ein «Meeting of the Minds» mit Bartons Kollegen sowie lokalen Regierungsvertretern und Unternehmern statt. «Es gibt viele Organisationen, die das Problem Abwassersystem angehen, meist aber erfolglos. Warum das so ist, wollen wir gemeinsam mit Experten aus diesem Bereich herausfinden. Wir bemühen uns auch um eine Zusammenarbeit mit ‹Live and Learn›, einer NGO, die dieses Geschäftsmodell in der Region Asien–Pazifik erfolgreich umgesetzt hat», so Lynda Barton.

In einem nächsten Schritt benötigt ihre Organisation 50’000 Euro, um das Pilotprojekt vorantreiben zu können. Dieser Betrag deckt nur die Kosten der Gemeinde für den Bau privater und öffentlicher Komposttoiletten und -anlagen. Das Team plant, sich für ein Darlehen über Kiva zu bewerben (eine gemeinnützige Organisation, die Mikrokredite vor allem in Entwicklungsländern ermöglicht). Auch Wohltätigkeitsveranstaltungen sollen finanzielle Hilfe bringen.

Barton arbeitet mit einem Pensum von 80 Prozent, um mehr Zeit für Sanitation Solutions zu haben. «Es ist nie genug Zeit für all das, was wir tun müssten. Ich hoffe, dass wir irgendwann mithilfe einer Partnerschaft mit einem Grossunternehmen lokale Vollzeitkräfte einstellen können, die vor Ort beratend tätig sind. Nur so werden wir dieses Konzept in Entwicklungsländern weltweit verbreiten können.

Zahlen und Fakten

  • Hauptstadt: Accra
  • Einwohner: rund 25,5 Millionen
  • Lebenserwartung: Männer 64 Jahre; Frauen 66 Jahre
  • Währung: Cedi
  • Fläche: 238’533 Quadratkilometer, weltweit zweitgrösster Produzent von Kakao Afrikas zweitgrösste Goldminen (hinter Südafrika)
  • Andere wichtige Exporte: Holz, Thunfisch, Bauxit, Aluminium, Diamanten, Mangan
  • Hauptsprachen: Englisch, Akan und Ewe

Tags: Nachhaltigkeit, Philanthropie, Gesellschaft