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Heute wissen, was morgen wirkt

Zwei Datenexpertinnen verraten, wie man mit Fachkenntnissen tausenden Menschen zu einem besseren Leben verhelfen kann – zum Beispiel, indem man ein Dashboard entwickelt, das schon heute weiß, welche Medikamente morgen heilen werden.

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Stefanie Kaufmann studierte in München Bioinformatik im Bachelor und Master und promovierte anschließend an der TUM ebenfalls im Fachbereich Bioinformatik. Nach der Promotion arbeitete sie zwei Jahre als Unternehmensberaterin für Detecon im Bereich Energy. Seit Januar 2017 ist sie als Data Scientist bei Roche tätig.

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Anna Bauer-Mehren studierte Bioinformatik (Diplom/Master) an LMU und TUM. Anschließend promovierte sie in biomedizinischer Informatik an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona und war für zwei Jahre als Postdoktorandin an der Stanford School of Medicine tätig. Nach mehreren Jahren im Ausland zog es Anna 2013 nach München, wo sie seit 2014 die Abteilung Data Science leitet.

Bei Data Science denkt man nicht zuerst an Pharma- oder Biotechnologieunternehmen. Warum braucht Roche Datenspezialisten?

Stefanie Kaufmann: Das erklärte Ziel von Roche ist es, Patienten eine individualisierte Therapie anzubieten – und dafür brauchen wir Daten. Denn jede Krankheit und jeder Patient ist anders: Man sagt zwar, dass eine Person "Krebs" hat, aber gerade Krebs ist nicht gleich Krebs! Es existieren viele verschiedene Unterarten von Krebs, die unterschiedlich behandelt werden müssen. "Personalisierte Therapie" lautet das Wort der Stunde – und an dieser Stelle kommen Daten ins Spiel und Menschen, die damit umgehen können.

Anna Bauer-Mehren: Je genauer unsere Daten sind, desto besser können wir therapieren: Das ist die Idee hinter personalisierter Medizin, und deswegen sind Datenexperten heute für uns so wichtig. Mit dem Konzept der Companion Diagnostics (Begleitdiagnostik) können unsere Datenexperten zum Beispiel schon seit Jahren herausfinden, welche Patientengruppen überhaupt auf das jeweilige von Roche entwickelte Medikament ansprechen. Therapie und Diagnostik wirken Hand in Hand. Gerade diese Verbindung macht Roche auch so besonders.

Was meinen Sie genau, wenn Sie bei Roche von Daten sprechen?

Stefanie Kaufmann: Einerseits natürlich Daten über Patienten, Krankheitsgeschichten und die vorliegende Erkrankung, also z.B. Biomarker, Laborwerte und histopathologische Aufnahmen. Im Bereich der Früherkennung bestimmter Krankheiten spielen auch die Daten von Wearables eine große Rolle. Zentral sind andererseits Daten aus der präklinischen Entwicklung, Forschung und Grundlagenforschung. In diesem Zusammenspiel entsteht die individualisierte Medizin, auf die Roche hinarbeitet.

Anna Bauer-Mehren: Bei uns ist es im Moment und vor dem Hintergrund der bestmöglichen Individualisierung ein Ziel, so viele Informationen wie möglich über einen Patienten zusammenzutragen. Via Sensoren wie Smartphones oder Fitnessarmbänder erfassen wir z.B. Daten zu Bewegung und Sprache von Parkinsonpatienten und gesunden Menschen. Über diese Daten erfahren wir beispielsweise, wie sich ein Parkinsonpatient von einem anderen Parkinsonpatienten oder von einem gesunden Menschen unterscheidet und wie unsere Medikamente wirken. In der digitalen Welt können wir kontinuierlich Daten sammeln und kommen damit sehr viel näher an die Wirklichkeit heran.

Wie tragen Sie mit Ihrer Abteilung zum Ziel individualisierter Therapien bei?

Anna Bauer-Mehren: Ich bin Abteilungsleiterin für Data Science von pREDi (Pharma Research and Early Development Informatics), also von Roches Pharma-Forschungsinformatik. Unsere Abteilung betreut alle Schritte von der Erhebung der Daten bis zur Auswertung und unterstützt alle Forschungsgebiete von Roche, von den Neurowissenschaften und der Onkologie bis hin zu unseren Biologie- und Chemielaboren, die die Medikamente herstellen. Eine unserer Unterabteilungen kümmert sich um die korrekte Erhebung und Ausgabe der Daten. Andere Kollegen kümmern sich um den Datenfluss und stellen die richtige Systemlandschaft, Software und Infrastruktur zur Verfügung, um Daten strukturiert zu erheben, zu anonymisieren und ihre Qualität zu garantieren. Sie implementieren Softwares, die bereits auf dem Markt existieren, entwickeln aber auch eigene Lösungen. Meine Abteilung Data Science ist für die Auswertung der Daten zuständig. Wir wollen die Daten verstehen, interpretieren und zum Beispiel einen Biomarker finden, der erklärt, warum manche Patienten auf ein Medikament ansprechen und andere nicht.

