System Ingenieur bei Roche – Interdisziplinarität, Diversität und Globalität

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Christoph Fischer stieg Oktober 2014 bei Roche ein und ist als technischer Projektleiter im Bereich System Engineering beschäftigt.

Was haben Sie studiert und welche Aufgabe haben Sie im System Engineering?

Ich habe Elektrotechnik und Informationstechnik mit dem Model Biomedizinische Technik studiert. Im Bereich Insulin Delivery Systems kümmern wir uns um Diabetes Care Systeme basierend auf Insulinpumpen. Als leitender System Engineer habe ich verschiedene „Hüte“ auf: im Projekt habe ich die technische Teilprojektleitung System Engineering und je nach Aufgabe weitere Rollen wie zum Beispiel Cybersecurity Specialist oder Hauptautor für Datenkommunikationsstandards.

System Engineering und Insulinpumpen - wie passt das zusammen?

Ein Diabetes Care System besteht aus verschiedenen Komponenten. So gibt es Einwegteile, welche nach der Benutzung weggeworfen werden, wie beispielsweise eine Kanüle oder ein Reservoir. Weiterhin gibt es den wiederverwendbaren Bestandteil der Insulinpumpe selbst mit Mechanik, Elektronik und Software. Eine andere Komponente, der Inserter, wird dazu benutzt die Kanüle quasi-schmerzfrei in den Körper einzuführen. Ebenso gibt es einen Handheld Diabetes Manager, der erlaubt Blutzucker zu messen und die Insulinpumpe fern zu steuern. Darüber hinaus gibt es noch PC- und Cloud-Anwendungen, mit denen die Daten aus dem Diabetes Manager ausgelesen und visualisiert werden können.

Kurzum, es gibt viele verschiedene Komponenten. Fachleute arbeiten an den einzelnen Gewerken. Die Herausforderung besteht darin, die ganzen Fachgewerke miteinander zu koordinieren und sinnvoll zu einem Gesamtsystem zusammenzubringen. Genau das machen wir im System Engineering. Eigentlich könnte man uns als den „Kleber“ zwischen den Fachgewerken bezeichnen. Wir sorgen dafür, dass die Interfaces der einzelnen Bestandteile, seien sie elektronisch oder mechanisch, passen und aufeinander abgestimmt sind, damit insgesamt eine optimale Lösung für den Patienten entsteht welche die regulatorischen Anforderungen erfüllt.

Also ist Ihre Arbeit sehr abwechslungsreich?

Ja, wir arbeiten in sehr vielen Bereichen. Wir sprechen davon, dass ein Systems Engineer ein T-Shape Profil haben sollte. Man braucht sowohl den breiten Überblick, aber in bestimmten Bereichen auch ein tieferes Fachwissen, damit man mit den Experten aus den Fachgewerken auf Augenhöhe reden kann. Natürlich kann man nicht alles wissen. Deswegen arbeiten wir auch in Teams zusammen um uns gegenseitig zu ergänzen und voneinander zu lernen.

Was wäre eine gute Grundvoraussetzung, wenn man in Ihrem Bereich arbeiten möchte? Sind Erfahrungen im Bereich der Medizintechnik notwendig?

Erfahrungen im Bereich Medizintechnik sind wünschenswert aber nicht Voraussetzung. Wenn wir im System Engineering neue Mitarbeiter suchen, ist ein Aspekt immer, dass die Kandidaten in einem oder zwei Gebieten schon Erfahrung haben. Zum Beispiel habe ich im Laufe der Zeit verschiedene Funktionen durchlaufen von Embedded Firmware-Entwickler über Teilprojektleitung Software zum System-Architekt bei größeren Projekten und System-Projektleiter unter Beteiligung von verschiedenen Firmen. Also das Grundwissen aus einem bestimmten Bereich, sei es Elektronik-, Mechanik- oder Softwareentwicklung ist wichtig. In diesem Bereich sollte man zumindest mal für eine gewisse Zeit Entwickler gewesen sein, um die Fachbegriffe und Arbeitsweise zu kennen. Dann kann man mit den Fachleuten beim Aushandeln einer Interface-Spezifikation in der gleichen Sprache sprechen. Mit Sicherheit ist es auch hilfreich, erste Erfahrungen in der Projektleitung gesammelt zu haben, da wir immer wieder eine anleitende Funktion haben, fachliche Vorgaben machen und Teams führen.

Was reizt Sie, als Ingenieur bei Roche zu arbeiten?

Ich war schon immer an Medizintechnik interessiert, weswegen ich bereits bei der Entwicklung von Pulse Oximetern, Schlafdiagnosesysteme, Schlaftherapiegeräten, Heimbeamtungsgeräten und Cloud-Lösungen beteiligt war. Was mich bei Roche gereizt hat, war das Thema Insulinpumpen im Bereich Diabetes Care. Insulinpumpen stellen eine besondere Herausforderung dar und die Patienten stehen im Fokus. Für diese werden vernetzte Systeme entwickelt, die ihnen das Leben leichter machen. Aber, und das ist der Unterschied zu meinem vorigen Arbeitgeber, mit einem globalen Footprint. Die Interdisziplinarität und Diversität fasziniert mich. Im meinem Team habe ich zeitweise mit sieben Personen aus sieben verschiedenen Ländern zusammengearbeitet, welche wiederrum mit Teams verteilt in der Welt interagieren. Was natürlich eine interessante Facette in der Zusammenarbeit ergibt, gerade weil ich teilweise auch vor Ort bei den Kollegen bin. Mich begeistert außerdem, dass wir bei den Insulinpumpen immer wieder an den Grenzen der physikalischen Machbarkeit arbeiten. Wir reden in diesem Bereich von Minimalmengen in Teilen von Mikrogramm, die hochgenau abgegeben werden müssen. Dies alles ist sehr herausfordernd und spannend.

