Vitamin E für die Qualitätsverbesserung von Fleischprodukten
Mit Vitamin E gegen Ranzigkeit und ihre Folgen im Fleisch
Der Erfolg der tierischen Veredelungsproduktion geht
neben Züchtung und Haltung auch auf die gezielte Verwendung
von Vitaminen in der Fütterung zurück. Mangelerscheinungen
sind heute selten geworden, würden sich bei Fehlen von Vitamin
E im Tierfutter aber durch Wachstums- und Fertilitätsstörungen
bemerkbar machen und insbesondere Nerven, Muskulatur, Kreislauf,
Blut und Leber betreffen. Vitamin E hat eine biologische Schutzfunktion
als Antioxidans im Zellstoffwechsel und verbessert den Immunstatus
der Tiere durch Stimulierung der Antikörperbildung. Ausserdem
übt es einen positiven Einfluss auf die Qualität von Muskelfleisch
aus.
1. Vitaminzusätze im Tierfutter dürfen nicht fehlen
Fortschritte in der Medizin und Nahrungsmittelproduktion
sorgten in den letzten 200 Jahren für einen Anstieg der Bevölkerungszahl.
Während die Menschheit in der Eiszeit rein rechnerisch noch
etwa 3000 Jahre brauchte, um sich zu verdoppeln, sind es heute
weniger als 30. Bei einem Wachstum der Erdbevölkerung um täglich
mehr als 200.000 Menschen muss die Landwirtschaft weltweit
und vor allem in den Entwicklungsländern weiter intensiviert
werden, um eine ausreichende Ernährungsbasis auch im Bereich
der Nutztiere zu gewährleisten.
Das ist jedoch nur möglich, wenn Nutztiere täglich ein auf
ihr Alter und ihre Bedürfnisse abgestimmtes Futter mit ausreichenden
Mengen an Vitaminen erhalten. Fehlen eines oder mehrere
Vitamine oder stehen nicht in ausreichender Menge zur Verfügung,
so führt dies zu Stoffwechselstörungen, die sich in der Verringerung
der Produktionsleistung, Wachstumshemmung, Fortpflanzungsstörungen
oder Krankheiten äussern. Um eine optimale Vitaminzusammensetzung
im Tierfutter herauszufinden, werden Fütterungsstudien an
den Nutztieren durchgeführt und ihr Stoffwechsel näher untersucht.
Beobachtet werden Faktoren wie Blutwerte, Gewebebeschaffenheit,
Körpergewicht, Ausscheidung und Fortpflanzungsraten sowie
der Einfluss auf die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.
Die in der Tierernährung verwendeten Vitamine werden heute
aus Gründen der Haltbarkeit und Kosten meist industriell mittels
chemischer und mikrobiologischer Verfahren hergestellt. Dabei
werden sie zum Teil durch spezielle Verfahren geschützt, damit
auch nach längerer Lagerungszeit die gewünschte Wirksamkeit
im Futter noch vorhanden ist. Beispielsweise wird für die
Einmischung von Vitamin E (Tocopherol) ins Tierfutter
das stabilere alpha-Tocopheryl-Acetat verwendet, von welchem
das Acetat enzymatisch im Darm abgespalten wird. Das freigesetzte
alpha-Tocopherol kann dann während des Verdauungsvorganges
des Tieres Fettsäuren vor unkontrollierter Oxidation schützen.
Zur Verhinderung von Mangelerscheinungen werden für Hühner
und Schweine Vitamin E-Beimengungen von 40 bis 60 mg/kg Futter
empfohlen sowie für Rinder etwa 500 mg/Tier und Tag. Um zusätzliche
positive Effekte für die Immunität und Fleischqualität zu
erzielen, werden Dosierungen von 150 bis 250 mg/kg Futter
(Huhn, Schwein) und entsprechend 1000 – 2000 mg/Tier/Tag bei
Rindern vorgeschlagen.
2. Ohne das "Fruchtbarkeitsvitamin" kein Nachwuchs
Obwohl Mangelerscheinungen bei Tieren im Gegensatz zu früher
heute selten geworden sind, so können diese doch als Folge
von Stress, Krankheit oder anderen Umwelteinflüssen auftreten.
Die Symptome weisen kein einheitliches Bild auf und variieren
je nach Tierart, Nahrungszusammensetzung und Haltungsbedingungen.