Stefanie Kaufmann: Meine Abteilung, die wissenschaftlichen Informationsdienste, sind eine interne Serviceabteilung, die Kunden aus Roche Pharma wie auch aus Roche Diagnostics berät. Unsere Hauptaufgabe ist es, Wissenschaftler bei Roche dabei zu unterstützen, die Informations- und Datenflut im biomedizinischen Bereich zu bewältigen. Jeden Tag werden etwa 2.400 biomedizinische Publikationen veröffentlicht, dazu hunderte Experimente und die entsprechenden Daten. Wir unterstützen die Wissenschaftler dabei, sich mithilfe digitaler Methoden das herauszuziehen, was für sie relevant ist. Der Fokus liegt dabei auf Text- und Data-Mining, aber auch auf Machine Learning und dem automatisierten Auswerten von Publikationen.

Wen sucht Roche, um seine Ziele in punkto datengestützter Medizin zu verwirklichen?

Anna Bauer-Mehren: Generell sucht Roche als Healthcare-Unternehmen Bewerber mit einem Hintergrund in Informatik und Life Sciences zum Beispiel über ein Nebenfach oder einen Studiengang wie Biotechnologie oder Bioinformatik. Das ist deswegen wichtig, weil man bei Roche in allen Projekten mit Medizinern, Biologen oder Chemikern zusammenarbeitet, deren Sprache und Prozesse man verstehen sollte. Immer wichtiger werden zudem Experten für Big Data, Datenanalyse, Machine Learning, Robotics, Automatisierung und Digitalisierung. In Sachen Abschluss stellen wir häufig Leute nach dem Master ein, öfter aber nach dem Ph.D. oder nach dem Postdoc.

Stefanie Kaufmann: Auch bei uns kommt es auf Domänenwissen einerseits und auf Erfahrung mit Data Science andererseits an. Darauf bereiten viele Studiengänge vor, zum Beispiel Bioinformatik, Biostatistik oder Biophysik. Bei uns arbeiten aber auch Informatiker, die sich über ein Nebenfach oder ein duales Studium Domänenwissen aufgebaut haben. Auch Physiker bringen oft eine Affinität zur Biologie mit. In jedem Fall verlangen aber auch wir ein gewisses Maß an biomedizinscher Fachkompetenz, damit unsere Mitarbeiter mit den Kunden auf Augenhöhe diskutieren können. Eine Promotion ist zwar kein Muss, aber vorteilhaft für einen Einstieg in einem forschenden Unternehmen wie Roche.

Um Experten für Data Science, Statistik, Mathematik und IT reißen sich Arbeitgeber auf der ganzen Welt. Warum Penzberg und nicht zum Beispiel das Silicon Valley?

Anna Bauer-Mehren: Trotz vieler Angebote habe ich selbst das Silicon Valley zugunsten von Penzberg verlassen. Ich wollte nah an der Medizin arbeiten und mitkriegen, was unsere Arbeit für Patienten bewirkt und verbessert. Von allen Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen habe ich mich dann für Roche entschieden, unter anderem wegen der globalen Vorreiterrolle in der Onkologie. Auch wichtig war der Standort Penzberg, einer der größten Biotech-Standorte Europas: Er vereint Pharma- und Diagnostics-Forschung sowie Produktion. Interessant sind auch das Umfeld München und speziell die Universitäten, mit denen wir zusammenarbeiten – ein wichtiges Argument für alle, die forschungsnah arbeiten wollen.

Stefanie Kaufmann: Was uns in meinen Augen am stärksten abhebt von den Googles und Facebooks dieser Welt, ist unser Ziel. Wir sind ein Forschungsunternehmen mit dem Ziel, einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und mit innovativen Medikamenten beziehungsweise diagnostischen Verfahren die Lebensqualität vieler Patienten zu verbessern. Die Arbeit im Silicon Valley macht sicher auch Spaß, aber es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn die eigene Arbeit langfristig dazu beiträgt, Leben zu verbessern und zu verlängern. Mein zweiter Grund wäre, dass wir in Penzberg viele Unternehmensbereiche an einem Standort vereinen: Pharma und Diagnostics, Entwicklung und Produktion. Für Data Scientists ergeben sich daraus extrem vielseitige Aufgabenbereiche.

04.07.2018 / © Roche mit e-fellows.net

Tags: Deutschland, Career Blog