Germany interview

Kulturwandel und neue Geschäftsmodelle

Digitalisierung im Vertrieb ist in der Roche Diagnostics Deutschland GmbH eine gemeinsame Reise der Organisation, die bereits einige Zeit andauert. Mit dem “Digital Acceleration Program” gab es 2017 eine erste Initiative, die die Energie verschiedenster Digitalinitiativen freisetzen konnte. Das Digital Acceleration Program hat Impulse für einen Kulturwandel im Vertrieb gegeben und war eine erste Möglichkeit, mit neuen Arbeitsweisen zu experimentieren. Seitdem wurden bei Roche Diagnostics Deutschland zahlreiche Hackathons und Design Sprints durchgeführt, eine Vielzahl von Digital-Initiativen in Marketing, Verkauf und Service angestoßen, oder auch eine Gruppe von „Agile Partnern“ gegründet, die Kolleginnen und Kollegen bei agilen Arbeitsweisen unterstützt. Seit 2019 treibt nun das Digital Business Lab ausgewählte Initiativen in einem strukturierten, agilen Prozess voran. Jan Schreiber, Head of Digital Lab & Communication, stellt die neue Einheit im Interview vor.

Digitalisierung und Agilität stehen weiterhin im Fokus des Vertriebs. Was bedeutet Digitalisierung konkret für unseren Berufsalltag?

Jan Schreiber: Der Begriff Digitalisierung wird aktuell sehr oft und mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen benutzt. Für uns bedeutet Digitalisierung die Übersetzung von Daten in handlungsrelevante Erkenntnisse, um so auch neue Wertschöpfungsmodelle mit und für unsere Kunden zu schaffen. Hier haben wir im Konzern bereits erste Produkte auf den Markt gebracht und auch im Deutschen Vertrieb arbeiten wir an verschiedenen Ansätzen.

Die Vielfalt an Ideen, die wir im Großen und im Kleinen kreieren, macht mich stolz. Nun gilt es, diese Energie aufrechtzuerhalten und uns auf Basis von unserer Digitalstrategie sowie Nutzerfeedback zu fokussieren. An dieser Stelle setzt unser neues Digital Business Lab an.

Was ist genau die Rolle des Digital Business Labs?

Jan Schreiber: In der neuen Einheit sind wir verantwortlich für die Adaption der globalen Digitalstrategie auf den deutschen Markt sowie das schnelle und nutzerzentrierte Vorantreiben von Digitalprojekten. Hier binden wir die Fachexperten aus unserer Organisation eng mit ein. Das hat den Vorteil, dass wir auf ihr umfangreiches Fachwissen zugreifen können und sie im Tausch gleichzeitig agile Arbeitsweisen und die Entwicklung digitaler Produkte lernen. Parallel unterstützen wir andere Teams mit unserem methodischen und Technologiewissen zum Beispiel bei der Entdeckung von Kundenbedürfnissen oder der Bewertung von externen Ideen wie z.B. von Start-ups.

Lernen der Organisation bedeutet auch Kulturwandel. Welcher Aspekt ist dir besonders wichtig?

Jan Schreiber: Mir ist besonders wichtig, deutlich zu machen, dass Kulturwandel nicht die Aufgabe einer bestimmten Abteilung ist, sondern bei einem selbst und der eigenen Einstellung zum Umgang mit Neuem aber auch mit Fehlern ist. Basis sind eine gute Vertrauensbasis und Offenheit auch unbequeme Themen ansprechen zu können. Hier können wir bereits auf einige Jahre Erfahrung zurückblicken. Dennoch ist es nach wie vor nicht immer leicht und es verlangt Mut und ein ehrliches Interesse selber besser zu werden aber auch das Unternehmen immer weiter zu entwickeln.

Fehlerkultur ist ein aktuell sehr strapazierter Begriff. Was bedeutet er für dich?

Jan Schreiber: Ich bevorzuge den Begriff Lernkultur. Wenn wir wirklich neue Themen bearbeiten wollen, können wir auf sehr wenig Wissen und Erfahrung aufbauen. Ziel des Digital Business Labs ist es auch, ähnlich wie in der Forschung, über Hypothesen und Versuche möglichst schnell dieses Wissen aufzubauen. Nur durch Tüfteln und Ausprobieren konnten die vielen Innovationen in unserer Unternehmensgeschichte entstehen. Wenn wir experimentieren, geschieht es zwangsläufig, dass Ideen nicht so gut funktionieren, wie wir das angenommen hatten. Das nicht nur zu akzeptieren, sondern von vornherein aktiv als Möglichkeit zu thematisieren, ist eine Haltung in unserer Organisation, die in den letzten zwei Jahren stark in den Vordergrund gerückt ist. Auch mir als Führungskraft kommt hier eine besondere Vorbildrolle zu, selber über Fehler und Scheitern aber eben vor allem auch das Gelernte zu sprechen.

Eine Frage zum Schluss: Was waren deine ersten Digital-Erfahrungen?

Jan Schreiber: Meine erste Erinnerung an Digitalisierung  ist über 30 Jahre her und trotzdem verbinde ich sie bereits mit der unglaublichen Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die ersten Freunde Mitte der 1980er Jahre einen Commodore 64 Computer zu Hause hatten. Ich habe mein Taschengeld gespart, um mir einen eigenen Computer zu kaufen. Als ich genügend Geld beisammen hatte, war der C64 bereits veraltet und Commodore als Unternehmen existierte einige Zeit später auch nicht mehr. Nach wie vor für mich ein persönlich viel greifbareres Beispiel als die oft zitierten Fälle von Nokia und Kodak, wie ein Unternehmen schnell den Anschluss verlieren kann, wenn es nicht ständig Innovationen hervorbringt.

Das Interview führte Rebecca Hallner.

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