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Mario Henke war schon seit seiner Schulzeit stets davon begeistert, Neues zu entdecken. Nach vielen abwechslungsreichen Jahren im In- und Ausland arbeitet er heute in leitender Funktion für Roche am Standort Penzberg in Deutschland.

1973 wurde ich als waschechter Sauerländer geboren. In Niedersalwey hatte ich eine unbeschwerte dörfliche Kindheit und war ständig draußen. Die Stunden in der Natur haben schon früh mein Interesse für Tiere und Pflanzen geweckt und einen Grundstein für meine Begeisterung für die Biologie gelegt.

Nach meinem Abitur habe ich mich zunächst um ein Medizinstudium beworben und bekam direkt einen Studienplatz – allerdings an einem mir damals noch zu „exotischen“ Studienort. Somit hieß es zunächst die Wartezeit für einen anderen, vermeintlich attraktiveren Medizinstudienplatz zu überbrücken. Somit habe ich eine Ausbildung zum Biologisch-technischen Assistenten (BTA) absolviert. Diese Zeit empfinde ich rückblickend als sehr wertvoll. Heute kann ich auf Augenhöhe mit den Kollegen an der „bench“ sprechen. Durch diese Ausbildung wurde auch verstärkt mein Interesse an der Biologie, aber auch an technischen Themen geweckt – der Wunsch, Mediziner zu werden, rückte in den Hintergrund.

Also folgte auf meine BTA-Ausbildung ein Studium der Biotechnologie im Bereich Lebensmitteltechnologie an der Fachhochschule Lippe in Lemgo, das ich 1998 als Diplom-Ingenieur für Biotechnologie erfolgreich abschloss. Die Hochschulzeit ist mir insgesamt sehr positiv in Erinnerung geblieben und vor allem die Bioverfahrenstechnikvorlesungen haben mich nachhaltig fasziniert – Zellen im Bioreaktor kultivieren war genau das, was ich immer machen wollte. Vor allem das winterliche Bierbrauen mit einem Kommilitonen, die Praxissemester und die Diplomarbeit bei Novartis in Basel waren absolute Highlights. Auch durch Praktika in verschiedenen Unternehmen habe ich mir erste Berufserfahrung angeeignet. Mir war es stets wichtig, kein Theoretiker oder „Fachidiot“ zu werden. Ich habe immer versucht, „hands on“ zu sein und Dinge selbst auszuprobieren.

Aufgrund der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis gab es nach meiner Diplomarbeit leider keine offenen Stellen, sodass ich zunächst von Basel nach Wuppertal umgezogen bin. Was folgte war ein lehrreiches Jahr bei Bayer Healthcare im Biotechnikum. Es weckte mein Interesse für diesen Bereich der Biotechnologie. Also habe ich beim Fraunhofer Institut für Molekulare Biotechnologie in Aachen als Forschungsingenieur angefangen und nahezu alles in verschiedensten Bioreaktorsystemen kultiviert, was sich kultivieren lässt – Pflanzenzellen, tierische Zellkulturen, Hefen, Pilze und natürlich verschiedenste Bakterien.

Allerdings gestehe ich, dass ich in den ganzen Jahren auf etwas Bestimmtes gewartet habe. Nämlich auf die Mitteilung meines damaligen Chefs von Novartis, dass es offene Stellen in Basel gibt. Und so kam es auch. Im April 2001 fing ich zunächst als Laborleiter für ein Produktionslabor für Toolproteine an. Ich durfte auch mithelfen, ein ähnliches Labor in Cambridge bei Boston aufzubauen – meine erste wichtige internationale Erfahrung. 2003 habe ich mich für ein berufsbegleitendes Zweitstudium zum Wirtschaftsingenieur in Zürich eingeschrieben, durch das ich meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse vertiefen wollte.

