Roche unterstützt den Arbeitskreis „Sehen und Leben"
Vitamin A von aussen gegen Hautalterung, von innen gegen
Wachstumsstörungen
Zu den Folgen eines Vitamin A Mangels gehören Wachstumshemmung,
gestörte Zelldifferenzierung, erhöhte Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten
sowie krankhafte Veränderungen des Auges. Zur Prävention und
Bekämpfung ernährungsbedingter Blindheit und anderer Mangelerkrankungen
bietet der Arbeitskreis „Sehen und Leben" von Roche seit 1986
wissenschaftlich-technische Unterstützung, finanzielle Beiträge
und kostenlose Abgabe von Vitamin A-Kapseln in bedürftigen
Drittweltländern. Das Vitamin kommt aber nicht nur in Multivitaminpräparaten
von Roche, sondern als Palmitat und Acetat auch in verschiedenen
kosmetischen Produkten für Haar und Haut zum Einsatz. Es unterstützt
nämlich die Bildung und Differenzierung neuer Keratinocyten
in der Basalschicht der Haut.
1. Rohe Fischleber als Arznei der Seefahrer
Vitamin A wird im menschlichen und tierischen Organismus
aus den in der pflanzlichen Nahrung enthaltenen Vorstufen
des Vitamins gebildet. Diese als Provitamine A bezeichneten
Carotinoide sind aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen
zusammengesetzt und können von photosynthetisierenden höheren
Pflanzen und Algen, aber auch Mikroorganismen aufgebaut werden.
Unter den zahlreichen Carotinoiden sind alpha-, beta- und
gamma-Carotin die wichtigsten Provitamine A. Enthalten
sie auch Sauerstoff, werden sie Xanthophylle genannt.
Sie schützen und unterstützen das für den pflanzlichen Energiestoffwechsel
notwendige grüne Chlorophyll. Nach dem Verzehr werden die
aus der Nahrung enthaltenen Provitamine enzymatisch vor allem
in den Zellen der Darmschleimhaut in die fettlösliche, Retinol
genannte, alkoholische Form des Vitamin A überführt. Auf diese
Weise kann beispielsweise ein Molekül beta-Carotin in zwei
Moleküle Vitamin A gespalten werden. Aprikosen, Nektarinen,
Karotten oder Paprika sind Beispiele für karotinreiches Obst
und Gemüse. Carotine enthalten in ihrer C-Atomkette Doppelbindungen
und weisen deshalb eine gelbe bis gelbrötliche Färbung auf.
Die meisten Vitamin A-Formen dagegen sind farblos.
Natürliche Quellen an bereits vorgebildetem Vitamin A für
die menschliche Nahrung sind tierische Produkte, wobei Leber,
Butter und Eigelb über einen besonders hohen Gehalt davon
verfügen. Auch Milch und Käse gehören zu den Vitamin A-Lieferanten.
Vor allem die Seefische, Heilbutt oder Makrele, aber auch
der Hai weisen sehr viel Vitamin A auf. Fischfressende Säugetiere
wie beispielsweise der Eisbär enthalten aus diesem Grund in
ihrer Leber solch hohe Vitamin A-Gehalte, dass Polarforscher
oder Eskimos deren Verzehr vielfach mit schwerwiegenden Nebenwirkungen
büssen mussten.
Andererseits wurde schon vor Jahrhunderten die bei Seefahrern
gefürchtete und auf längeren Schiffsreisen aufgrund einseitiger
Ernährung immer wieder auftretende Nachtblindheit erfolgreich
durch den Verzehr roher Fischleber behandelt. Selbst den ägyptischen
und griechischen Ärzten der Antike waren die typischen Symptome
eines Vitamin A-Mangels wie Nachtblindheit und Veränderungen
der Augenhornhaut bereits bekannt. Sie versorgten ihre Patienten
ebenfalls mit roher Tierleber. Dorschleberöl fand wegen seiner
wundheilenden Wirkung in Salben Anwendung, die zur Behandlung
von Verletzungen und Hautreizungen wie etwa der Windeldermatitis
von Kleinkindern dienten. Vitamin A und seine Derivate sind
ausserdem Bestandteile hochwirksamer Medikamente gegen Akne
und andere schwere, teilweise entstellende Hautkrankheiten.
2. Der Mangel hat fatale Folgen
Das Vitamin A fördert die Sekretion von Wachstumshormonen
und unterstützt die Funktion der Netzhaut (Retina).
In diesem Zusammenhang wird es auch als Wachstumsvitamin oder
Retinol bezeichnet. Bei einer mangelhaften Versorgung wird
das Wachstum gehemmt, und die Geschlechtsreife tritt verspätet
ein. Vitamin A und Vitamin A-Säure werden für die Spermienbildung,
die Produktion des männlichen Hormons Testosteron, die Ausreifung
der Gelbkörper und Gewebszellen des Eileiters, Gebärmutterhalses
und der Gebärmutter sowie für die Entwicklung der Embryonen
benötigt.