Da kommen wir zum nächsten Punkt: Was war denn eines der spannendsten Projekte?

Zurzeit arbeite ich in einem großen Systemprojekt. Da geht es um die Entwicklung einer neuen Pumpenplattform, die den Formfaktor von der momentan üblichen Größe in eine wesentlich kleinere Größe reduzieren und neue Funktionen bieten soll. Dementsprechend ist alles viel kleiner und kompakter. Das ist ein sehr spannendes Projekt, da viele Sachen parallel gemacht werden. Meine Schwerpunkte als technischer Teilprojektleiter ist Kunden- und regulatorische Anforderungen einzubeziehen, ein verteiltes Gesamtsystem zu entwerfen, bis hin zum Übersetzen in Spezifikationen, die dann die Fachwerke umsetzen können. Da ist dann auch wieder der Kleber-Effekt.
Durch diese vielfältigen Schwerpunkte arbeite ich mit verschiedenen Personengruppen, sei es Produkt-Management, regulatorische Stellen, Fachgewerke, Produktion, Qualitätsmanagement und vielen weiteren Schnittstellen zusammen. Wenn es um Systeminterfaces zwischen den Komponenten geht, gehen wir bis ins kleinste Detail und liefern die entsprechenden Detailspezifikationen und Integrationstests. Das Projekt ist also sehr breit gefächert, einmal über viele verschiedene Themen und in sehr vielen unterschiedlichen Tiefen.

Das hört sich auf jeden Fall so an, als wären Ihre Tage auch mal stressig und lange. Wie sieht es mit der Work-Life-Balance aus?

Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß und deswegen bin ich immer wieder im Flow. Dann vergesse ich schon manchmal die Zeit ein bisschen. Was die Work-Life-Balance anbelangt, das ist sicherlich ein Thema, bei dem das Team und jeder Einzelne immer wieder gefordert ist. So achte ich im Team darauf, dass wir alles untereinander aufteilen und einen Ausgleich in der Gruppe hinbekommen, um Peeks abfedern zu können. Für mich selber finde ich einen Ausgleich zu meiner anspruchsvollen Tätigkeit im Familienleben mit zwei tollen Kindern.

Gibt es die Möglichkeit des Homeoffice und flexible Arbeitszeiten?

Homeoffice hängt stark von der Tätigkeit ab. Es gibt bestimmte Tätigkeiten, die kann man nicht oder nur sehr schwer von zu Hause machen, gerade wenn man Zugriff auf Mess-Equipment oder Ähnliches benötigt. In meinem Team handhaben wir es so, dass der Einzelne den Tag selbst flexibel gestalten und auch Homeoffice nehmen kann, wenn keine Termine vor Ort sind und kein Zugriff auf Equipment benötigt wird. Dank verschiedener Cloud-basierten Anwendungen können wir prinzipiell von überall auf der Welt arbeiten, sei es unterwegs auf Dienstreisen oder weil der Kollege in einem anderen Land wohnt. Der am weiteste Entfernte im Team sitzt in Kanada.

Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie zu Roche gekommen sind?

Ich denke, die meisten Menschen kennen Roche für seine Medikamente. Dass wir aber auch Diagnose- und Therapiesysteme entwickeln, habe ich vor meinen Wechsel zu Roche nicht wahrgenommen. Hier geht es um Systeme für Fachleute oder eine bestimmte Patientengruppe. Viele Menschen kommen damit nicht in Berührung. Ich war sehr überrascht, als ich gesehen habe, was bei Roche alles gemacht wird von kleinen Handheldgeräten bis hin zu großen stockwerkfüllenden Systemen. Die Bandbreite bei Roche ist durch die Divisionen Pharma und Diagnostics mit den darunterliegenden sieben Forschungs- und Entwicklungsbereichen eben sehr groß.

Sie haben vorher in einem kleineren Unternehmen gearbeitet. War es für Sie ein großer Unterschied, in einem Konzern anzufangen?

Wenn man von einem mittelständigen Unternehmen zum Roche-Konzern mit seinen 94.000 Mitarbeitern weltweit an einen Standort mit 8.000 Mitarbeitenden kommt, ist der Unterschied auf den ersten Blick sehr groß. Doch schon schnell merkt man, dass bei der täglichen Arbeit es tatsächlich keine großen Unterschiede gibt. Der Konzern ist in verschiedene Divisionen mit darunterliegenden Bereichen, welche sich wiederum in Hauptabteilungen unterteilen, organisiert. In meiner Hauptabteilung arbeiten etwa 80 Kollegen, was sich in der Größe kaum von der Niederlassung meines vorherigen Arbeitgebers unterscheidet. Der große Unterschied ist der bereits angesprochene globale Footprint. Ich habe aber das Gefühl, dass alle Kollegen offen sind. Vor allem das sich gegenseitig kennenlernen und mal nicht nur über die Arbeit, sondern auch andere Themen zu sprechen, sind definitiv in den frei einteilbaren Pausen oder nach der Arbeit bei gemeinsamen Aktivitäten gegeben. 

Abschließend. Wenn Sie Roche mit drei Worten beschreiben müssten. Welche wären das?

Wenn ich bei so einem Konzern mit so vielen Möglichkeiten drei Schlagworte aussuchen müsste, dann wären das Interdisziplinarität, Diversität und Globalität.

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