Begriff=Definition
Von Übergewicht betroffene Personen verfügen über einen erhöhten Körperfettanteil. Übergewicht im weiteren Sinne bezeichnet ein Körpergewicht, das über dem Normalgewicht liegt. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird je nach Ausmass unterschieden zwischen Übergewicht, starkem Übergewicht (Adipositas) und extremem Übergewicht (morbide Adipositas). Übergewicht im weiteren Sinne ist die häufigste Form der Fehlernährung in den westlichen Industrieländern und gilt als Risikofaktor für zahlreiche Folgeerkrankungen wie z. B. [429; Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck ([395; Hypertonie), erhöhte Blutcholesterolwerte ([394; Hypercholesterolämie), [393; Hyperlipidämie, [396; metabolisches Syndrom, Gefässerkrankungen (vor allem [397; Arteriosklerose), Gelenkerkrankungen ([271; Arthrose) und [373; Schlafapnoesyndrom. Übergewicht wirkt sich zudem ungünstig auf bereits bestehende Erkrankungen aus. Studien haben gezeigt, dass krankhaftes Übergewicht das Sterblichkeitsrisiko erhöht.
Ursachen
Oft kann Übergewicht auf mehrere gleichzeitig wirksame Faktoren zurückzuführen sein. Störungen der Sättigungsregulation, familiäre Traditionen der Ernährungsgewohnheiten, soziales Umfeld und Psyche sowie in besonderem Mass die Lebensweise mit vorwiegend sitzender Tätigkeit, der Wahl ungesunder, energiereicher Lebensmittel und ein geringes Mass an körperlicher Aktivität begünstigen die Entstehung von Übergewicht. Einfluss auf die Entwicklung von Übergewicht haben auch Stoffwechsel- sowie genetische Faktoren, oft im Zusammenspiel mit der Lebensweise. Bei 20 % der Menschen mit krankhaftem Übergewicht ist der Energieumsatz z. B. infolge Unterfunktion der Schilddrüse, Hirnerkrankungen oder nach Einnahme bestimmter Medikamente herabgesetzt.
Symptome
Übergewicht ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Körperfettanteil. Dieser macht bei Normalgewicht bei Frauen ca. 20-25 %, bei Männern ca. 15-18 % des Körpergewichts aus.
Diagnose
Mit Hilfe der Formel des [277; Body-mass-Index (Abkürzung BMI) kann ein Wert errechnet werden, anhand dessen erkennbar ist ob und in welchem Ausmass Übergewicht besteht. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht (kg) dividiert durch das Quadrat der Körperlänge (m2). Die WHO-Klassifizierung des BMI besagt, dass eine Person mit einem BMI von 25,0 bis 29,9 kg/m2 Übergewicht hat (Klasse 1), mit einem BMI von 30,0 bis 39,9 kg/m2 unter Adipositas oder starkem Übergewicht leidet (Klasse 2) und dass mit einem BMI von mehr als 40,0 kg/m2 so genannte morbide Adipositas oder extremes Übergewicht vorliegt (Klasse 3). Das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang ([387; Waist-hip-Ratio, Abkürzung WHR) bietet ein weiteres Mass und gibt die Fettgewebeverteilung an. Bei Männern sollte die WHR kleiner als 1, bei Frauen kleiner als 0,8 sein. Höhere Werte sprechen für eine Behandlungsbedürftigkeit des Übergewichts, da ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen und [431; Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht.
Therapie
Krankhaftes Übergewicht sollte immer behandelt werden (mit wenigen Ausnahmen wie z. B. hohes Alter), da es ein Risiko für Folgeerkrankungen darstellt. Dringlich ist eine Therapie, wenn Übergewicht bereits mit Stoffwechselerkrankungen wie [106; Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder anderen Krankheiten, die durch Übergewicht ungünstig beeinflusst werden, assoziiert ist (z. B. Hypertonie, orthopädische Erkrankungen, [428; koronare Herzkrankheit). Wesentlich für den Therapieerfolg ist die Motivation und die Fähigkeit zum Selbsmanagement der übergewichtigen Person.
Medikamentöse Therapie
[270; Appetitzügler sollten nur nach besonderer ärztlicher Begründung eingenommen werden, da die Gefahr der Abhängigkeit besteht. Voraussetzung für die Einnahme ist die Kombination mit kalorienreduzierter Diät, Verhaltenstherapie und körperlichem Training, ein BMI von mehr als 30 kg/m2 und der Nachweis von Erkrankungen, die durch das Übergewicht ungünstig beeinflusst werden. [432; Lipasehemmer sorgen für eine verminderte Aufnahme von Fetten aus der Nahrung.
