Bessere Gesundheitsversorgung als Mission

Charles Fordjour kennt die medizinische Realität auf dem afrikanischen Kontinent und zeigt, was ein Einzelner erreichen kann.

Ich wuchs in einem Dorf im Süden Ghanas auf. Mein Vater war Beamter und meine Mutter Lehrerin, sie verfügten über ein Einkommen, das gerade ausreichte, um mich und meine sieben Geschwister zu ernähren.

Wenn die anderen Jungen draussen Fussball spielten, lag ich häufig im Bett, litt unter hohem Fieber, Schweissausbrüchen sowie Übelkeit und wurde Schwächling genannt.

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In Afrika südlich der Sahara sind viermal mehr Menschen mit Hepatitis infiziert als mit HIV

Viel später erfuhr ich, dass möglicherweise Malaria die Ursache gewesen war; in Afrika sterben wöchentlich mehr als 5 000 Kinder an dieser Infektion.

Im Bett hatte ich viel Zeit zum Lesen und wurde dadurch ein guter Schüler, bald sogar Klassenbester. Als ich die weiterführende Schule besuchte, ging ich zu einem Apotheker. Er verordnete mir ein Malariamittel von Roche, und bald ging es mir besser. Daraufhin beschloss ich, Apotheker zu werden.

Ich studierte an der Universität und verdiente mir das Geld dafür mit dem Transport von Rohstoffen und der Herstellung von Medikamentenmixturen, welche die Dozenten in ihren Apotheken verkauften. Ich beendete mein Studium als einer der Besten und wurde 1998 Vertriebsmitarbeiter von Roche in Ghana. Mein Bezirk führte mich zu Krankenhäusern, die mehr als acht Stunden voneinander entfernt lagen, über schlechte, staubige Strassen, die sich in der Regenzeit in Schlammpisten verwandelten.

Eines Tages sah ich in einem Krankenhaus ein kleines Mädchen, das wegen einer bakteriellen Infektion im Koma lag. Der Arzt sagte mir, er würde es gern mit einem Antibiotikum von Roche behandeln, aber das sei zu teuer. Ich bat ihn, dem Mädchen mindestens die ersten 48 bis 72 Stunden dieses Medikament zu verabreichen und gab ihm alle kostenlosen Rocephin-Muster, die ich hatte.

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Etwa 53 000 Frauen sterben infolge von Gebärmutterhalskrebs in Afrika jährlich

Drei Tage später war ich wieder in diesem Krankenhaus. Ein Mädchen lief lachend durch die Korridore, und der Arzt fragte mich, ob ich es erkennen würde. Als er mir sagte, es sei das Mädchen, das im Koma gelegen hatte, kamen mir fast die Tränen.

Dieser Arzt hatte dann eine sehr wichtige Rolle inne bei der Ausarbeitung einer Richtlinie für das erwähnte Lehrkrankenhaus in Ghana, nach der schwere Infektionen in den ersten 48 bis 72 Stunden mit dem Antibiotikum von Roche zu behandeln sind. Diese Richtlinie hat vielen Menschen das Leben gerettet.

Ich habe mich bis zum Leiter des Aussendienstes hochgearbeitet, und im Jahr 2008 wurde mir die Position des Ländermanagers für Nigeria angeboten, dem mit über 170 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Land Afrikas.

In Nigeria richteten die Gesundheitsbehörden ihr Hauptaugenmerk auf die übertragbaren Krankheiten Malaria, Tuberkulose und HIV. Die Belastung durch Hepatitis und Krebsleiden bei Frauen war ihnen nicht bewusst.

In Nigeria hat sich der Zugang von Patienten zur Hepatitis-Therapie entscheidend verbessert.

Gemeinsam mit globalen Organisationen von Roche haben wir uns für die Bereitstellung von Ressourcen eingesetzt, um zuverlässige Daten zu erheben, zunächst einmal zu Hepatitis. Die Ergebnisse zeigten eine Erkrankungsrate in der Bevölkerung von 12% – deutlich höher als die von der WHO damals geschätzten 8% und das Dreifache von HIV.

Die Gesundheitsbehörden waren schockiert und handelten. Heute verfügt Nigeria über eine nationale Richtlinie zur Diagnose und Behandlung von Hepatitis B und C. Roche Diagnostics stellt gegen eine geringe Gebühr moderne Screening-Instrumente bereit; Roche Pharma offeriert das Hepatitismedikament zu einem stark reduzierten Preis.

Dadurch hat sich der Zugang nigerianischer Patienten zur Diagnose und Therapie von Hepatitis entscheidend verbessert. Leben werden gerettet, aber es bleibt noch viel zu tun. Derzeit arbeiten wir daran, denselben Ansatz für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs einzuführen.

Mir liegt viel daran, die Versorgung in Afrika voranzubringen, mit guter Diagnostik, erschwinglichen Arzneimitteln und umfassender Versicherung.

Ich bin überzeugt, dass unsere Erfahrungen in Nigeria allen Ländern südlich der Sahara nützen können. Dies ist eine Region mit einer stark wachsenden städtischen Bevölkerung und man geht davon aus, dass hier im Jahr 2040 zwei Milliarden Menschen leben werden.

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Charles Fordjour möchte eine deutliche Verbesserung des Zugangs zu diagnostischen Tests und Medikamenten für Patienten in Afrika

Charles Fordjour möchte eine deutliche Verbesserung des Zugangs zu diagnostischen Tests und Medikamenten für Patienten in Afrika erreichen. Um einen Durchbruch beim Zugang von Patienten in Afrika zu besserer Gesundheitsversorgung zu erreichen, müssen wir langfristig investieren und mit den Gesundheitsbehörden vor Ort zusammenarbeiten, um die Gesundheitspolitik mitzugestalten. Das kann Roche nicht allein. Wir müssen Partnerschaften mit internationalen Stiftungen, privaten Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen wie der UNO und der WHO eingehen.

Ich glaube, dass wir Hepatitis ausrotten und Krebsbehandlungen wesentlich verbessern können. Und ich wünsche mir, dass Roche bei der Suche nach Lösungen als führendes Unternehmen wahrgenommen wird.

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Tags: Infektionskrankheiten, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Afrika