Auswirkungen psychischer Erkrankungen verstehen

Lee Dunster wirkte massgeblich bei der Gründung einer Arbeitsgruppe für eine ganzheitlichere Betrachtung der Schizophrenie mit und engagiert sich auch 
für ein globales Netzwerk zur Betreuung von Menschen mit Alzheimer-Erkrankung.

Lee Dunster hält die Inklusion als Teil  der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen für sehr wichtig. Er setzt sich für die Verbesserung ihrer Situation ein.

Ich kenne Krankheiten und ihre Folgen aus vielen unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst arbeitete ich in der mikrobiologischen Forschung, später leitete ich in Kenia ein WHO-Kooperationszentrum für virale hämorrhagische Erkrankungen wie Ebola und Rifttalfieber. Meine Frau und ich halfen, in Ostafrika ein bis heute funktionierendes Netzwerk aufzubauen, das die Diagnose und  frühzeitige Behandlung dieser Krankheiten ermöglicht. Später konnte ich diese Erfahrungen als Berater der WHO in Ägypten zur Bekämpfung der Masern nutzen. Danach wurde ich Leiter des Bereichs Forschung und Information der britischen Gesellschaft für multiple Sklerose. Dort stiess ich eine grundlegende Änderung der Forschungsfinanzierung und ein neues Programm für die nichtmedizinische Intervention zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten an.

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Weltweit lebt eine von vier Personen mit einer psychischen Erkrankung

2010 trat ich bei Roche ein, um weiterhin auf dem Gebiet Global Public Policy zu arbeiten; ein Jahr später konzentrierte ich mich auf Verbesserungen bei der Behandlung von Menschen mit Schizophrenie.

Viele denken bei Schizophrenie an die sichtbaren Symptome wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Selbstverletzungen. Dabei können die versteckten Symptome wie Motivationsmangel, Sprachverarmung oder sozialer Rückzug auf lange Sicht zu noch stärkeren Beeinträchtigungen und zu Ausschluss aus Familie und Gesellschaft führen.

Roche hatte einen Wirkstoff gegen diese versteckten Symptome der Schizophrenie in der Entwicklung. Jedoch war von Anfang an klar, dass eine medizinische Behandlung allein das Leben der Betroffenen wahrscheinlich nicht wesentlich verändern würde. Als Senior International Public Policy Manager brachte ich Experten und Verbände aus der ganzen Welt zusammen, um mehr über die Bedürfnisse von Menschen mit Schizophrenie zu erfahren. Wir realisierten, dass ein echter Nutzen nur entstünde, wenn die Gesellschaft durch das Zusammenwirken vieler Beteiligter eine Unterstützung bieten würde. Ein Meilenstein war der durch eine Spende von Roche ermöglichte Bericht «Schizophrenie: Zeit für einen Paradigmenwechsel». In diesem Bericht gaben führende Psychiater und Patientenverbände Empfehlungen für Änderungen der Richtlinien.

In Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen aus Australien, Brasilien, Europa, Hongkong, Japan, Kanada, Südafrika und den USA entstand die Arbeitsgruppe Soziale Inklusion und Schizophrenie. Viele dieser Organisationen hatten kaum Kontakte untereinander, jedoch verfolgten alle dasselbe Ziel.

44 Mio.

Menschen sind weltweit von Demenz betroffen

Durch die Zusammenarbeit wollten wir herausfinden, wie durch Änderungen der Richtlinien die Bedürfnisse von Menschen mit Schizophrenie besser berücksichtigt werden können.

Wir erkannten, dass die versteckten Symptome der Schizophrenie durch bessere soziale Inklusion und Beseitigung der Stigmatisierung der Patienten angegangen werden können. Das gilt auch für das Management vieler anderer psychischer Erkrankungen. Durch Erfahrungsaustausch können wir Möglichkeiten identifizieren, Menschen mit Schizophrenie besser in die Gesellschaft zu integrieren. Hierzu gehören Bildung und Beschäftigung, die den Betroffenen helfen, ihr Selbstwertgefühl wiederzuerlangen, eigenständig zu leben und sozial zu interagieren.

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Lee Dunster entwickelt gemeinsam mit Patientenorganisationen ein Demenzforum für Alzheimer-Betroffene.

Aufgrund meiner familiären Situation ist soziale Inklusion für mich ein wichtiges Thema. Meine zwölfjährige Tochter ist Autistin, und es ist immer wieder ein Kampf, die Behörden dazu zu bewegen, sie in die Gemeinschaft einzubinden, zum Beispiel durch Aufnahme in eine Regelschule. Meine Frau und ich möchten, dass sie dieselben Chancen wie jeder andere erhält, ihre Talente zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen.

Wenn wir psychischen Erkrankungen das Stigma nehmen, eröffnen wir den Patienten Chancen für eine Inklusion in die Gesellschaft.

Grosse Hoffnungen richteten sich auf einen neuen Wirkstoff von Roche zur Behandlung der Schizophrenie. Leider zeigten Studien in den späteren Phasen keine ausreichende Wirksamkeit, weshalb sie 2014 eingestellt wurden. Dennoch wurden wertvolle Daten gewonnen, die den Experten Erkenntnisse für die Entwicklung künftiger Behandlungen sowie den Entwurf klinischer Studien lieferten. Obwohl das klinische Programm beendet wurde, unterstützt Roche die soziale Inklusion der Patienten und die Aktivitäten der internationalen Arbeitsgruppe weiterhin. Richtlinien lassen sich nicht über Nacht ändern, und wir stehen erst am Anfang.

Beim Ausbau der Präsenz auf dem Gebiet der Neurologie kann sich Roche auf die Erfahrungen der internationalen Arbeitsgruppe stützen. Vor kurzem habe ich begonnen, mit Patientenorganisationen ein Demenzforum für Alzheimer-Kranke zu entwickeln. Die hierdurch gewonnenen Erkenntnisse haben einen Einfluss darauf, wie wir Forschung und Entwicklung betreiben; auch wirken sie sich auf die strategische Zielsetzung des gesamten Portfolios – multiple Sklerose, Alzheimer-Krankheit, Autismus und Down-Syndrom – unseres Unternehmens aus.

Eine wirksame Behandlung erfordert eine umfassende Betrachtung der Person und aller Faktoren, die ihre Lebensqualität beeinflussen.

Bei all diesen Erkrankungen spielt die gesellschaftliche Inklusion eine entscheidende Rolle. Eine wirksame Behandlung erfordert eine umfassende Betrachtung der gesamten Persönlichkeit und aller Faktoren, die ihre Lebensqualität beeinflussen. Medizinische Behandlung ist wichtig, sie ist aber nur ein Teil der Lösung.

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Tags: Neuroscience, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Nachhaltigkeit