roche, blog, career

Roche befand sich schon immer im Wandel

Was sich im Moment wissenschaftlich ereignet, ist toll für die Patienten, toll für die Ärzte, aber auch toll für uns, die die Medikamente entwickeln.
Georg Isbary

Ein Gespräch mit Colin Wernsdörfer und Georg Isbary über gefüllte Product-Pipelines, neue und alte Standbeine und die Zukunft der Medizin

Ihr seid beide ursprünglich Ärzte. Wie seid ihr zur Pharmaindustrie gekommen?

Colin Wernsdörfer: Tatsächlich war die Pharmaindustrie für mich am Anfang eine Art Black Box. Aber ich wollte einfach wissen, was ich mit meiner Ärzteausbildung noch bewerkstelligen kann. Meine Idee war, das zunächst ein Jahr lang auszuprobieren und wenn es mir nicht gefällt, zurück in die Praxis zu wechseln.

Georg Isbary: Für mich war es auch so, dass ich aus der Klinik kam und nicht genau wusste, was auf mich zukommt. Ich bereue es aber keinen Tag. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind enorm.

Zum Beispiel als Head of Medical Affairs im Bereich Neuroscience.
Colin, Du versuchst in Deiner Rolle zu helfen, ein neues Standbein bei Roche aufzubauen. Stehst Du erneut vor einer Black Box?

Colin: Keineswegs. Wir haben ja nicht bei null angefangen. Die Indikationen und Produktentwicklungen sind zum Großteil schon sehr weit fortgeschritten. Die große Produkt-Pipeline war auch der Hauptgrund, diesen Weg zu gehen. Ich habe in meinem gesamten Pharmaleben schon über zehn Präparate gelauncht und es bleibt einfach das Salz in der Suppe. Vor allem weil der medizinische Bedarf weiterhin da ist. Das gilt aber natürlich nicht nur für die Neuroscience.

Georg, Du bist Medical Therapeutic Area Lead im Bereich Onkologie. In der Onkologie ist Roche bereits seit Jahren Marktführer. Macht es das eher einfacher oder schwerer?

Georg: Die Erfahrung hilft natürlich. Aber auch in der Onkologie gibt es immer noch viele Bereiche, die mit den aktuellen Medikamenten noch nicht abgedeckt sind. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit fließen aber in die kommenden Entwicklungen mit ein und existierende Medikamente können unter Umständen sinnvoll mit künftigen kombiniert werden.

In der Medizin geht es stets um Zukunft. Wie sollte ich mir diese im Moment vorstellen?

Georg: In der Onkologie gab es früher fast ausschließlich die Möglichkeit der Chemotherapie. Durch die diagnostischen Möglichkeiten heute und das bessere Verständnis über die Tumore ist es inzwischen möglich zu beurteilen, welcher Therapieansatz für welchen Patienten am besten ist, das entspricht der personalisierten Medizin. Zudem stecken große Hoffnungen in der Krebsimmuntherapie, bei der tumorspezifische Mechanismen gelöst werden, mit denen sich der Tumor der körpereigenen Immunabwehr zu entziehen versucht.

Colin: Personalized Health Care spielt eine sehr große Rolle bei uns. Dass wir darüber hinaus eine eigene Diagnostics-Sparte haben, ist ein Riesenvorteil.

Stehen wir vor einem Umbruch in der Branche?

Colin: Roche befand sich schon immer im Wandel. Wir vertreiben keine Generika, sondern schaffen Innovationen. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten. Das ist keineswegs selbstverständlich, aber der Knackpunkt ist, aus den Optionen auch etwas zu machen. Wie kann ich, trotz des schnellen Fortschritts, ein Medikament auch sicher an die Patienten bringen? Wir wollen uns vom Fortschritt auch nicht überrumpeln lassen. Trotzdem ist es toll dabei zu sein, während sich das medizinische Umfeld wandelt.

Habt Ihr auch eine Vision darüber hinaus?

Georg: In Zukunft kommen wahrscheinlich sehr effektive Vakzine hinzu: Dann schaue ich mir den Tumor eines Patienten im Detail an, schaue welche genetischen Veränderungen in den verschiedenen Tumorzellen im Gegensatz zu den „gesunden“ Zellen vorkommen und bringe dem Immunsystem bei, genau gegen diese Zellen vorzugehen. Das wäre die Krönung von Personalized Health Care: wenn individuelle Medikamente für jeden Patienten entwickelt werden. Und darauf arbeiten wir bei Roche natürlich auch hin.

Rückt Ihr durch die neugewonnenen Möglichkeiten wieder näher an den Arztberuf heran?

Georg: Wir haben alle den Wunsch, möglichst vielen Patienten möglichst gut helfen zu können. Das heißt besonders wirksame Therapien zu entwickeln, die die Lebensqualität des Patienten aufrecht halten bzw. sogar verbessern und mit möglichst wenigen Nebenwirkungen verbunden sind. Was sich im Moment wissenschaftlich ereignet, ist toll für die Patienten, toll für die Ärzte, aber auch toll für uns, die die Medikamente entwickeln.

Colin: Wir sind beide Ärzte. Das Arztsein hört in unserer Rolle auch nicht auf. Jeder von uns hat Patienten gesehen und wird diese nie wieder vergessen.

Tags: Deutschland, Career Blog