Meistens handelt es sich um Krankheitsbilder mit chronischem
Charakter, die nur selten mit einem letalen Ausgang verbunden
sind. Sie wirken sich vor allem durch Wachstumsstörungen und
Vitalitätsverlust aus und betreffen zahlreiche Organe und
Organsysteme insbesondere die Nerven, die Skelettmuskeln,
aber auch den Herzmuskel, Kreislauf und Blut, Leber sowie
die Fortpflanzungssysteme. Fehlt das auch als Fruchtbarkeitsvitamin
bezeichntete Tocopherol, so kommt es zu ausgeprägten Fertilitätsstörungen.
Bei Hühnern, Schweinen, Kaninchen und Pelztieren konnten Hodendegenerationen
nachgewiesen werden oder ein Absterben der Embryonen. Bei
Kühen steigt die Häufigkeit von Euterentzündungen und
"vermehrtem" Nachgeburtsverhalten. Dabei stösst die
Kuh nach der Geburt der Leibesfrucht die Plazenta mit Eihäuten
und Nabelschnur nicht spontan aus. In beiden Fällen ist eine
tiermedizinische Behandlung notwendig, um eine Infektion zu
vermeiden oder zu stoppen.
Zerstören freie Radikale die Zellmembranen ungehindert, kann
die Calcium-Aufnahme nicht mehr geregelt werden und die Zellen
sterben ab. Betroffene Muskelfasern verkalken und erscheinen
weiss, ein "weisse Muskelkrankheit" genanntes Symptom.
Bei Schweinen wurden Schädigungen der hepatischen Parenchymzellen
nachgewiesen, die schliesslich dazu führten, dass die Leber
ihre Funktion einstellte. Schäden an den Herzmuskelzellen
verursachten bei Schweinen die Maulbeer-Herzkrankheit.
Die "Crazy chick disease" bei wachsendem Hühnergeflügel entsteht
aufgrund von Kleinhirnschädigungen durch Vitamin E-Mangel.
Die Gelbfettkrankheit bei Pelztieren und wachsenden
Schweinen wird als gelb-braune Verfärbung des Fettgewebes
sichtbar. Sie geht auf Ablagerungen von Lipopigmenten wie
das braune Ceroid zurück, das vermutlich aus der Oxidation
ungesättigter Fettsäuren stammt. Durch die verkürzte Lebensdauer
der roten Blutkörperchen kommt es zu Anämien.
3. Vorbeugend zur Verbesserung der Immunabwehr
Bei der Abwehr von Infektionserregern werden von spezialisierten
Zellen des Immunsystems wie den Makrophagen freie Radikale
und Peroxide freigesetzt. Dadurch werden vor allem die Zellmembranen
der eingedrungenen Mikroorganismen geschädigt. Daneben sind
aber auch die sich schnell vermehrenden Populationen der aktivierten
Immunzellen selbst dem Angriff dieser freien Radikalen ausgesetzt.
Es konnte jedoch an gut mit Vitamin E versorgten Tieren gezeigt
werden, dass die Membranen ihrer Immunzellen gegen den Angriff
freier Radikale besser geschützt sind.
Ausserdem ist bekannt, dass Vitamin E die Umsetzung von Arachidonsäure
in den als Prostaglandine bezeichneten lokalen Gewebshormonen
reguliert, die Reaktionen des Immunsystems hemmen. Andererseits
begünstigt Vitamin E die Bildung von Leukotrienen, welche
die Immunantwort stimulieren. Anhand von zahlreichen Studien
konnte belegt werden, dass das Immunsystem unter Vitamin E-Supplementierung
stärker auf die Stimulation gebildeter Antigene reagiert und
so zu höheren Konzentrationen von Antikörpern sowie einer
ausgeprägteren Aktivierung von T-Lymphozyten, Neutrophilen
und Makrophagen führt.
Auf diese Weise kann die Resistenz der Nutztiere gegenüber
zahlreichen Krankheiten viralen Ursprungs wie die Newcastle
Disease beim Geflügel sowie respiratorische Probleme bei Huhn
und Schwein gesteigert werden. Vitamin E hilft aber auch bei
der Vorbeugung gegen bakteriell verursachte Krankheiten wie
die Colibacillose beim Schwein und die Euterentzündung beim
Rind sowie bei parasitärer Coccidiose beim Huhn.
4. Gegen Wasserverlust und off-flavour im Fleisch
Fleisch spielt für die menschliche Ernährung eine wichtige
Rolle. Es enthält nicht nur Proteine, essenzielle Mineralstoffe
und Spurenelemente, sondern ist auch die wichtigste Quelle
von Vitaminen der B-Gruppe. Über die ernährungsphysiologischen
Aspekte hinaus sind positive sensorische Eigenschaften des
Fleisches von Bedeutung. Deshalb hängt die Akzeptanz beim
Kauf von Fleischprodukten durch den Konsumenten im wesentlichen
von den drei Faktoren Farbe, Geruch und Konsistenz
ab. Lagerung und Verarbeitung können jedoch diese Qualitätsmerkmale
des Fleisches beeinträchtigen. So tragen insbesondere Kühlung,
Einfrieren oder Kochen erheblich zur Schädigung von Zellwänden
und damit zu einem Austritt von Flüssigkeit (drip loss)
aus dem Schlachtfleisch bei.
