Bewerbungs-Fauxpas vermeiden

Der fachliche und berufliche Hintergrund eines Bewerbers sind ausschlaggebend für ein erfolgreiches Bewerbungsverfahren. Aber nicht nur! Werden die eingereichten Bewerbungsunterlagen bestimmten formalen Kriterien nicht gerecht und können unsere Recruiter diesen nicht die gewünschten Informationen entnehmen, kann dies zu einer Absage führen. Damit dies nicht geschieht, haben wir im nachfolgenden Beitrag für Sie aufbereitet, wie Sie mit Ihren Bewerbungsunterlagen punkten und womit Sie eher weniger überzeugen.  Dabei stützen sich alle Schilderungen und Beispiele auf reale Erfahrungen, die unsere Recruiter in ihrem Berufsalltag gesammelt haben.

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Ein Bewerber berichtet:

So langsam neigt sich mein Studium dem Ende zu! Es ist an der Zeit, einen etwas detaillierteren Blick in die Stellenbörsen und Bewerbungsportale unterschiedlicher Unternehmen zu werfen. Dabei merke ich schnell, dass es an interessanten Jobs nicht mangelt. Gehe ich jedoch gedanklich die Reihen meiner Kommilitonen durch, muss ich feststellen: an gut ausgebildeten und qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern aber auch nicht. Die Konkurrenz ist groß!

Wie schaffe ich es also mit meinen Bewerbungsunterlagen aus der schier endlosen Flut eingehender Bewerbungen herauszustechen und nicht zwischen den anderen Anschreiben, Lebensläufen und Zeugnissen unterzugehen? Vielleicht mit ein wenig Kreativität? Einem ausgefallenen Foto? Einem interessanten Hobby? Warum eigentlich nicht! Einen Versuch ist es wert!

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Am besten, ich nehme mir zuerst meinen Lebenslauf vor. Schon vor einiger Zeit habe ich seriöse Bewerbungsfotos anfertigen lassen – die mich nun jedoch nicht mehr wirklich überzeugen. Mit diesen standardisierten Bildern werde ich mich sicherlich nicht von der Konkurrenz abheben. Mit dem netten Urlaubsfoto, auf dem ich dem Betrachter mit Sonnenbrille und gebräuntem Teint entgegenlächle aber möglicherweise schon. Beweise ich mit der Akropolis im Hintergrund nicht zudem, dass ich kulturell interessiert und unternehmungslustig bin? Seriös kann doch jeder, denke ich und ersetze mein ursprüngliches Bild kurzerhand durch das legere Urlaubsfoto.

Der Familienstand ist schnell beantwortet. Ich bin ledig. Wenn auch vergeben! Moment. Ledig – aber vergeben? Würde dies nicht bei jedem Personaler bzw. bei jeder Personalerin ein Augenzwinkern hervorrufen? Absolut! Somit  entschließe ich mich spontan, meinen Familienstand etwas "aufzupeppen". Nachdem ich meine beruflichen Stationen alle feinsäuberlich auf- und eingearbeitet habe – hier und da habe ich mit etwas Farbe und Design-Effekten "nachgeholfen", denn schließlich kann man mit Kreativität immer punkten – bleibe ich an den Hobbies hängen. Was soll ich hier bloß eintragen? Sport? Sport macht heutzutage doch wirklich jeder! Lesen? Wer liest nicht? Ich fotografiere gerne. Am liebsten schöne Frauen. Macht mich dieses Hobby nicht interessant? Bleibt ein Recruiter hier nicht automatisch "hängen", wenn er oder sie meine Bewerbungsunterlagen screent? Aber klar!

Als nächstes steht das Anschreiben auf meiner Agenda. Gut, dass der Lebenslauf soweit steht. Da ist das Anschreiben schnell geschrieben, schließlich muss man die im Lebenslauf abgetragenen Stationen einfach nur mit ein paar Füllwörtern verbinden und fertig. Da Englisch heutzutage für viele Stellen als Grundvoraussetzung gilt, bereite ich meine Unterlagen auch gleich noch in Englisch vor. Dank Google Translate nimmt dies ja ohnehin nicht allzu viel zusätzliche Zeit in Anspruch.