Es wird vermutet, dass Vitamin A generell eine Reihe von Körperstrukturen
auf zellulärer Basis beeinflusst wie die Membranen von
Zellen und Organellen. Ausserdem wirkt es auf Enzyme des Zellstoffwechsels
und die Biosynthese von Steroidhormonen und Glykoproteinen.
Bei einem Defizit werden die Membranen daher vermutlich so
labil, dass es zur vermehrten Abgabe von strukturauflösenden
Enzymen kommt. Dies trägt voraussichtlich zur Degeneration
und Verkümmerung der Keimdrüsen und der auskleidenden Gewebe
des Genitaltraktes bei. Als Folgeerscheinung wird die Widerstandskraft
des gesamten Organismus herabgesetzt, was sich vor allem in
einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Entzündungen und Infektionskrankheiten
zeigt. Bei Tieren wurde ein häufigeres Auftreten von Entzündungen
der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) oder der Milchdrüsen
(Mastitis) festgestellt.
Der durch den Vitamin A-Mangel bedingte Verlust des Gewebsschutzes
äussert sich bei Aussenhaut und Haaren als Trockenheit
(Xerodermie) und vermehrter Verhornung, Schuppen- und Faltenbildung
(Hyperkeratose). Die Haare werden verlieren ihren Glanz und
fallen vermehrt aus. Die Schleimhäute reagieren mit einer
gesteigerten Verkrustung (Keratinisierung), verminderten Aktivität
der Schweiss- und Talgdrüsen sowie mit verringerter Schleimproduktion
durch gestörte Drüsensekretion, die bis zur Einbusse des Riechvermögens
führen kann.
3. Eine Normalisierung der Hornschicht ist möglich
Nur die beiden unteren Lagen der als Epidermis bezeichneten
Oberhaut, die Basalzellen- und die Stachelzellenschicht, bestehen
aus aktiven Hautzellen, die das mehrschichtig verhornte
Plattenepithel der Körperoberfläche bilden. Die Keratinozyten
der Keimzellschicht teilen sich etwa alle 24 Stunden und gelangen
innerhalb von ungefähr 30 Tagen als verhornte Zellreste an
die Oberfläche der Epidermis. Unter gleichbleibenden Stoffwechselbedingungen
halten sich die Neubildung der Zellen und die Abstossung der
Hornschuppen die Waage, so dass die Dicke der Oberhaut unverändert
bleibt. Vitamin A und seine Derivate sorgen für einen normalen
Ablauf der Verhornung. Sie steuern zusammen mit anderen
Faktoren sowohl die Differenzierung als auch die Syntheseleistungen
der zur Hautoberfläche vorrückenden Keratinozyten. Im Alter
dauert der Weg dieser Zellen aus der Keimzellschicht bis in
die Oberfläche der Haut etwa 45 Tage, wobei sich in entsprechendem
Masse auch die Verweildauer der Zellen auf der Oberfläche
erhöht. Es tritt allmählich eine Verdünnung des Epidermisgewebes
auf. Die alternde Haut verliert dadurch einen Teil ihrer Barrierefunktion
und wird oft trocken und rauh. Mikroorganismen und Allergene
haben leichteren Zutritt ins Innere des Organismus.
Mit Vitamin A kann die Zellteilungsrate der Basalzellen gesteigert
werden. Als Folge davon werden das lebende Epidermisgewebe
verdickt und veränderte Hornschichtstrukturen wieder normalisiert.
Damit ist eine Verbesserung der Barrierefunktion trockener
Haut verbunden, was deren Feuchtigkeitsverlust verringert.
Ob dies durch eine Verbesserung des Spannungszustandes der
Haut (Turgor) erreicht wird oder eher durch eine vermehrte
Produktion von Kollagen im Bindegewebe, ist unbekannt. Eine
Stimulation der Kollagenbildung dürfte aber dazu beitragen,
die Faltenbildung bei der alternden Haut etwas abzumildern.
Vitamin A wirkt sich auch positiv auf die Haare aus, indem
es die anomale Verhornung der Ausführungsgänge der Haarfollikel
verhindert. Da der kosmetische Einsatz des Vitamin A-Alkohols
(Retinols) wegen dessen Instabilität problematisch ist, wird
Vitamin A üblicherweise in der Form seiner stabilen Ester-form
Vitamin-A-Palmitat und Vitamin A-Acetat eingesetzt.
