Treffen Sie Adrian, Project Engineer bei Roche

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Herr Frischauf, Sie arbeiten als Projektingenieur in der Softwareentwicklung bei Roche. Was genau muss man sich darunter vorstellen und welche konkreten Aufgaben sind damit verbunden?

Gute Frage, denn meine Stellenbeschreibung ist recht umfangreich. Grundsätzlich bin ich derjenige, der von der Anforderungsanalyse über das Projektmanagement, die technische Projektleitung bis hin zur Umsetzung und Softwareentwicklung immer den ganzen Prozess im Auge behält. Ich schaue mir die einzelnen Prozesse und Rahmenprozesse aus der Helikopterperspektive an. Das macht es leichter, sie einzuordnen oder zu steuern. Projektingenieure müssen also vor allem prozessorientiert denken. Die Tätigkeit geht also über die reine Softwareentwicklung hinaus. Kurz: Ich mache nicht nur Softwareentwicklung, sondern auch die Softwarekonzeption.

Aber Roche ist doch in der Healthcare Branche tätig. Wie passt da Softwareentwicklung rein?

Die meisten Leute sehen uns in erster Linie als Hersteller von Medikamenten und ordnen Roche somit direkt in die Pharma-Sparte ein. Was ja auch stimmt, aber wir sind nicht nur „Pillenpresser“. Wir forschen, entwickeln und produzieren auch in der Diagnostic Sparte.  Unsere Abteilung gehört theoretisch in diesen Geschäftsbereich. Theoretisch deshalb, weil wir unsere Abteilung als Dienstleister für den gesamten Konzern tätig sind. Wir haben daher Kunden aus der Sparte Pharma und Diagnostika.

Programmieren Sie auch Dinge, die den Patienten betreffen?

Momentan arbeite ich sehr stark mit Forschung und Entwicklung zusammen, aber grundsätzlich sind bei der Herstellung von medizinischen oder pharmazeutischen Produkten sehr viele Produktionsanlagen involviert. Da braucht man natürlich die technische Informatik im Hintergrund. Meine Abteilung stellt zur Verfügung, was unsere globale IT nicht anbietet, weil die Arbeit sehr produktnah ist. Hier unterstützen wir direkt vor Ort mit Software- und IT-Lösungen. Somit ist der Einfluss meiner Arbeit indirekt über die Herstellprozesse auch für den Patienten relevant.

Die Digitalisierung rückt also auch bei Roche immer mehr in den Mittelpunkt?

Richtig. Das Internet der Dinge, oder Industrie 4.0 sind Themen, die uns stark umtreiben. Eine Anlage braucht viele Sensoren, damit sie rund läuft. Sie wird permanent über verschiedenste Sensoren und Kamerasystemen überwacht, die den Produktionsprozess monitoren. Da fallen überall Unmengen von Daten an, die über eine Software gesammelt, verfügbar und auswertbar gemacht werden können, um Auswirkungen auf die Produktqualität zu erkennen. Zusammenhänge in den Daten aufdecken sind also die Themen, mit denen ich mich stark beschäftige.

Welches Projekt steht derzeit in Ihrem Fokus?

Aktuell ist das ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, bei dem es um eine Produktneuentwicklung geht. Hierbei gibt es naturgemäß viele verschiedene Einflussfaktoren: Es muss ein neues Gerät entwickelt werden, dazu kommt der zu entwickelnde Test und die Auswahl von Verbrauchsmaterialien. Darüber hinaus muss das Zusammenspiel zwischen diesen vielen Einzelkomponenten beachtet werden. Es sind sehr viele Aspekte, die später zusammenkommen, um dem Kunden auf seinem Gerät später einen zuverlässigen Wert anzuzeigen. Meine Aufgabe ist es zurzeit, während des gesamten Forschung- und Entwicklungsprozesses, die Entscheidungsprozesse durch konsequente Digitalisierung und Verfügbarkeit der Daten, zu unterstützen.

Was macht es für Sie spannend, bei Roche zu arbeiten?

Der Job ist sehr abwechslungsreich und man hat mit sehr vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Abteilungen zu tun. Von Laboranten, über Anlagenbauer bis hin zu Mathematikern, die sich um Modelle und Machine-Learning kümmern. Bei allen geht es darum, auf Basis dieser Daten Informationen zu gewinnen, um dann Entscheidungen richtig zu treffen und die nächsten Schritte abzuleiten. Diese datengetriebene Entscheidungsfindung in Forschung und Entwicklung finde ich total spannend. Vor allem, weil wir damit die Produktqualität für den Patienten deutlich verbessern können.

