Roche, Meiji und Fedora arbeiten zusammen, um zunehmende Antibiotikaresistenz von Bakterien zu bewältigen

Basel, 13. Januar 2015

  • Roche lizenziert das Prüfmedikament OP0595, ein Beta-Lactamase-Hemmer
  • OP0595 wirkt gezielt gegen Beta-Lactamase-Enzyme in Kombination mit neuen oder existierenden Beta-Lactam-Antibiotika, um deren Wirksamkeit bei schwer zu behandelnden bakteriellen Infektionen zu steigern

Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY), Meiji Seika Pharma und Fedora gaben heute den Abschluss einer Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von OP0595, eines Beta-Lactamase-Hemmers in Phase I der klinischen Entwicklung, bekannt. Gemäss der Vereinbarung erhält Roche von den beiden Unternehmen die weltweiten Entwicklungs- und Vermarktungsrechte, mit Ausnahme von Japan. Dort wird Meiji das alleinige Vermarktungsrecht behalten. Beta-Lactamase-Hemmer erhalten oder verstärken die Wirkung von Beta-Lactam-Antibiotika. Die Kombination von OP0595 mit einem Beta-Lactam-Antibiotikum hilft bei schweren Infektionen mit Enterobakterien (Enterobacteriaceae), einschliesslich mehrfach resistenter Stämme.

„Es besteht dringender Bedarf an neuen Antibiotika zur Bekämpfung der weltweit zunehmenden Resistenz gegen Antibiotika, die zu beobachten ist“, erklärte Janet Hammond, Leiterin Infektions-krankheiten bei Roche Pharma Research and Early Development (pRED). „Roche hat langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Antibiotika, und diese Zusammenarbeit zeigt, dass wir unserem Engagement treu bleiben. Dieser Beta-Lactamase-Hemmer hat das Potenzial für ein breites Wirkspektrum gegen mehrfach resistente Bakterien und könnte eine dringend benötigte Option für Patienten mit schwer zu behandelnden Infektionen sein.“

Gemäss der Vereinbarung werden Meiji und Fedora eine Sofortzahlung plus Meilensteinzahlungen bei Erreichen von Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzzielen erhalten, die sich auf insgesamt bis zu 750 Millionen US-Dollar belaufen können. Zusätzlich stehen Meiji und Fedora gestaffelte Lizenzgebühren für Umsätze mit Produkten zu, die aus dieser Kooperation hervorgehen.

Hitoshi Yamaguchi, Managing Executive Officer, Pharmaceutical Development Division von Meiji: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Team von Roche zur Entwicklung dieser neuen Therapie für potenziell lebensbedrohliche bakterielle Infektionen. Das Medikament ist das Ergebnis unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der Antiinfektiva. In Anbetracht der umfassenden weltweiten Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebskompetenz von Roche freuen wir uns auf eine erfolgreiche klinische Entwicklung, um dieses neuartige Medikament auf den Markt zu bringen.“

„Wir haben durch die Kombination dieses Beta-Lactamase-Hemmers mit bewährten Beta-Lactam-Antibiotika beeindruckende Eliminationsraten bei hochresistenten Bakterienstämmen erreicht“, so Christopher G. Micetich, Gründer und CEO von Fedora Pharmaceuticals. „Die Eigenschaften von OP0595 und seine Kombinationsfähigkeit mit neuen oder herkömmlichen Beta-Lactam-Antibiotika versprechen einen wesentlichen Fortschritt im Kampf gegen die Zunahme von mehrfach resistenten Bakterien.“

Über Beta-Lactamase-Hemmer und Beta-Lactam-Antibiotika

Das Zeitalter der Antibiotika begann in den 1940er Jahren mit der Entdeckung von Penicillin. Auf die Klasse der Beta-Lactam-Antibiotika, zu der die Penicilline, Cephalosporine, Monobactame und Carbapeneme gehören, entfallen schätzungsweise 65% der weltweiten Antibiotikaverkäufe. Die Wirksamkeit dieser lebensrettenden Antibiotika ist durch zunehmende Resistenzen von Bakterien bedroht, die über Beta-Lactamase-Enzyme verfügen, mit denen sie die Antibiotika immer häufiger unwirksam machen. Beta-Lactamase-Hemmer werden in Kombination mit Beta-Lactam-Antibiotika verabreicht, um deren Wirksamkeit gegen bakterielle Infektionen, die durch Beta-Lactamase produzierende Erreger verursacht werden, zu erhalten oder zu verstärken.