Operative Therapie
Operationen werden nur bei Personen durchgeführt mit deutlich krankhaftem Übergewicht, d. h. einem BMI von mehr als 40 kg/m2 oder einem BMI von mehr als 35 kg/m2 mit gleichzeitigem Vorliegen von Erkrankungen, die durch das Übergewicht ungünstig beeinflusst werden. Voraussetzungen sind ein mindestens fünfjähriges Bestehen des krankhaften Übergewichts und keine auf hormonelle Störungen zurückzuführenden Ursachen. Vor einer Operation sollten mehrere Kuren zur Gewichtsabnahme durchgeführt worden sein.
Operationen sollten nicht durchgeführt werden bei Personen mit psychischer Grunderkrankung, Alkoholkrankheit oder wenn ein hohes Operationsrisiko besteht.
Bei der Operation wird eine so genannte [344; Magenplastik eingesetzt. Durch ein auf diese Weise verrringertes Magenvolumen tritt ein rasches Sättigungs- oder Völlegefühl ein. Auch nach der Operation ist eine strenge Diät erforderlich, um Erbrechen nach grösserer Nahrungszufuhr zu vermeiden und eine effektive Gewichtsabnahme zu realisieren. Die zu erwartende Gewichtsabnahme liegt bei 30-70 kg.
Zum Scheitern des Therapieziels kann es durch Zufuhr von reichlich hochkalorischen Getränken oder breiigen Speisen bzw. Alkohol kommen. Nach grösserer Gewichtsabnahme sind oft Nachoperationen notwendig (z. B. der Bauchdecke bei grösserer Fettschürze). Alle anderen operativen Verfahren (Bypass in Bereichen des Darms, [342; Absaugung von [286; Depotfett) sind veraltet und nicht mehr gebräuchlich.
Psychotherapie
Verhaltenstherapeutische Massnahmen sollten Bestandteil jeder Behandlung von starkem Übergewicht sein. Gruppengespräche bzw. psychologische Mitbetreuung unterstützen die Gewichtsabnahme und verbessern vor allem den Langzeiterfolg.
Sonstige Massnahmen
1. Diätetische Therapie: Eine Diätberatung sollte möglichst durch speziell ausgebildete Diätassistenten durchgeführt werden. Die Entscheidung, ob eine kalorienreduzierte Mischkost oder Diäten mit sehr geringer Kalorienzufuhr zur Anwendung kommen, erfolgt entsprechend den Begleiterkrankungen, der Dringlichkeit der Gewichtsabnahme, der Schwere des Übergewichtes und der Bereitschaft der übergewichtigen Person. Eine Diät sollte mit körperlichem Ausdauertraining verbunden sein, wenn keine Gegenanzeigen bestehen. a) kalorienreduzierte Mischkost: Energiemenge entsprechend der Ausprägung des Übergewichts und der Tätigkeit der Person. Zu reduzieren sind fettreiche und zuckerhaltige Nahrungsmittel sowie Alkohol. Zu bevorzugen sind Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Mineralwasser und Tee. b) Kost mit einem sehr geringen Kaloriengehalt: vor Therapiebeginn sollte eine ärztliche Untersuchung stattfinden und während der Therapie ist einmal wöchentlich eine ärztliche Kontrolle erforderlich. Die tägliche Trinkmenge sollte mindestens bei 2 l kalorienfreier Flüssigkeit liegen, Vitamin- und evtl. Kaliumzufuhr ist erforderlich. Die zu erwartende Gewichtsabnahme in vier Wochen beträgt ca. 10 kg bei Frauen, 12 kg bei Männern. Diese Form der Diät sollte nicht angewendet werden bei z. B. Typ 2 Diabetes mit fortgeschrittenen Spätkomplikationen, Herzfehler, Herzinsuffizienz, schwerem Bluthochdruck, fortgeschrittener Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Alter unter 18 Jahre, psychische Erkrankungen. Veraltete Massnahmen sind Nulldiäten und alle einseitigen, nicht wissenschaftlich fundierten Fastenkuren.
2. Physisches (körperliches) Training: nur Ausdauersportarten haben positive Wirkungen auf den Stoffwechsel, z. B. Schwimmen, Radfahren, Rudern, Wandern, leichtes Jogging, Skilanglauf. Vorsicht ist geboten wegen der Gefahr von Überbelastung der Gelenke und Sehnen. Bei älteren Menschen sind tägliche Spaziergänge empfehlenswert. Vor Beginn eines Trainings sind Gegenanzeigen (insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen) auszuschliessen.
Prävention
Regelmässige Kontrolle des Körpergewichts, ausgewogene Ernährung, mehrmals wöchentlich Sport treiben bzw. reichlich bewegen. Bei Neigung zu Übergewicht ggf. Verringerung der Kalorienzufuhr.