Schnell noch eine E-Mail aufgesetzt bzw. die Unterlagen im Bewerbungstool hochgeladen und… senden!

Ein Recruiter berichtet:

Was auffällt ist, dass uns immer wieder Bewerbungen erreichen, die sich weniger durch ihren Inhalt, als vielmehr durch ihr kreatives Bewerbungsdesign auszeichnen. Viele Bewerberinnen und Bewerber intendieren mit einer solchen Bewerbung, sich von der Konkurrenz abzuheben und uns Personalern direkt "ins Auge zu stechen". Dabei wird zumeist jedoch nicht bedacht, dass sich ein allzu buntes und auffälliges Design eher negativ auf die Übersichtlichkeit und somit auf die Aussagekraft der eingereichten Unterlagen auswirkt.

Häufiger als man vielleicht denkt, erreichen uns außerdem Bewerbungsunterlagen mit wirklich unprofessionellen Fotos! Diese sind entweder zu Hause, in Eigenregie, erstellt worden, stammen aus dem letzten Urlaub oder zeigen mitunter das geliebte Haustier. So erinnere ich mich ganz besonders an eine Bewerbung, von der mir ein Hund entgegenblickte, verbunden mit der Begründung der oder die Bewerber/in könne sich derart gut mit der Persönlichkeit des Hundes identifizieren, dass sie sich kurzum dazu entschloss, der Bewerbung ein Bild von eben jenem Hund beizulegen. Ich kann unseren Bewerberinnen und Bewerbern nur raten: nehmen Sie sich die Zeit, professionelle Bewerbungsfotos von einem Fachmann anfertigen zu lassen, die ihrem aktuellen Look entsprechen!

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Einen weiteren Punkt, den ich gerne ansprechen möchte, betrifft insbesondere das Anschreiben. Viele Anschreiben, die uns erreichen, sind nichts anderes als ein ausformulierter Lebenslauf, der um das gewünschte Gehalt erweitert wurde. Uns interessieren an einem Anschreiben jedoch insbesondere zusätzliche Informationen, die sich beim Screenen des Lebenslaufs nicht auf den ersten Blick erschließen wie bspw. warum man der Meinung ist, dass man die passende Kandidatin bzw. der passende Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ist – auch aufgrund von Erfahrungen, die nicht im Lebenslauf enthalten sind. Des Weiteren ist für uns interessant, warum sich die Bewerberin bzw. der Bewerber gerade von dieser eine Stelle in unserem Unternehmen angesprochen fühlt und warum sie oder er seine derzeitige Anstellung aufgeben bzw. wechseln möchte. Bei all diesen Angaben und Ausführungen sollte man jedoch sowohl beim Anschreiben als auch beim Lebenslauf bei der Wahrheit bleiben und diese keinesfalls "beschönigen". Eine fehlerfreie Rechtschreibung sowie grammatikalisch korrekte Sätze setzen wir voraus. Bei englischen Unterlagen sollten sich Bewerberinnen und Bewerber die Zeit nehmen, diese gewissenhaft anzufertigen – was schlicht und einfach unvereinbar mit einer Übersetzung via Google Translate ist.

Haben die Bewerbungsunterlagen unser Interesse geweckt und wir laden die Bewerberin bzw. den Bewerber zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch ein, dann sollten sie – ähnlich wie auf ihrem jeweiligen Bewerbungsfoto – durch ein professionelles Erscheinungsbild und Auftreten sowie durch eine souveräne Haltung überzeugen. In der Regel fragen wir die Kandidatin oder den Kandidaten im Rahmen des Gesprächs mitunter auch nach Situationsbeispielen aus ihren vorherigen beruflichen Stationen, dem Studium oder der Schule und können nur jedem raten authentisch zu argumentieren. Man merkt zumeist recht schnell, ob der- oder diejenige wirklich von den ganz individuellen Erfahrungen berichtet oder die Geschichte einer anderen Person wiedergibt. Auch bei Fragen, nach den persönlichen Stärken und Schwächen sollte man in der Lage sein, glaubhafte Beispiele zu nennen.

Schlussendlich können Sie uns im Bewerbungsgespräch mit einem professionellen, gut vorbereiteten Gespräch von sich überzeugen!

Tags: Career Blog, Deutschland