Mitarbeitende berichtet über die Arbeit im Iran

  • Nazanin Parsanejad: Der Kontakt zu Meinungsführern und Interessenvertretern im Gesundheitswesen gehört zu ihrer täglichen Arbeit
    Nazanin Parsanejad: Der Kontakt zu Meinungsführern und Interessenvertretern im Gesundheitswesen gehört zu ihrer täglichen Arbeit

Nazanin Parsanejad in Teheran über Arbeit, Frauen und die Gesundheitsversorgung im Iran.

Die Mehrheit der 30 Roche-Mitarbeitenden in Teheran sind Frauen. So auch Nazanin Parsanejad, Clinical Research Associate aus dem Medical-Team. Und das ist für sie und die anderen Mitarbeiterinnen bei Roche oder im Pharma-geschäft im Iran nichts Ungewöhnliches.

«Die Vorstellung, dass Frauen in unserem Land nicht arbeiten oder nicht hochqualifiziert sind, ist unangebracht», erzählt sie Roche. «Mehr als 50 Prozent der Studierenden und ein Grossteil der Dozenten im Iran sind Frauen. Im staatlichen wie im privaten Sektor streben immer mehr Frauen Führungspositionen an.»

Roche Pars Limited wurde erst im August 2013 offiziell als Rechtsträger gegründet und bezog ein neues Gebäude im Norden Teherans. Zuvor (ab 2004) agierte Roche über einen Vertreter im Iran. Heute sind dort sowohl Pharma- als auch Diagnostics-Divisionen vertreten.

Inspiriert und herausgefordert

Parsanejad ist Teil des dreiköpfigen Medical-Teams und berichtet an den Medical Manager. In der Abteilung liegt ihr Fokus auf dem klinischen Bereich, und sie arbeitet mit Meinungsführern der Medizin, Forschern, Regulierungsbehörden und anderen Interessengruppen der medizinischen Fachwelt zusammen.

Sie kam vor drei Jahren zu Roche, «um inspiriert, herausgefordert und belohnt zu werden. Die Chance auf Fortschritte und Weiterentwicklung gibt ein gutes Gefühl. Ich lerne jeden Tag dazu und weiss, wie wichtig es ist, mit der Arbeit zufrieden zu sein», betont sie.

Gesundheitsversorgung im Iran

Das iranische Gesundheitssystem ist ein an-spruchsvolles Umfeld. Zu den Hauptakteuren gehören sowohl multinationale Unternehmen als auch zahlreiche lokale Grossunternehmen. Das Versicherungssystem umfasst alle lokal hergestellten Arzneimittel, aber nur einen Teil der aus dem Ausland stammenden Medizin. Für den Rest müssen die Patienten selbst aufkommen.

«Vor weniger als zwei Jahrzehnten waren alle grossen Krankenhäuser, Gesundheitszentren und medizinischen Institutionen in Staatsbesitz. Dann erwies sich das Gesundheitswesen als zu umfangreich für eine rein staatliche Verwaltung. Darauf wurde der Privatsektor zunehmend in das System involviert», erläutert Parsanejad.

Der Wert von Bildung

Welche Bedeutung der Bildung von Mädchen in der iranischen Gesellschaft zukommt, zeigt sich klar darin, wie Parsanejad und ihre Zwillingsschwester erzogen wurden. Die beiden Töchter eines Piloten der Luftwaffe und einer Hausfrau in Teheran wurden von früher Kindheit an darin bestärkt zu lernen. «Da mein Vater meist extrem beschäftigt war, engagierte sich unsere liebevolle Mutter sehr stark, um uns die bestmögliche Erziehung zuteil werden zu lassen. Meine Schwester und ich waren in derselben Schule, Klasse und Universität.» Parsanejad wählte allerdings Medizin und ihre Schwester Pharmakologie, und beide kämpften in landesweiten Aufnahmeprüfungen um Plätze an den Top-Universitäten des Landes.

Nach ihrem Studium an der Shahid-Beheshti-Universität für Medizinische Wissenschaften und Gesundheitsdienste, einer der führenden Bildungseinrichtungen im Iran, arbeitete Parsanejad zwei Jahre in einem Forschungszentrum für Atemwegserkrankungen bei Kindern, bevor sie zu Roche kam.

Frauen und die Welt

Nazanin lebt mit ihrem Mann in Teheran. Einen hohen Stellenwert in ihrer Freizeit hat das tägliche Training, «für das mentale und körperliche Wohlbefinden und für neue Energie nach der Arbeit». Am Wochenende kombiniert sie Tennis, Essen gehen und Shopping, sofern ihr nicht nach «Zu-Hause-Bleiben» ist.

Ihre jetzige Arbeit sieht sie als wertvolle Gelegenheit für den Austausch mit Kollegen und Gleichgesinnten aus aller Welt, von denen sie viel über Traditionen, Arbeitsethik und Geschäftsgrundsätze lernt. Die Möglichkeiten, die Roche den Frauen weltweit gibt, sind zudem sehr ermutigend. «Wir Frauen sollten alles tun, um zu zeigen, dass wir fähig, kompetent und motiviert sind, unsere Rolle in der Arbeitswelt und Gesellschaft zu erfüllen», sagt Parsanejad stolz. «Schliesslich machen wir die Hälfte der Weltbevölkerung aus.»

Tags: Nachhaltigkeit, Menschen, Kultur