Über Antibiotikaresistenz

Die Entdeckung von Penicillin in den 1940er Jahren führte zu einer dramatischen Reduktion der durch bakterielle Infektionen verursachten Erkrankungen und Todesfälle. Penicillin galt als „Wundermittel“, das eine Vielzahl von Infektionen heilte. Der übermässige und unangemessene Einsatz von Antibiotika hat jedoch dazu geführt, dass sich Infektionserreger an die Antibiotika anpassen. Manche Mikro-organismen entwickeln eine Resistenz gegen einzelne Medikamente, während andere gegen mehrere Antibiotika oder sogar ganze Wirkstoffklassen resistent werden. Diese als mehrfach resistente (multiresistente) Stämme bezeichneten Bakterien drohen die wichtige lebensrettende Fähigkeit der Antibiotika zu untergraben.

Es gibt hohe Raten von Antibiotikaresistenz bei Bakterien, die weit verbreitete Infektionen verursachen (Harnwegsinfektionen, Pneumonie, Blutvergiftung), und antibiotikaresistente Bakterien sind weltweit unterschiedlich stark verbreitet. Patienten, die mit resistenten Bakterien infiziert sind, tragen ein erhöhtes Risiko für klinische Komplikationen, benötigen häufiger einen längeren und teureren Krankenhausaufenthalt und haben ein höheres Risiko, an ihrer Infektion zu versterben.

In den USA schätzen die Centers for Disease Control (CDC), dass jährlich mehr als zwei Millionen Patienten von antibiotikaresistenten Infektionen betroffen sind. Dies verursacht direkte Gesundheitskosten von 20 Milliarden US-Dollar und möglicherweise doppelt so hohe Zusatzkosten für die Gesellschaft durch Produktivitätsverluste.

Antibiotikaresistenz ist ein globales Problem, bei dem viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Die USA, die EU und ihre Partnerländer haben die Notwendigkeit koordinierter Massnahmen erkannt. Die Transatlantic Taskforce for Antimicrobial Resistance (TATFAR) veröffentlichte im Mai 2014 ihren Fortschrittsbericht. Eine der Empfehlungen des Berichts sind Anreize zur Entwicklung von neuen Antibiotika für die Humanmedizin.

Über Meiji Seika Pharma Co., Ltd.

Seit den Anfängen der Penicillinproduktion im Jahr 1946 hat sich Meiji Seika Pharma zu einem führenden Anbieter von Antibiotika entwickelt. Im Laufe der Jahre hat Meiji eine Fülle von patentierten Technologien in Forschung und Entwicklung erworben und Medikamente von exzellenter Qualität für Kunden in Japan und im Ausland produziert und vertrieben. Gestützt auf das gesammelte Know-how im Bereich der Arzneispezialitäten hat Meiji vor kurzem damit begonnen, Generika zu produzieren, deren Qualität mit Originalpräparaten vergleichbar ist, und erfüllt damit als Pharmaunternehmen für Spezialitäten und Generika die vielfältigen Anforderungen der Kunden.

Über Fedora Pharmaceuticals

Fedora Pharmaceuticals hat als international anerkannter Spezialist auf diesem Gebiet ein Sortiment von Beta-Lactam-Hemmern mit Aktivität gegen Krankheitserreger entwickelt, die alle vier Klassen von Beta-Lactamasen produzieren. Die bei Fedora in der Entwicklung befindlichen Beta-Lactamase-Hemmer werden in Kombination mit verschiedenen Beta-Lactam-Antibiotika angewendet, um Infektionen zu behandeln, die derzeit therapieresistent sind. Fedora wurde 2012 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Edmonton, Alberta, Kanada. Weitere Informationen über das Unternehmen finden Sie unter www.fedorapharma.com.

Über Roche

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, einem zentralen strategischen Ansatz von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 24 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika.

Die Roche-Gruppe beschäftigte 2013 weltweit über 85 000 Mitarbeitende, investierte 8,7 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 46,8 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan. Weitere Informationen finden Sie unter www.roche.com.

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.