Mitarbeiter berichtet von seiner ersten Reise nach Malawi

  • Martin Hirsch voll im Bild: während seiner ersten Reise nach Malawi
    Martin Hirsch voll im Bild: während seiner ersten Reise nach Malawi
  • Die zehn Roche-Botschafter wurden unter den weltweit erfolgreichsten Spendensammlern des Children’s Walk 2013 ausgelost
    Die zehn Roche-Botschafter wurden unter den weltweit erfolgreichsten Spendensammlern des Children’s Walk 2013 ausgelost

Martin Hirsch, ein New Yorker, der bei Group Communications in Basel arbeitet, wurde zum Roche-Botschafter ernannt. Er berichtet von seiner ersten Reise nach Malawi.

Wie viele Menschen bei Roche dachte auch ich, dass wir am «Internationalen Tag des Afrikanischen Kindes», der jeweils im Juni stattfindet, laufen, um in Malawi Waisenhäuser für arme Kinder zu unterstützen, deren Eltern an Aids gestorben sind.

Im Oktober wurde mir jedoch bewusst, wie vage und unzutreffend diese Vorstellung war. Als einer von zehn Roche-Botschaftern hatte ich überraschend Gelegenheit, Malawi zu besuchen. Wir waren unter den weltweit erfolgreichsten Spendensammlern des «Children’s Walk 2013» ausgelost worden. Und schon hiess es für uns, Mückenschutz kaufen und Visa sowie Impfungen überprüfen für eine Reise, die wir nie vergessen würden.

Unser Malawi-Erlebnis begann am winzigen Flughafen von Blantyre, wo wir pünktlich landeten, aber mit Verspätung wegkamen. Mehrere Kollegen wurden am Zoll aufgehalten und waren vorerst nirgends zu sehen. Lektion Nr. 1: «In Afrika immer mit gesenktem Kopf geradeaus laufen. Verraten deine Augen auch nur einen Anflug von Zweifel, bist du geliefert.» Dies sagt Colin Webb, einer unserer Gastgeber und Leiter der NGO European Coalition of Positive People (ECPP), die vor zehn Jahren begann, mit Roche an Kinderprojekten zusammenzuarbeiten, als unser Unternehmen im Bereich HIV/Aids aktiv war.

Dank des Einschreitens von Joan D’Souza, einer kleinen, aber resoluten Geschäftspartnerin von Webb, konnte die Verwirrung um einige Visafragen schliesslich geklärt werden, so dass wir alle startklar waren.

Warmes Herz Afrikas

Im Kleinbus, über die schmalen und teilweise nicht asphaltierten Strassen dieses selten besuchten Teils des Kontinents chauffiert, wurden wir des «warmen Herzens Afrikas» gewahr, wie es die Reisebroschüre nannte. Wir sahen ein unberührtes und an Naturschönheiten reiches Land; Männer und Frauen hielten in der Feldarbeit inne und winkten uns lächelnd zu, als wollten sie uns danken, dass wir ihr Land besuchten.

Wir überholten unzählige Erwachsene und Kleinkinder, die zu Fuss oder auf alten Fahrrädern unterwegs waren, da Autos selten sind und der öffentliche Verkehr kaum entwickelt ist. Manche von ihnen, meistens Frauen, trugen grosse Wasserbehälter oder Körbe voller Getreide auf dem Kopf.

Erster offizieller Halt war eine Fachschule, wo Roche die handwerkliche Grundausbildung einer Gruppe Studierender finanziert. Joan D’Souza erzählte über das Land und seine Herausforderungen. Wir würden bald erkennen, wie die Puzzleteile zusammengehörten, und am Ende der dreitägigen Tour würde so manches klar sein.

Sie sollte Recht behalten. Zunächst trafen wir ältere Jugendliche, dann Vorschulkinder und schliesslich Kinder jeden Alters. Alle haben sie unterschiedliche Bedürfnisse. Wir erlebten, was es bedeutet, in kleinen Schritten eine gesunde Gesellschaft aufzubauen.

Meine vagen und ungenauen Vorstellungen über den Children’s Walk wichen der Erkenntnis, dass Roche einen beträchtlichen Beitrag zur Lebensqualität in Malawi leistet. Ich erwartete Waisenhäuser, in denen verarmte Kinder rund um die Uhr betreut werden. Stattdessen sah ich Schulungseinrichtungen, in denen engagierte Lehrer und zahlreiche Freiwillige kleine Kinder zur Unabhängigkeit erzogen – die Knirpse liefen zu Fuss fünf oder sechs Kilometer zur Schule und am Ende des Tages wieder nach Hause.

Lernen, sich selbst zu versorgen

In diesen Zentren erhalten die Kinder nicht nur zu essen, sondern lernen auch, wie man Gemüse pflanzt, erntet und kocht. Die Zentren bringen ihnen neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch bei, wie Möbel, Türen und Fensterrahmen für Häuser gebaut und Kleider genäht werden. Und sie lernen, sich selbst zu versorgen.

Die von Roche unterstützten Zentren sind sprichwörtliche Oasen, in denen mittels Bohrlöchern Grundwasser gefördert wird. Es sind privilegierte Orte, die über sanitäre Einrichtungen verfügen und in denen – dank Roche – nun auch seit gut einem Jahr elektrisch betriebene Maschinen in Betrieb sind. Sie mahlen zum Beispiel Mais, was früher von Hand erledigt wurde.

Dank der Unterstützung von Roche lernen ältere Kinder «Lebenskompetenz und Selbstbewusstsein» – dazu gehört der Umgang mit dem Tod von Angehörigen in einer Welt, in der HIV/Aids verbreitet ist und Krankheiten wie Malaria und Diarrhö täglich Opfer fordern.

Wer draussen die Scharen von Kindern sieht, die sich nach einem der von Roche finanzierten Studienplätze sehnen, dem wird klar, welchen Stellenwert die Aktivitäten hinter den verschlossenen Toren dieser Schulen geniessen. Es geht nicht darum, Almosen zu verteilen, sondern zu lernen, sich selbst zu versorgen – eine bezahlte Arbeit, ein produktives Leben.

Aber das ist nur, was Roche bisher geschaffen hat. Der letzte Halt auf unserer Reise ermöglichte uns einen Blick in die Zukunft – auf einem 280’000 Quadratmeter grossen Grundstück entsteht eine Ausbildungsstätte für Lehrer, die ab 2017 mehr als 500 neue Lehrkräfte beherbergen wird. Das weitläufige Areal wird von Unicef bebaut, dabei ist Roche einer der Hauptsponsoren, denn Bildung, richtige Ernährung und Gesundheit sind für nachhaltige Gesellschaften in unterentwickelten Ländern unverzichtbar.

Um zu verstehen, wofür wir jeweils im Juni an weltweiten Roche-Standorten laufen, musste ich über 7000 Kilometer reisen. Aber jetzt, da ich es weiss, werde ich einfach weiterlaufen.

Tags: Nachhaltigkeit, Philanthropie, Menschen