Ingrid Maes, Leiterin Pharma, Life Sciences & Healthcare PricewaterhouseCooper, Antwerpen, Belgien

Die heutigen Gesundheitsausgaben werden wir uns in Zukunft nicht mehr leisten können. Das heisst, dass wir uns viel selektiver darum kümmern müssen, die richtige Therapie zu finden und bei den Patienten die richtige Therapie anzuwenden. Und dies beginnt mit einer exakten Diagnose der Krankheit, auf deren Grundlage die Therapie abgestimmt wird.

Wir haben eine globale Studie durchgeführt, die den Titel «Die Kostenkurve schaffen» trug. Unter diesem übergeordneten Projekt haben wir verschiedene Innovationen weltweit betrachtet und geprüft, welche Kostenauswirkungen diese Innovationen in den Gesundheitssystemen haben.

Die grössten Schwierigkeiten sahen wir jedoch darin, dass Diagnose und Therapie nicht dem gleichen System angehören. In vielen Ländern gibt es getrennte Rückerstattungssysteme. Die Abstimmung der unterschiedlichen Zulassungsprozesse für Diagnostika und Therapeutika ist eine Herausforderung. Wir haben eine Studie durchgeführt, in der wir mehrere Zulassungsbehörden in verschiedenen europäischen, amerikanischen und grösseren asiatischen Ländern befragten.

Wir sehen, dass sich Kostenträger heute mehr und mehr bewusst sind, dass dies das künftige Potenzial, Kosten zu senken, schmälert. Sie realisieren, dass eine Kombination der beiden Zulassungsprozesse es erlaubt, die personalisierte Medizin umzusetzen und auf den Märkten einzuführen.

Wird die personalisierte Medizin den Einsatz von Ressourcen im Gesundheitswesen optimieren?

Ja. Bestehende Ressourcen zu nutzen und in der Lage zu sein, die Gesundheitsprobleme – auch in weiteren Entwicklungsländern – anzupacken, wird in Zukunft die grösste Herausforderung sein. Wir glauben zudem, dass die personalisierte Medizin nicht nur etwas für Industrieländer ist, sondern auch für Entwicklungsländer von Bedeutung sein wird.

Und dies bedingt, dass Pharmaunternehmen mit Diagnostikunternehmen zusammenarbeiten, um gemeinsam kombinierte Lösungen auf den Markt zu bringen.

Sind zielgerichtete Therapien eine Voraussetzung für künftigen Erfolg?

Was wir sehen ist, dass sich grosse Pharmafirmen in Zukunft nicht noch höhere Forschungskosten werden leisten können, um Produkte zu entwickeln, die – kaum auf dem Markt – unter Preisdruck geraten.

Zurzeit beobachten wir, dass viele Firmen auf verschiedenen Wellenlängen kommunizieren und sich gegenseitig nicht wirklich verstehen, was es schwierig macht, an einem kombinierten Geschäftsmodell zu arbeiten. Kooperieren oder sterben, lautet die Devise.

Vor kurzem haben wir in einer Studie die Diagnostik-Branche untersucht und geschaut, wo kürzlich Fusionen und Übernahmen stattgefunden haben und welche Unternehmen Potenzial für die Zukunft haben. Wir haben gesehen, dass man vier Modelle unterscheiden kann. In einem dieser Modelle verfügt eine Firma über ein Diagnostika- und Medikamente-Geschäft unter einem Dach – dies wird ein Unternehmen sein, das bereits einen Schritt voraus ist.

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