Insbesondere die Zugabe von Vitamin E wirkt sich nicht nur
positiv auf die Gesundheit des lebenden Tieres aus, sondern
auch auf die Qualität des Schlachtfleisches. Vitamin E stabilisiert
durch seine antioxidative Wirkung die Zellmembranen und verringert
dadurch den Austritt von Fleischsaft. Eine weitere Qualitätsminderung
für Fleischprodukte geht auf die vermehrte Oxidation mehrfach
ungesättigter Fettsäuren und insbesondere des Cholesterols
zurück. Ist der oxidative Zersetzungsprozess einmal eingeleitet,
läuft er als Kettenreaktion mit zunehmender Geschwindigkeit
ab. Dieser führt zur Ranzigkeit mit unangenehmen Gerüchen
und sogar zur Bildung gesundheitsbedenklicher Zerfallsprodukte
wie Hydroperoxiden und Cholesteroloxiden. Vor allem letztere
werden in einen Zusammenhang mit der Entstehung von Arteriosklerose
gestellt. Auch hier haben neueste Studien gezeigt, dass Vitamin
E als Nährstoff diese Bildung verringern kann.
Zersetzen sich Lipid-Hydroperoxide in flüchtige Aldehyde,
Alkane und andere Komponenten, kommt es zu Geruchsabsonderungen
(off-flavours). Aus dem Tierfutter aufgenommenes und
im Muskelfleisch gespeichertes Vitamin E schützt diese Lipide
vor Oxidation und damit vor einer solchen Geruchsbildung.
Dazu muss das Tierfutter allerdings Mengen an Vitamin E enthalten,
die über eine Zugabe zur Verhinderung von Vitamin E-Mangelerscheinungen
hinausgehen.
5. Die Farbe des Fleisches bleibt erhalten
Frisches Rindfleisch ist fest, vielfach durch Fetteinlagerungen
marmoriert und hat eine ziegel- bis kirschrote Farbe. Die
Fleischfarbe ist die auch nach dem Ausbluten der Schlachttiere
bestehenbleibende rote Färbung des Muskelfleisches. Sie hängt
von Faktoren wie pH-Wert, Temperatur, Sauerstoffpartialdruck,
Feuchtigkeit, Stress vor der Schlachtung und Muskelbeschaffenheit
ab. Sie wird vom Verhältnis der Transparenz der Muskelfarbe
und des Gehaltes an purpurrotem Myoglobin beeinflusst.
Dieses Pigment enthält die ungesättigte Verbindung Häm mit
zweiwertigem, komplex an 4 Porphyrin-Ringe und über den Imidazol-Rest
Histidin an das Eiweiss Globulin gebundenem Eisen. Als sechster
Ligand kommt molekularer Sauerstoff oder Stickoxid in Frage.
Bleibt diese Bindungsstelle unbesetzt, liegt es als Desoxymyoglobin
vor und weist eine purpurrote Farbe auf. Diese zeigt sich
nur direkt an der Fleischoberfläche beispielsweise beim frischen
Anschnitt. Etwa nach 30 Minuten an der Luft erfolgt eine Anlagerung
eines Sauerstoffmoleküls, wodurch hellrotes Oxymyoglobin entsteht.
Im weiteren Zeitverlauf wird noch ein Wassermolekül gebunden
und das zentrale zweiwertige Eisenatom zur Dreiwertigkeit
oxidiert. Dies führt zur Bildung von unerwünschtem, braunem
Metmyoglobin.
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Vitamin E die Farbveränderung
verlangsamt. Eine aber durch Stoffwechselreaktionen von Fäulnisbakterien
hervorgerufene Farbveränderung im Fleisch vermag Vitamin E
nicht zu beeinflussen. Deshalb wird mit Vitamin E keine verlängerte
Lagerungsstabilität vorgetäuscht. Da die Farbe des Fleisches
für den Verbraucher ein wichtiges Einkaufskriterium darstellt,
ist die Erhaltung der gewünschten Produktfarbe für die Fleischindustrie
von grosser Bedeutung. Dieses kann mit einer Zugabe von Vitamin
E erreicht werden, da es die rote Farbe besonders von Rindfleisch
stabilisiert.
Vitamin E im Tierfutter (1)

Vitamin E im Tierfutter (2)

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