Roche-App misst Schwankungen im Krankheitsverlauf von Parkinson Patienten

Diese App ist ein weiteres Beispiel, wie Smartphones in der modernen Medizin erfolgreich eingesetzt werden könnten. Roche Pharma Research & Early Development (pRED) hat ein Smartphone-basiertes Monitoring-System für Patienten mit Parkinson-Krankheit entwickelt, welches die herkömmlichen ärztlichen Beurteilungen durch automatisierte Tests ergänzt, die kontinuierlich die Auswirkungen der Symptome im Krankheitsverlauf  der Patienten messen. Das könnte das erste Mal sein, dass eine solche App zur Messung des Krankheitsverlaufs und des Schweregrades der Symptome in einem Arzneimittelentwicklungsprogramm bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt wurde.

„Die App wird in einer von Prothena in Zusammenarbeit mit Roche durchgeführten Phase-I-Studie bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt. In klinischen Studien bei Parkinson wird die Behinderung und Beeinträchtigung durch die Erkrankung üblicherweise von Ärzten mit Hilfe der Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS) beurteilt. Diese Beurteilungen sind jedoch bisher auf die Untersuchungstermine der Patienten bei ihren Ärzten beschränkt. Die App dagegen ermöglicht jeden Tag und über den ganzen Tag hinweg eine kontinuierliche Messung der krankheitsbedingten Auswirkungen. Wir hoffen, dass die App in Zukunft in der klinischen Entwicklung eine objektivere Messung des Ansprechens auf die Behandlung erlaubt, um die Beurteilungen der Ärzte zu ergänzen”, erklärt Anirvan Ghosh, Leiter Neuroscience Discovery für pRED.

Die Patienten sollen die App während der Dauer der Studie routinemässig jeden Tag verwenden. Das Programm besteht aus sechs aktiven Tests mit anschliessender passiver Überwachung und gibt Aufschluss über die Symptome sowie deren Verlauf und Auswirkungen auf das Alltagsleben des Patienten. Die App wurde in Kooperation mit Max Little, einem Pionier der Entwicklung von Apps für die Parkinson-Krankheit, entwickelt. Max Little, der sich durch seinen Einsatz für die Parkinson’s Voice Initiative einen Namen gemacht hat, ist Dozent an der Aston University und forscht an der Oxford University und am MIT Media Lab. Das Projekt wurde auch der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research vorgestellt.

Eine Reihe von Aktivitäten

„Die erfassten Daten werden verwendet, um während der Dauer der Studie die UPDRS-Scores der Patienten vorherzusagen und die Symptomfluktuationen zu untersuchen. Ausserdem wird mit Hilfe von Adhärenzdaten die Bereitschaft der Patienten zur Verwendung der Technologie untersucht, was für zukünftige Studien von Nutzen sein wird“, so Christian Czech, Gruppenleiter Neuroscience Biomarker Experimental Medicine, pRED.

Bei den aktiven Tests werden die Patienten aufgefordert, die folgenden Aktivitäten nacheinander für jeweils 30 Sekunden durchzuführen:

  • Stimmtest: „Aaah“ sagen und den Laut möglichst lange halten
  • Gleichgewichtstest: Stehen bleiben
  • Gangtest: 20 Meter gehen, mit 180-Grad-Drehung
  • Geschicklichkeitstest: Mit der dominanten Hand abwechselnd zwei Schaltflächen auf dem Touchscreen antippen
  • Ruhetremortest: Das Smartphone in der am stärksten vom Tremor betroffenen Hand halten, die Hand in den Schoss legen und von 100 bis 0 zurückzählen
  • Haltetremortest: Das Smartphone in derselben Hand ausgestreckt halten

Zur passiven Messung sollen die Patienten das Smartphone den ganzen Tag hindurch bei sich tragen. Hierbei werden über die verschiedenen Sensoren des Smartphones Daten erfasst. Die Patienten werden gebeten, die App während der Dauer der Studie, einschliesslich der Screeningphase, der Behandlungsphase und der Nachbeobachtung, zu verwenden, was bis zu etwa 32 Wochen dauern kann.

Schlüsselrolle der Prüfärzte

„Die Ärzte der Studie spielen eine wichtige Rolle, indem sie die Patienten dazu anhalten, die App regelmässig zu verwenden. Dafür wurden die Prüfärzte entsprechend geschult. Die App ist mit Übersichten (Dashboards) ausgestattet, die die aktuelle Compliance des Patienten anzeigen. Anhand dieser Informationen können die Ärzte die Patienten zur regelmässigeren Verwendung der App anleiten. Ausserdem können wir sehen, wie viele Daten von den Smartphones hereinkommen. Dadurch können wir die Ärzte darüber informieren, welche Patienten ihre App regelmässiger verwenden sollten“, so Christian Gossens, Leiter Early Development Workflows, pRED Informatics.

Die App wurde für das Betriebssystem Android entwickelt und für die Studie auf einem Samsung Galaxy S3 Mini installiert. Roche stellt den Patienten eigens für die Studie vorkonfigurierte Smartphones zur Verfügung, die nur zur Fernüberwachung der Patienten über die App eingesetzt werden. Dies erleichtert es älteren Patienten das Gerät und die App zu verwenden.

„Es war klar, dass Roche die Vision hatte, das Potenzial dieser Technologie zu nutzen, und die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die zur Umsetzung benötigt werden. Und es war spannend, zu sehen, wie das Konzept im Laufe der letzten Jahre Gestalt annahm“, so Max Little zu dem Projekt.

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