Nach Abschluss des Studiums habe ich mich bemüht, die echte Biotechproduktion kennenzulernen und wurde nach Österreich geschickt. Dort war ich für drei Jahre Produktionsleiter einer größeren Biotechanlage in der Nähe von Kufstein. Wieder in Basel, habe ich von 2009 bis 2012 als Standortleiter einen kleineren biotechnologischen Produktionsstandort und dadurch zum ersten Mal ein größeres Team und eine deutlich größere Budgetverantwortung übernommen.

Nahezu zeitgleich mit der ersten Schwangerschaft meiner Frau hat mir Novartis 2013 eine interessante Herausforderung angeboten: die Leitung des Aufbaus eines biotechnologischen Produktionsstandorts in Singapur. Dort sollte für über 700 Millionen US-Dollar der größte Biotech-Standort des Unternehmens entstehen. Das war eine fantastische und einmalige Chance. Glücklicherweise dachte meine Frau genauso, und somit entschlossen wir uns, nach Asien zu gehen. Anfänglich habe ich dieses Mammutprojekt in Singapur noch von der Schweiz aus geleitet. Fünf Monate später sind wir alle zusammen nach Singapur gezogen. Das Projekt verlief rückblickend sehr erfolgreich – die Konstruktion mit mehr als 1.200 Bauarbeitern war ein echtes Erlebnis. Nach drei fantastischen Jahren in Singapur wurde es für uns Zeit, an die nächste Station zu denken – mittlerweile zu viert, da unsere zweite Tochter 2015 in Singapur geboren wurde. Trotz der positiven Erfahrungen und zahlreichen Chancen habe ich Novartis Ende 2016 nach 16 sehr guten Jahren verlassen. Ich liebe Veränderungen und musste einfach etwas Neues entdecken, ein anderes Unternehmen und eine andere Firmenkultur.

Somit habe ich im Januar 2017 bei Roche in Basel, dem größten Biotechnologieunternehmen der Welt, angefangen – als Leiter für einen biotechnologischen Produktionsstandort mit etwa 450 Mitarbeitenden.

Roche ist ein hochinnovatives Unternehmen, das vor allem in der Onkologie weltführend ist und den Patienten stets in den Mittelpunkt allen Handelns stellt. Es war und ist immer noch faszinierend zu erleben, wie unterschiedlich Unternehmenskulturen sein können – das zu lernen und in die neue Kultur einzutauchen hält in meinen Augen agil und unterstreicht die Wichtigkeit, stets etwas Neues auszuprobieren.

Nach zehn Monaten in Basel hat Roche mich mit meiner Familie ins schöne Bayern geschickt – als Leiter der Pharmaproduktion am größten Biotech-Standort Europas: Penzberg. Dort erwarteten mich verschiedenste Produktionsstraßen und wiederum technologisch innovativste Entwicklungslabore mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden. Zu meiner täglichen Arbeit gehören neben dem Sicherstellen der Produktion wichtiger Onkologie- und anderer Wirkstoffe auch strategische Fragestellungen. Selbstverständlich geht es auch darum, diesen wichtigen Roche-Standort attraktiv zu halten, ihn für eine digitale Zukunft fit zu machen, unsere Talente weiterzuentwickeln und Probleme technischer, wissenschaftlicher, finanzieller oder auch zwischenmenschlicher Natur zu bewältigen.

Ich darf sehr dankbar sagen, dass ich meinen absoluten Traumjob gefunden habe und ausüben darf. Damit möglichst viele Biologen, Biotechnologen oder Quereinsteiger irgendwann dasselbe sagen können, rate ich allen, immer neugierig zu bleiben und bereit zu sein, auch größere Risiken und Abenteuer einzugehen – genau daran wächst man. Außerdem hilft es, sich früh zu fragen, ob man als Experte lieber wissenschaftlich oder technisch arbeiten möchte oder vielleicht sogar seine Berufung in der Führung von Menschen im biowissenschaftlichen Umfeld sucht – beides hat unterschiedliche Anforderungen, über die man sich früh klarwerden sollte. Ich wünsche allen viel Glück und Erfolg!

Autor: Mario Henke

Tags: Deutschland, Career Blog