Ich habe damals mit dem Medizinstudium begonnen, weil ich in die Forschung gehen wollte. Aber als mir klar wurde, dass man als Pathologe wissenschaftliche und klinische Arbeit verknüpfen kann, habe ich diesen Weg eingeschlagen. Dabei war mir der Kontakt mit Patientinnen und Patienten immer wichtig. So habe ich miterlebt, wie ängstlich manche Frauen ihr Testergebnis für Gebärmutterhalskrebs erwarteten. Solche Erlebnisse halfen mir, als ich später an US-Richtlinien für die Behandlung dieser Krankheit mitarbeitete.

Während des Grossteils meiner 35-jährigen Berufstätigkeit war der Pap-Test die Standardmethode für Gebärmutterhalskrebs. Er hat die Zahl der Todesfälle in den USA und vielen anderen Industrieländern deutlich reduziert. Und dies, obwohl Studien gezeigt haben, dass der Test fast die Hälfte aller Fälle hochgradiger Krebsvorstufen nicht erkennt.

Bessere Kenntnisse und neue Verfahren

Schon in den 1980er Jahren fand man heraus, dass Gebärmutterhalskrebs fast immer von HPV verursacht wird und dass 70% aller Fälle auf nur zwei der zahlreichen Virusvarianten zurückgehen. Diese Erkenntnis hat Patientinnen und Fachpersonal ganz neue Wege der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung ermöglicht. Zudem wurden Fortschritte bei molekularen Screening-Verfahren gemacht, einschliesslich des HPV-Tests von Roche, der die DNA der beiden aggressivsten Virenstämme zuverlässig nachweisen kann. Dieser musste allerdings noch zugänglich gemacht werden. Denn um FDA-zugelassene Screening-Verfahren zu ändern, benötigt man aufwändige klinische Studien, die keine Hochschule allein finanzieren könnte.

Da kam die Partnerschaft mit Roche wie gerufen: 2009 wurde die Athena-Studie mit mehr als 47 000 Patientinnen durchgeführt. Auch ich konnte mitwirken und gemeinsam mit hochqualifizierten Experten von Roche das Studienprotokoll entwickeln, Ergebnisse auswerten und sie den Behörden vorstellen. 2014 wurde der Test schliesslich in den USA zum Primärscreening zugelassen. Ich bin sicher, dass diese Innovation viele Leben retten wird.

Neben der neuen Screening-Technologie stehen inzwischen auch wirksame Impfungen für junge Frauen zur Verfügung sowie gezielte molekulare Therapien. Es ist unglaublich, sich vorzustellen, dass diese Krebserkrankung in den kommenden 20 Jahren in vielen Ländern praktisch ausgerottet sein könnte.

In all den Jahren meiner Zusammenarbeit war ich vom Wissen und Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Roche beeindruckt. Sie waren stets dankbar für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und haben mir Vertrauen entgegengebracht. Und unsere Zusammenarbeit geht weiter. Inzwischen untersuchen wir andere Biomarker für Gebärmutterhalskrebs, um Frühstadien der Krankheit künftig noch gezielter erkennen und behandeln zu können.