Roche-Immuntherapeutikum Atezolizumab liess bei Patienten mit einer bestimmten Art von Blasenkrebs in einer entscheidenden Studie die Tumore schrumpfen

Basel, 13. Juli 2015

  • Resultate zeigten, dass hohe PD-L1-Expression mit besserem Ansprechen auf Atezolizumab verbunden war
  • Roche wird die Resultate im Rahmen des für Atezolizumab gewährten Status eines Therapiedurchbruchs (Breakthrough Therapy Designation) bei Blasenkrebs mit der US-Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) erörtern

Wie Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) heute bekannt gab, liess das in der klinischen Prüfung befindliche Krebs-Immuntherapeutikum Atezolizumab (MPDL3280A, Anti-PDL1) in der Studie IMvigor 210 bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem urothelialem Blasenkrebs (UBC), deren Erkrankung nach der Erstbehandlung weiter fortgeschritten war (Zweitlinientherapie oder spätere Therapielinie), die Tumoren schrumpfen (objektive Ansprechrate, ORR, der primäre Endpunkt dieser Phase-II-Studie). Eine hohe Expression von PD-L1 (programmierter Zelltod-Ligand-1) durch die Krebszellen des Patienten korrelierte mit einem besseren Ansprechen auf das Medikament. Die Nebenwirkungen entsprachen denjenigen, die bereits früher unter Atezolizumab beobachtet wurden.

„Wir sind ermutigt durch die hohe Zahl von Patienten, die auf Atezolizumab ansprachen und bei denen das Ansprechen während der Studiendauer anhielt, weil seit fast 30 Jahren nur sehr wenige therapeutische Fortschritte bei fortgeschrittenem Blasenkrebs erzielt wurden,“ so Sandra Horning, Chief Medical Officer und Leiterin der globalen Produktentwicklung von Roche. „Wir wollen diese Resultate demnächst auf einem medizinischen Fachkongress vorstellen und werden die nächsten Schritte mit den Zulassungsbehörden erörtern, um den Patienten möglichst bald eine neue Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen.“

Letztes Jahr gewährte die Food and Drug Administration (FDA) in den USA den Status des Therapiedurchbruchs (Breakthrough Therapy Designation) für Atezolizumab bei Patienten, deren metastasierender Blasenkrebs PD-L1 exprimiert. Dieser Status soll die Entwicklung und Prüfung von Medikamenten, die für die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen vorgesehen sind, beschleunigen.

Über IMvigor 210

Bei IMvigor 210 handelt es sich um eine offene, multizentrische, einarmige Phase-II-Studie zur Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit von Atezolizumab bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierendem urothelialem Blasenkrebs (UBC), unabhängig von der Höhe der PD-L1-Expression. Die Patienten in der Studie wurden in zwei Kohorten (Gruppen) eingeteilt. Kohorte 1 bestand aus Patienten, deren lokal fortgeschrittener oder metastasierender urothelialer Blasenkrebs zuvor noch nicht behandelt wurde, bei denen jedoch eine Erstlinientherapie auf Platinbasis nicht in Frage kam. Die Daten dieser Kohorte sind noch nicht ausgereift. Kohorte 2, deren Resultate heute bekannt gegeben wurden, umfasste Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Vorbehandlung mit einem platinbasierten Chemotherapie-Schema weiter fortschritt (Zweitlinientherapie oder spätere Therapielinie). Die Patienten erhielten eine intravenöse 1200-Milligramm-Dosis Atezolizumab am ersten Tag von 21-Tages-Zyklen bis zum Fortschreiten der Erkrankung (Kohorte 1) bzw. bis kein klinischer Nutzen mehr erreicht wurde (Kohorte 2). Primärer Endpunkt der Studie war die objektive Ansprechrate (ORR). Sekundäre Endpunkte waren die Ansprechdauer (DoR), das Gesamtüberleben (OS), das progressionsfreie Überleben (PFS) und die Sicherheit. Die Expression von PD-L1 wurde mit einem immunhistochemischen (IHC) Test beurteilt, der von Roche Diagnostics entwickelt wird.

