Neue Zulassungsgesuche für Vemurafenib zur Behandlung von fortgeschrittenem Hautkrebs in den USA und Europa eingereicht

Basel, 11. Mai 2011

Vemurafenib ist das erste personalisierte Entwicklungspräparat, das beim metastasierendem Melanom einen signifikanten Überlebensvorteil zeigt

Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) hat heute bekannt gegeben, dass das Unternehmen bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) sowie bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ein Gesuch für die Zulassung von Vemurafenib (RG7204, PLX4032) eingereicht hat. Das Gesuch betrifft die Behandlung von Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem metastasierendem Melanom. Gesuche für den cobas 4800 BRAF V600 Mutationstest, einen diagnostischen Begleittest von Roche, wurden ebenfalls eingereicht. Vemurafenib, ein so genannter BRAF-Hemmer, richtet sich gezielt gegen eine mutierte Form des BRAF-Proteins und hemmt dessen Aktivität. Das Protein kommt in rund der Hälfte aller Melanom-Fälle vor – der tödlichsten und aggressivsten Form von Hautkrebs.

Hal Barron, Chief Medical Officer und Leiter von Global Product Development: "Wir haben die Entwicklung von Vemurafenib rasch vorangetrieben, weil das metastasierende Melanom mit einer schlechten Prognose für Patienten verbunden ist und nur wenige Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Zulassungsgesuche für Vemurafenib und den diagnostischen Begleittest sind ein weiterer wichtiger Schritt zur Umsetzung unseres Ziels, einen personalisierten Ansatz zur wirksamen Behandlung dieser Krankheit zu liefern – denn mit dem Test lassen sich diejenigen Patienten identifizieren, die den spezifischen Melanomtyp aufweisen, gegen den sich das Medikament gezielt richtet."

Über das metastasierende Melanom und BRAF

Wird das Melanom zu einem frühen Zeitpunkt entdeckt, handelt es sich im Allgemeinen um eine heilbare Krankheit. Sobald sich aber die Krankheit auf andere Teile des Körpers ausgebreitet hat, ist es die tödlichste und aggressivste Form von Hautkrebs. Die Lebenserwartung von Menschen mit metastasierendem Melanom ist typischerweise kurz und bewegt sich im Bereich von Monaten. Weniger als einer von vier Betroffenen ist ein Jahr nach der Diagnosestellung noch am Leben; und weltweit sterben jährlich schätzungsweise 40'000 Menschen an dieser Erkrankung.i

Das BRAF-Protein ist ein wichtiger Bestandteil des RAS-RAF-Signalweges, der am normalen Wachstum und Überleben der Zellen beteiligt ist. Mutierte Formen des BRAF-Proteins können bewirken, dass dieser Signalweg überaktiv wird, was zu exzessivem Zellwachstum und Krebs führen kann. Solche Mutationen finden sich schätzungsweise in etwa 50% der Melanom-Fälle und bei etwa 8% aller soliden Tumoren.

Über BRIM3 und BRIM2

BRIM3 ist eine globale, randomisierte, offene, kontrollierte, multizentrische Phase-III-Studie , die Vemurafenib gegenüber Dacarbazin, der aktuellen Standardtherapie, verglich. An der Studie nahmen 675 Patienten mit zuvor unbehandeltem, BRAF-V600-Mutation-positivem, nicht operiertem oder lokal fortgeschrittenem metastasierendem Melanom teil. Die Studie erreichte ihre co-primären Endpunkte und zeigte, dass sowohl das Gesamtüberleben als auch das progressionsfreie Überleben (ohne Verschlechterung der Krankheit) bei den mit Vemurafenib behandelten Patienten verlängert war im Vergleich zu den Patienten, die die aktuelle Standardtherapie Dacarbazin erhielten. Das Sicherheitsprofil stimmte mit demjenigen aus früheren Studien mit Vemurafenib überein.

