Eine neue Ära der Krebsdiagnose

Für Krebskrankheiten interessiere ich mich, seit ich mit 19 Jahren als Labortechniker arbeitete. Heute bin ich Forschungsleiter bei Roche Molecular Diagnostics, wo rund 120 qualifizierte Kollegen tätig sind. Für mich als Wissenschaftler ist dies ein wahrer Traumberuf. Ich stehe nicht mehr selbst im Labor, bin jedoch Teil eines Teams, das in wissenschaftliches Neuland vordringt. Wir setzen unsere Erkenntnisse in innovative Diagnostika um, mit deren Hilfe man Krebs und andere schwere Krankheiten besser nachweisen kann.

Ein gutes Beispiel ist der EGFR Mutation Test. Er erkennt die DNA von nicht­kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Blutplasma.

Der Test läuft auf Analysensystemen die in vielen Krankenhäusern eingesetzt wird. Dies bedeutet schnellere Ergebnisse und bietet Patienten einen besseren Zugang zu gezielt wirkenden Therapien. Selbst in Industrieländern wird oft nicht auf EGFR­Mutationen geprüft, weil kein Gewebe zur Diagnose verfügbar ist. Fällt der Test positiv aus, kann der Patient gezielt behandelt werden.

Die Flüssigbiopsie bietet für die Patienten viele Vorteile. Mit den bisherigen Methoden zur Krebserkennung wird Tumorgewebe mikroskopisch untersucht. Zu diesem Zweck muss man entweder operativ oder durch eine invasive Biopsie Gewebe entnehmen, wozu manche Patienten einfach zu schwach sind.

Für mich als Wissenschaftler ist dies ein wahrer Traumberuf.

Die Flüssigbiopsie hat noch ein viel grösseres diagnostisches Potenzial. Meine Kollegin Lin Wu entwickelte die Hypothese, man könnte damit auch den Behandlungserfolg und die Entwicklung von Arzneimittelresistenzen überwachen.

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«Ich finde es spannend, jeden Tag etwas Neues zu lernen und am Erfolg des Teams teilzuhaben.»

Als klinische Resultate dies bestätigten, war das ganze Team begeistert. Dies ist ein potenzieller Beitrag zur Personalisierung der Krebsbehandlung, wie sie heute schon bei HIV­ oder Hepatitisinfektionen möglich ist. Hier wie auch in vielen anderen Bereichen bin ich stolz auf die herausragende Forschungsarbeit meiner Kollegen.

Vom EGFR Mutation Test ausgehend wollen wir die Technologie nun bezüglich der Diagnose anderer Krebsarten untersuchen.

Darüber hinaus untersuchen wir die Anwendbarkeit der Flüssigbiopsie auf therapierelevante Genfusionen und auf kleinere Gensequenzen wie Mikro­RNAs. Dies eröffnet spannende neue Perspektiven für den Nachweis, die Behandlung und die Überwachung von Krebserkrankungen.

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