4. Bei schwachem Licht werden die „Stäbchen" aktiv
Die Retina des Auges enthält Stäbchen und Zapfen
als Rezeptoren für das Licht. Die lichtempfindlichen Sehfarbstoffe
sind in Membranscheibchen der Stäbchen- und Zapfen-Aussenglieder
eingelagert. Die Zapfen dienen dem farbigen Sehen von Einzelheiten
bei heller Beleuchtung. Das schwarz-weisse Sehen bei schwacher
Beleuchtung wird durch die Stäbchen ermöglicht, wobei dieses
Dämmerungssehen mit einem gewissen Sehschärfeverlust verbunden
ist.
Die Sehfarbstoffe fungieren bei der Umwandlung des Lichtreizes
in eine elektrische Erregung der Rezeptoren als Vermittler.
In den Stäbchen befindet sich das Rhodopsin, welches
aus dem Proteinanteil Opsin und dem Chromophor 11-cis-Retinal
besteht. Retinal ist das Aldehyd des Retinols. Der Lichtreiz
auf die dunkeladaptierte Retina führt am C11-Atom zu einer
Umlagerung von der cis- zur all-trans-Form. Daraus entsteht
unter Änderung der Proteinfaltung über Lumirhodopsin (Opsin
+ all-trans-Retinal) das Metarhodopsin II, welches über eine
Verstärkerkaskade aus Enzymen die nervale Erregung bewirkt.
Daraufhin zerfällt es wieder in Opsin und das all-trans-Retinal.
Letzteres wird teils im Pigmentepithel gespeichert, teils
in der Dunkelphase wieder zu 11-cis-Retinal umgelagert. Für
diese Regeneration des Rhodopsin ist Energie notwendig.
Der rote Sehfarbstoff wird bei den Reaktionen entfärbt. Voraussetzung
für die Bleichung ist, dass Licht von den Sehfarbstoffen
absorbiert wird. Da dies beim Rhodopsin über den ganzen Wellenlängenbereich
des sichtbaren Spektrums der Fall ist, können mit den Stäbchen
nur Licht und Dunkel, nicht aber die verschiedenen Farben
unterschieden werden. Die 3 aus 11-cis-Retinalen mit verschiedenen
Opsinanteilen bestehenden und Jodopsine genannten Sehfarbstoffe
der 3 Zapfentypen hingegen absorbieren jeweils nur Licht eines
engen Wellenlängenbereiches, was eine Bedingung für das Farbensehen
darstellt.
Das Absorptionsmaximum des lichtsensitiven purpurfarbenen
Pigmentes Rhodopsins liegt bei 500 nm, weshalb nachts grünblaues
Licht vergleichsweise am hellsten, rot am dunkelsten erscheint.
Bei den farbempfindlichen Zapfen können drei Typen unterschieden
werden: solche, die blauviolettes, solche, die grünes und
solche, die gelbes Licht stark sowie rotes Licht noch ausreichend,
aufnehmen. Mit diesen drei Zapfentypen, die jeweils eine der
drei Grundfarben absorbieren und dadurch erregt werden, ist
die Netzhaut in der Lage, die verschiedenen Farben zu erkennen.
Chronischer Mangel an Vitamin A oder seinen Vorstufen führt
wegen der unzureichenden Rhodopsinbildung zu einem verminderten
Dämmerungssehen mit beeinträchtigter Hell-Dunkel-Adaption
und eventuell zu Nachtblindheit (Hemeralopie) mit gesteigerter
Blendempfindlichkeit der Augen als Frühsymptom. Ausgeprägtere
länger bestehende Mangelzustände verursachen häufig sogar
schwerwiegende Veränderungen am Auge wie die „Augendarre"
(Xerophthalmie) mit Verdickung, Austrocknung, Verhornung der
Horn- und Bindehaut oder Hornhauterweichungen (Keratomalazie)
mit Einschmelzvorgängen am Auge, Trübung oder geschwürigem
Zerfall der Hornhaut, Lidverklebungen, Sekundärinfektionen.
5. Task Force „Leben und Sehen"
In vielen Entwicklungsländern treten derartige Mangelzustände
grossflächig auf. Als Ursache kommt eine einseitige Ernährungsweise
aus kultischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen in
Frage, die eine chronische Unterversorgung vor allem mit an
Vitamin A reichen Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs zur
Folge hat. Seit seiner Gründung im Jahr 1986 hat daher der
von der F. Hoffmann-La Roche Ltd gegründete und finanzierte,
humanitäre Arbeitskreis „Sehen und Leben" über 800
Projekte in über 70 Ländern unterstützt. Während dieser Zeit
wurden 29 Millionen Vitamin A-Kapseln verteilt, hauptsächlich
an Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren. Ausserdem werden
technische Unterstützung gewährt und Aufklärungskampagnen
durchgeführt.
Querschnitt durch den rechten menschlichen Augapfel

Längsschnitt durch die Haut

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