Selbstkontrolle zur Steigerung der Lebensqualität

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Viele Menschen halten die Blutgerinnung für einen eher nebensächlichen Vorgang in unserem Körper. Dabei zählt sie aber als lebenswichtiger Prozess: Bei Verletzungen oder Schädigungen der Blutgefässe bildet, sie ein Blutgerinnsel, welches die Blutung stoppt und den Heilungsprozess einleitet.

Insbesondere bei Menschen die an Vorhofflimmern, tiefer Venenthrombose, Lungenemoblien, Schlaganfällen oder einer Herzklappenerkrankung leiden, kann eine Blutgerinnungsstörung lebensbedrohliche Folgen haben. Aufgrund des ernstzunehmenden Risikos der Gerinnungsstörung, sind die Patienten darauf angewiesen täglich blutverdünnende Medikamente einzunehmen und  ihre Gerinnungswerte regelmässig zu kontrollieren.

Die Problematik spiegelt sich vor allem in der ständigen Kontrolle von millionen betroffener Patienten wider. Die Anzahl der Arztbesuche und Aufenthalte in Spezialkliniken, beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen. Weichen die Gerinnungswerte zu stark vom Normalbereich ab, besteht zudem ein erhöhtes Risiko eines stationären Aufenthaltes, der zusätzlich zu der steigenden Frustration und Ängsten auch enorme Kosten für Patienten mit sich bringt.

Die Innovation der Selbstüberwachung

Dank innovativer Gesundheitstechnologien für den häuslichen Bereich wird  Patienten das Leben um ein Vielfaches erleichert. Als grosser Fortschritt der „e-Health-Revolution“ zählt das tragbare Messgerät, mit dem die Patienten ihre PT/INR-Gerinnungswerte überall selbst messen können. Der neue Standard der Antikoagulationstherapie-Überwachung erlaubt es, ihre Messergebnisse über Bluetooth direkt an ihren Arzt zu übermitteln.

Revolutionär für die selbststtändige Überwachung ist, dass Patienten immer unabhängiger werden. Die Selbstkontrolle über die Gerinnungswerte ermöglicht es den Patienten jederzeit mit Ärzten in Kontakt zu treten und sie über ihren Zustand zu informieren. Im gleichen Zuge wird es den Ärtzen ermöglicht schneller über Therapiemöglichkeiten zu entscheiden. 

Über PT/INR

Die Einnahme der korrekten Dosis ist entscheidend für eine effiziente Gerinnungstherapie. Die korrekte Dosis richtet sich nach der Dauer der Blutgerinnung. Die Blutgerinnungszeit wird als Prothrombin Time (PT) oder International Normalised Ratio (INR) gemessen. Die Zeit, in der die INR-Werte zwischen dem oberen und unteren Zielwert liegen, wird als Zeit innerhalb des therapeutischen Bereichs (Time in Therapeutic Range, TTR) bezeichnet. Dieses Therapieziel ist wichtig, denn je länger die Gerinnungswerte der Patienten im therapeutischen Bereich liegen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen wie beispielsweise die Entwicklung von Blutgerinnseln oder starken Blutungen. 

Studien zur Patientenselbstkontrolle

Studien zeigen, dass Patienten, die ihre Gerinnungswerte selbst kontrollieren, besser auf sich achten, häufiger messen und länger im therapeutischen Bereich bleiben.1 92 Prozent der Patienten, die ihre Gerinnungswerte mindestens alle drei Tage messen, bleiben in ihrem Zielbereich.2 Patienten, deren Gerinnungswert mehr als 70 Prozent der Zeit im therapeutischen Bereich liegt, erreichen bessere klinische Ergebnisse.3,4 Für Kostenträger kann dies Einsparungen bringen: Mehr Patienten im therapeutischen Bereich bedeuten weniger stationäre Behandlungen und somit eine deutliche Senkung der Gesundheitskosten. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Patienten, die über die Selbstkontrolle gut mit ihrem Arzt in Verbindung stehen, ihre Gerinnungstherapie besser einhalten und so bessere Therapieergebnisse erzielen.1,2,5

Für eine Bessere Lebensqualität

Reisen zählt für viele zu den schönsten Dingen des Lebens. Das gilt auch für Erika und Veronika, die beide unter Antikoagulationstherapie stehen. Erfahren Sie mehr  über die  Geschichte der beiden Frauen und wie sich die eigenständige Messwertbestimmung auf ihr Leben auswirkt.

Reisen mit tiefer Venenthrombose – ein Erfahrungsbericht

Bei Erika Sojka wurde im Alter von 33 Jahren eine tiefe Venenthrombose diagnostiziert. Sie wird für den Rest ihres Lebens auf die Einnahme von Gerinnungshemmern angewiesen sein und auf die regelmässige Überwachung ihrer Blutwerte. In diesem Video erfahren Sie, wie Erika dank der Selbstkontrolle sicher reisen kann.

Mehr Unabhängigkeit dank der Selbstkontrolle – die Geschichte von Veronika

Veronika R. Meyer hegt schon lange eine Passion für das Bergsteigen. Aufgrund ihrer Herzprobleme muss sie Gerinnungshemmer einnehmen und regelmässig ihre Blutwerte kontrollieren. In diesem Video erfahren Sie, wie Veronika trotz allem wieder ein normales Leben führen kann und sogar den Mount Everest bestiegen hat.

Wir haben mit Dr. Christoph Sucker darüber gesprochen, wie eine Antikoagulationstherapie und Reisen zusammenpasst und was Patienten dabei zu beachten haben.

 

Referenzen

1. Heneghan C, Ward A, Perera R, et al. Self-monitoring of oral anticoagulation: systematic review and meta-analysis of individual patient data. Lancet. 2012;379:322-334.
2. Khan TI, Kamali F, Kesteven P, Avery P, Wynne H. The value of education and self-monitoring in the management of warfarin therapy in older patients with unstable control of anticoagulation. Br J Haematol. 2004;126(4):557-654.
3. Gallagher, A.M., Setakis, E., Plumb, J.M., Clemens, A., van Staa, T.-P. (2011). Risks of stroke and mortality associated with suboptimal anticoagulation in atrial fibrillation patients. Thromb Haemost 106, 968–977.
4. Wan, Y., Heneghan, C., Perera, R., Roberts, N., Hollowell, J., Glasziou, P. et al. (2008). Anticoagulation control and prediction of adverse events in patients withatrial fibrillation: a systematic review. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 1, 84–91.
5. Levi, M., Hobbs, F.D.R., Jacobson, A.K., Pisters, R., Prisco, D. et al (2009). Semin Thromb Hemost 35:527-542.

Tags: Patienten, Diagnostics