Zusätzlich zur Studie IMvigor 210 läuft zurzeit die randomisierte Phase-III-Studie IMvigor 211, in der Atezolizumab bei Patienten mit rezidiviertem urothelialem Blasenkrebs mit der Standardchemotherapie verglichen wird. Ausserdem plant Roche die Phase-III-Studie IMvigor 010 zur Beurteilung von Atezolizumab verglichen mit beobachtendem Abwarten bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs im Frühstadium, bei denen eine hohe Expression von PD-L1 gemessen wurde und ein Rückfallrisiko besteht (adjuvante Therapie). In allen Studien wird ein von Roche Diagnostics entwickelter Begleittest zur Bestimmung des PD-L1-Status beurteilt.

Über metastasierenden urothelialen Blasenkrebs

Metastasierender urothelialer Blasenkrebs ist mit einer schlechten Prognose verbunden, und es stehen nur begrenzte Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Seit fast 30 Jahren wurden keine wesentlichen Fortschritte mehr bei der Behandlung der Erkrankung erzielt. Blasenkrebs ist weltweit die neunthäufigste Krebsart. Im Jahr 2012 wurden 430 000 Neuerkrankungen diagnostiziert, und jedes Jahr sterben rund 145 000 Patienten an der Erkrankung. Bei Männern besteht eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit wie bei Frauen, an Blasenkrebs zu erkranken, und die Häufigkeit von Blasenkrebs ist in entwickelten Ländern dreimal so hoch wie in weniger entwickelten Ländern.

Über Atezolizumab

Atezolizumab (auch bekannt als MPDL3280A oder Anti-PDL1) ist ein in der klinischen Prüfung befindlicher monoklonaler Antikörper gegen das Protein PD-L1. Atezolizumab richtet sich gezielt gegen das auf Tumorzellen und tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimierte Protein und verhindert, dass es an PD-1 und B7.1 auf der Oberfläche von T-Zellen bindet. Durch die Hemmung von PD-L1 führt Atezolizumab möglicherweise zur Aktivierung von T-Zellen.

In allen Studien mit Atezolizumab wird auch ein immunhistochemischer (IHC) Test geprüft, der mit Hilfe des Antikörpers SP142 die PD-L1-Expression auf Tumorzellen und infiltrierenden Immunzellen misst. Das Ziel von PD-L1 als Biomarker ist, Patienten zu identifizieren, die am wahrscheinlichsten von der Behandlung mit Atezolizumab allein profitieren, und festzustellen, welche Patienten möglicherweise für eine Kombinationstherapie mit Atezolizumab und einem anderen Medikament in Frage kommen. Elf Phase-III-Studien mit Atezolizumab bei bestimmten Arten von Lungen-, Nieren-, Brust- und Blasenkrebs laufen zurzeit oder sind geplant.

Über Roche in der personalisierten Krebsimmuntherapie

Roche entwickelt seit über 30 Jahren Medikamente, um neue Behandlungsmassstäbe in der Onkologie zu setzen. Heute investieren wir mehr als je zuvor, um personalisierte Krebsimmuntherapien (PCI) für Krebspatienten zu entwickeln. Das Ziel der PCI ist eine massgeschneiderte Therapie für jeden Patienten, die das körpereigene Immunsystem des Patienten zur Krebsbekämpfung mobilisiert. Roche erforscht über 20 Prüfmedikamente für die Immuntherapie, von denen sieben bereits in klinischen Studien geprüft werden. In jeder Studie beurteilen wir auch Biomarker, um festzustellen, welche Patienten für die Behandlung mit unseren Medikamenten in Frage kommen.

Über Roche

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, eines zentralen strategischen Ansatzes von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 29 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika. Die Roche-Gruppe beschäftigte 2014 weltweit 88 500 Mitarbeitende, investierte 8,9 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 47,5 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan. Weitere Informationen finden Sie unter www.roche.com.

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

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