Die Farben der Technik

Deutschland

Die neueste Errungenschaft des Teams Prozessautomatisierung, am Roche-Standort Mannheim, steht unscheinbar in der Ecke des Messlabors. Ein Tisch, ein Computer, ein Mikroskop. Von außen verrät nichts, welch hoch entwickelte Technik in dem Gerät steckt. Doch wenn Andreas H. erzählt, merkt man an seiner Begeisterung, dass dieser Messplatz etwas Besonderes ist. Es handelt sich um ein vollautomatisiertes 3D-Messsystem, das hochgenau und an der Grenze des optisch Machbaren arbeitet.

Von all der Hightech unter der Oberfläche sieht der Beobachter zunächst nicht viel. Erst die bunten Bilder, die auf dem angeschlossenen Bildschirm auftauchen, machen deutlich, wie genau das Mikroskop den zu vermessenden Gegenstand abtastet. Während der Messung fahren eingebaute Kameras das Objekt ab und erstellen unzählige Bilder, die im Anschluss überlagert werden. So entstehen dreidimensionale Farbaufnahmen, die wie Höhenlinien auf einer Landkarte aussehen. Vom Prinzip her funktionieren sie auch genauso wie solche Höhenlinien, nur eben in viel kleinerem Maßstab, denn das System misst im Nanometerbereich.

Selbst der Druck auf einem Lineal ist so als deutliche Erhöhung sichtbar. Der Verlauf der Höhenlinien wird genauestens berechnet und in Form eines Graphen angezeigt. So lassen sich Unebenheiten oder Schrägen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, auf einen Blick erkennen. Dabei spielen Material und Beschaffenheit der vermessenen Oberflächen keine Rolle. Das 3D-System ist zur Messung an fast allen Materialien geeignet. Dazu zählen Keramik, Gummi, Silikon oder sogar transparente Objekte. Gleichzeitig kann es Rauheitsmessungen zur Beurteilung der Oberflächenbeschaffenheit durchführen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten bei Roche

Da die gesamte Apparatur gegenüber äußeren Bedingungen unempfindlich ist, ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten vom Labor bis hin zur Produktionsanlage. Der große Vorteil des Systems liegt darin, dass es gleichzeitig schnell, genau und zerstörungsfrei misst. Somit eignet es sich als Instrument zur Qualitätssicherung – überall dort, wo besondere Präzision gefragt ist oder herkömmliche 2D-Messtechnik keine ausreichend aussagekräftigen Ergebnisse liefert. Das kann insbesondere bei der Umstellung oder Neuauflage einer Produktion der Fall sein. So erhielt das Team von Andreas H. bereits einen Prüfauftrag für Teststreifen aus einer neuen Produktionslinie. Diese werden maschinell zugeschnitten und das Loch ausgestanzt. Die 3D-Aufnahme zeigt, ob dabei Fransen oder unsaubere Ränder entstehen und gibt so Aufschluss darüber, wie sauber die Produktion bereits funktioniert.

Eduard S., der das Messsystem entdeckt hat, zeigt sich von den technischen Möglichkeiten beeindruckt. „Viel mehr geht optisch nicht“, sagt er und ergänzt: „Wir haben sofort ein großes Potenzial für den Einsatz bei Roche gesehen“. Deswegen kauften die Ingenieure ein Modell ein und konfektionierten es optimal für die Nutzung bei Roche: Eine Granitplatte als Untergrund sorgt für erschütterungsfreie Messbedingungen, ein Tisch auf Rollen macht den Messplatz mobil und ein PC mit eigens entwickelter Software ermöglicht eine benutzerfreundliche Auswertung der Messdaten. Besonders die Software hat viel Aufwand gekostet: „Sie arbeitet mit einer Datenbank im Hintergrund und kann die Messdaten in der vom Kunden gewünschten Form ausgeben“, erklärt Eduard S..

Andreas H. ist froh und stolz, dass er für Projekte wie das 3D-Messsystem auf einen motivierten Mitarbeiterstab zählen kann. Auch Praktikanten und duale Studenten arbeiten regelmäßig an den Projekten mit. Die Plätze im Team sind begehrt, denn hier gibt es noch echte Ingenieurskunst, gepaart mit elektrotechnischen Feinheiten zu erlernen. „Die Fluktuation bei uns ist extrem gering“, berichtet Andreas H., „Meine Mitarbeitenden wissen zu schätzen, dass sie hier viel Abwechslung haben und jedes Mal etwas ganz Neues schaffen. Einen Prozess zu automatisieren, ist immer wieder eine neue Herausforderung“.

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