Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

wir haben 2016 alle unsere finanziellen Ziele erreicht. Die Verkäufe der Division Pharma stiegen um 3%*. Der Umsatz bei Diagnostics erhöhte sich sogar um 7%*, erneut klar über dem Marktwachstum. Der wirtschaftliche Erfolg von Roche spiegelt sich nicht zuletzt im Kerngewinn je Aktie und Genussschein wider, der um 5%* angestiegen ist.

Noch wichtiger für die Zukunft: Unsere Produktpipeline hat sich in letzter Zeit sehr gut weiterentwickelt. So konnten wir innert kurzer Zeit vier neue Medikamente gegen aggressive Krebsarten auf den Markt bringen – Hautkrebs (Cotellic), Lungenkrebs (Alecensa; Tecentriq), Leukämie (Venclexta) und Blasenkrebs (Tecentriq). In anderen Therapiegebieten konnten wir die Zulassung unseres neuen Medikaments gegen multiple Sklerose (Ocrelizumab) in den USA und der EU beantragen und haben mit einem neuen Wirkstoff zur Behandlung von Hämophilie A (Emicizumab), einer Blutgerinnungsstörung, in später Entwicklung positive Studienergebnisse erzielt.

Zudem haben fünf unserer Medikamente von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA den Status eines Therapiedurchbruchs erhalten, was deren Zulassung beschleunigen könnte.

Auch in der Division Diagnostics konnten wir einige wichtige neue Instrumente und Tests lancieren. Erwähnen möchte ich besonders die neue Immunchemie-Plattform cobas e 801. Dieses neue Modul für klinische Labors kann pro Stunde bis zu 300 immunologische Tests durchführen und ermöglicht damit Ärztinnen und Ärzten schnellere und äusserst zuverlässige Behandlungsentscheidungen.

Solche komplexen und hochinnovativen Produkte lassen sich nur entwickeln, wenn verschiedenste Disziplinen und Geschäftsbereiche eng zusammenarbeiten. Ich danke unseren über 94 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich für ihre hervorragenden Leistungen.

Patientinnen und Patienten durch wissenschaftliche Spitzenleistungen zu einer besseren Lebensqualität und, wenn möglich, zu einem längeren Leben zu verhelfen – dieses Ziel treibt uns alle bei Roche Tag für Tag an.

Sehr erfreulich sind unsere Fortschritte bei der Behandlung von multipler Sklerose (MS). MS ist eine Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Die Daten dreier grosser Studien haben gezeigt, dass unser neuer Wirkstoff Ocrelizumab hochwirksam ist, auch bei der etwas selteneren Form der sich kontinuierlich verschlechternden Krankheit. Für diese gab es bislang gar keine Behandlung.

Als Weltmarktführer in der Onkologie sind wir bestrebt, die Behandlung von Krebs mit neuen Ansätzen voranzubringen. Denn Krebszellen sind «erfinderisch», suchen Wege, um einer Therapie auszuweichen, und oft beginnen sie sich irgendwann wieder zu vermehren. Sehr vielversprechend sind deshalb die jüngsten immuntherapeutischen Ansätze, weil sie dem körpereigenen Immunsystem helfen, Krebs besser zu erkennen und zu bekämpfen. Sie geben erstmals begründete Hoffnung, dass wir künftig auch Patientinnen und Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium heilen oder Krebs zumindest in eine chronische Krankheit überführen können. Roche ist auf dem Gebiet der Krebsimmuntherapien mit derzeit zehn Wirkstoffkandidaten in der klinischen Entwicklung ganz vorne dabei. 2016 wurde unser erstes Immuntherapeutikum Tecentriq in den USA gegen Blasen- und Lungenkrebs zugelassen. Mit diesem Medikament haben sich die Behandlungsoptionen bei Blasenkrebs erstmals seit 30 Jahren wesentlich verbessert; und es verlängert die Lebenserwartung bei Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium deutlich.

Es ist noch immer eine grosse medizinische Herausforderung, dass viele Menschen auf Medikamente unterschiedlich ansprechen. Weil das Immunsystem äusserst komplex ist, wollen wir Krebs mit Kombinationen von sich ergänzenden Präparaten dauerhaft in Schach halten oder sogar besiegen. Vielversprechend ist etwa die Verbindung von Immuntherapeutika mit Chemotherapien und gezielt wirkenden Antikörpern. Derzeit prüfen wir mehr als 40 solcher Kombinationen in klinischen Studien.

Auch im Hinblick auf diese neuen Behandlungsansätze setzen wir uns für flexiblere Preismodelle ein. Anstelle der gängigen Praxis, Medikamentenpreise auf Basis von Ampullen oder Milligramm festzulegen, wollen wir die Vergütung viel stärker an den Patientennutzen koppeln. Dieser kann für dasselbe Medikament unterschiedlich ausfallen, je nachdem, für welche Indikation und in welcher Kombination es eingesetzt wird.

In enger Zusammenarbeit mit Kosten- und Leistungsträgern haben wir flexible Preismodelle bereits in mehreren europäischen Ländern eingeführt – etwa zur unterschiedlichen Verrechnung von Kombinations- und Monotherapien bei Brust- und Hautkrebs. In anderen Ländern haben wir Pilotprojekte initiiert, kooperieren beim Aufbau der nötigen IT-Infrastruktur und bringen uns – etwa in den USA – aktiv in Diskussionen mit Kostenträgern über neue Preismodelle ein.

Bei all dem ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass die Behörden und Kostenträger dem Patientennutzen und Innovationsgrad klar Rechnung tragen.

2017 rechnen wir mit der Markteinführung der ersten sogenannten Biosimilars (Nachahmerprodukte) für einige unserer wichtigsten Medikamente. Dieser Herausforderung wollen wir begegnen, indem wir den Therapiestandard kontinuierlich verbessern. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies nicht zuletzt aufgrund unserer Stärke in der Entwicklung von Kombinationstherapien – aus bewährten und neuen Wirkstoffen – gelingen wird. Damit nimmt die Bedeutung unserer neu lancierten Medikamente für den Geschäftsverlauf deutlich zu. Auch in diesem Jahr rechnen wir mit einer Reihe wichtiger Studienergebnisse und Produktzulassungen. Insgesamt erwarten wir für das laufende Jahr (zu konstanten Wechselkursen) ein Wachstum der Verkäufe im tiefen bis mittleren einstelligen Bereich. Zudem streben wir ein Wachstum des Kerngewinns je Titel zu konstanten Wechselkursen an, das weitgehend dem Verkaufswachstum entspricht. Und wir planen, die Dividende für das Jahr 2017 in Schweizer Franken erneut zu erhöhen.

Roche ist für die Zukunft stark positioniert – als weltweit grösstes Biotechunternehmen, führend in der Krebstherapie und mit einer der besten Produktpipelines in der Industrie sowie als Nummer 1 in der Labordiagnostik. Ich bin zuversichtlich, dass Roche ihre 120-jährige Erfolgsgeschichte weiter fortsetzen wird.

Dr. Severin Schwan
Chief Executive Officer