Die vollständigen Daten von BRIM3 werden am 47. Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt. Dieser findet vom 3. bis 7. Juni 2011 in Chicago statt.

BRIM2 ist eine globale, einarmige, multizentrische, offene PhaseII-Studie, in der 132 Patienten mit bereits vorbehandeltem, BRAF-V600-Mutation-positivem metastasierendem Melanom untersucht wurden. Primärer Endpunkt der Studie war die Gesamtansprechrate, die von einem unabhängigen Prüfgremium bestimmt wurde. Die Studie zeigte, dass die Behandlung mit Vemurafenib bei 52% der Studienteilnehmer zu einer Schrumpfung des Tumors führte. Die Studienteilnehmer lebten im Median 6,2 Monate, bis ihre Erkrankung fortschritt (medianes progressionsfreies Überleben). Aktualisierte Daten aus der BRIM2-Studie werden ebenfalls am ASCO-Jahreskongress vorgestellt.

Zu den in den klinischen Studien mit Vemurafenib am häufigsten beobachteten Grad-3-Nebenwirkungen gehörten Plattenepithelzellkarzinome der Haut, eine häufige Form von Hautkrebs, die lokal entfernt wird (kleiner chirurgischer Eingriff in der Arztpraxis). Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Hautausschlag, Lichtempfindlichkeit, Gelenkschmerzen, Haarausfall und Abgeschlagenheit.

Über Vemurafenib

Vemurafenib ist ein kleines Molekül in der Entwicklung, das oral verabreicht wird und selektiv eine krebserzeugende mutierte Form des BRAF-Proteins hemmen soll. Vemurafenib wird gemeinsam von Roche/Genentech und Plexxikon im Rahmen eines Lizenz- und Kooperationsabkommens aus dem Jahr 2006 entwickelt. Der cobas 4800 BRAF V600 Mutationstest ist ein diagnostischer Begleittest auf PCR-Basis, der von Roche Molecular entwickelt wird und Personen identifizieren soll, deren Tumoren die BRAF-V600-Mutation aufweisen.

Roche erwägt ein umfassendes Entwicklungsprogramm mit Vemurafenib, das Kombinationen mit anderen Medikamenten (sowohl zugelassene Arzneimittel als auch Entwicklungspräparate von Roche und anderen Unternehmen) sowie Studien über weitere Tumortypen enthalten könnte. Bis zum Zulassungsentscheid von Vemurafenib steht Patienten, die an einem BRAF-V600-Mutation-positiven metastasierenden Melanom leiden und für die Therapie in Frage kommen, das Medikament im Rahmen eines globalen Zugangsprogramms zur Verfügung. Weitere Informationen über dieses Programm oder über weitere Studien mit Vemurafenib finden sich unter www.clinicaltrials.gov (in den USA) oder im Register für klinische Prüfpläne von Roche unter www.roche-trials.com (in der EU).

Über Roche

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ein führendes, forschungsorientiertes Unternehmen, ist spezialisiert auf die beiden Geschäfte Pharma und Diagnostics. Als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen entwickelt Roche klinisch differenzierte Medikamente für die Onkologie, Virologie, Entzündungs- und Stoffwechselkrankheiten und Erkrankungen des Zentralnervensystems. Roche, ein Pionier im Diabetesmanagement, ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind das strategische Ziel der personalisierten Medizin von Roche. 2010 beschäftigte Roche weltweit über 80'000 Mitarbeitende und investierte fast 10 Milliarden Franken in die Forschung und Entwicklung. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 49,1 Milliarden Franken. Genentech, USA, gehört vollständig zur Roche-Gruppe. An Chugai Pharmaceutical, Japan, hält Roche die Mehrheitsbeteiligung. Für weitere Informationen: www.roche.com

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

Literatur:
i) Parkin DM, Bray F, Ferlay J, Pisani P. Global cancer statistics, 2002. CA Cancer J Clin 2005; 55:74–108.