Hätten Sie sich früher vorstellen können, einmal bei Roche zu arbeiten?  

Nicht unbedingt. Ich hatte zwar schon während des Studiums am Deutschen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz als Softwareentwickler mit Forschung und Entwicklung zu tun. Danach war ich allerdings zuerst für Beratungsunternehmen tätig. Über diese bin ich dann allerdings auf Roche gestoßen und habe festgestellt, dass es hier sehr viele spannende Themen gibt. Vor allem im Bereich Software-Entwicklung. Daraufhin bin ich zu Roche gewechselt.

Gerade in Ihrem Bereich ist Fort- und Weiterbildung ein wichtiges Thema. Wird das von Roche gefördert?

Fort- und Weiterbildung ist ein sehr starkes Thema in meiner Abteilung und bei Roche allgemein. Wir versuchen einen regen Wissensaustausch zu betreiben, beispielsweise in Bezug auf technologische Neuerungen. Diese werden in Fachgruppen besprochen und diskutiert. Expertenrunden tauschen sich regelmäßig über aktuelle Trends aus. Doch auch die persönliche Fortbildung hat einen sehr hohen Stellenwert. Es wird also nicht nur die fachliche Weiterbildung gefördert, sondern auch die persönliche Entwicklung oder die Zusammenarbeit im Team.

Zum Stichwort Team – hat man bei Roche das Gefühl, wichtig und nicht nur einer von vielen zu sein? Gibt es den vielbeschworenen Teamspirit?

In einem so großen Konzern wie Roche gibt es natürlich Hierarchien.  Die Zusammenarbeit in Projekten funktioniert aber meist völlig unabhängig von Hierarchien. Projektteams können meist selbständig entscheiden, was getan werden muss, um das Projektziel zu erreichen.

Das heißt, Sie haben im Rahmen der zu beachtenden Richtlinien viel Entscheidungsfreiheit und können in Ihrem Bereich autonom handeln?

Ja, dies ist so. Man hat regulatorische Vorgaben zu beachten, aber im eigenen Bereich ist man doch sehr frei und kann gestalterisch tätig werden. Vorschläge und Ideen einzubringen sind immer willkommen, grade, wenn man merkt, dass etwas nicht so rund läuft und optimiert werden muss.

Was muss ein Softwareentwickler mitbringen um bei Roche zu arbeiten?

Man sollte vor allem ein ehrliches Interesse an Menschen haben, denn dieser steht bei uns im Mittelpunkt. Außerdem Kommunikations- und Teamfähigkeit mitbringen. Eine gewisse Neugier, auf Menschen zugehen können, gehört ebenfalls dazu.

Wie wichtig ist für Sie das Thema Work-Life-Balance? 

Für mich ist das sehr wichtig. Ich spüre aber auch, dass es dem Konzern sehr wichtig ist und aktiv gefördert wird.  Zum Beispiel haben wir unzählige Betriebssportgruppen, ein Gesundheitszentrum, in dem Sport getrieben werden kann, einen medizinischen Dienst, den man jederzeit während der Arbeitszeit besuchen kann, flexible Arbeitszeiten und vieles mehr. In meiner Freizeit lese ich gerne Fachbücher und habe Spaß dabei. So verschwimmen Arbeit und persönliches Interesse. Fort- und Weiterbildungen, die für den Job wichtig und relevant sind, bekommt man natürlich von Roche.

Roche ist ein globaler Konzern mit vielen Standorten. Arbeiten Sie in Ihrem Bereich auch standortübergreifend?

Teilweise ja. Wir sind zwar ein lokaler Dienstleister, haben aber auch Kooperationen über den Standort hinweg. Nächsten Monat fahre ich beispielsweise nach Penzberg (Nähe München). Penzberg ist ein weiterer deutscher Roche Standort und wir haben  dort Kooperationen mit IT-Abteilungen. In diesem Termin tauschen wir uns über Synergien zwischen IT-Systemen aus und versuchen globale Strategien zu etablieren. Kollegen aus den Standorten USA, Spanien und Polen sind ebenfalls dabei. Es ist ein breites und globales Feld. Das Netzwerk ist grundsätzlich wichtig für den Konzern und für uns  immer spannend, welche IT-Systeme andere Standorte benutzen.

Wenn sie Roche in drei Worten beschreiben würden, welche wären das?

Drei Worte sind wenig. Aber ich versuche es: grenzüberschreitend, innovativ und menschlich.

Tags: Deutschland, Ingenieurwesen