Medienmitteilung
Basel, 15. März 2005 1 2 3 4 5
Krebsmedikament
Avastin verlängert auch das Leben von Patienten mit Lungenkrebs
Erstmals
positive Ergebnisse
für eine biologische Therapie bei nicht vorbehandelten Patienten mit Lungenkrebs
Roche
und Genentech, Inc. haben heute bekannt gegeben, dass Avastin (Bevacizumab, rhuMAb-VEGF), das innovative
und bahnbrechende Anti-Angiogenese-Medikament, das Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem
Lungenkrebs (NSCLC) signifikant verlängert. Beim NSCLC handelt es sich um die häufigste Form von Lungenkrebs.
Diese erfreuliche Nachricht kommt zusätzlich zu den positiven Ergebnissen, die Avastin in den vergangenen
zwei Jahren in der Behandlung von Dickdarmkrebs erzielt hat.
Avastin
ist ein einzigartiges Präparat, dessen Wirkmechanismus darauf beruht, die Blutzufuhr zum Tumor zu unterbinden
und dadurch sein Wachstum und seine Ausbreitung im Körper zu bremsen. Die Studie untersuchte die Anwendung
von Avastin bei Patienten, die bislang keine Therapie erhalten hatten („Erstlinientherapie“). Die Zwischenanalyse
der Phase-III-Studie über die Verabreichung von Avastin in Kombination mit einer Chemotherapie auf Platinbasis
(Paclitaxel und Carboplatin) zeigte, dass der primäre Endpunkt erreicht wurde: Im Vergleich zur Chemotherapie
allein wurde die Gesamtüberlebenszeit verbessert oder das Sterberisiko gesenkt. Die Studie wird nun
beendet, da der vorher definierte Endpunkt für die Wirksamkeit frühzeitig erreicht worden ist.
William
M. Burns, CEO der Division Pharma von Roche, dazu: „Die in der Studie beobachtete Verbesserung der Überlebenschancen
ist beachtlich, denn seit Jahren konnte keine Studie, bei der Patienten mit NSCLC eine Erstlinienbehandlung
erhalten hatten, solche Ergebnisse liefern. Die Resultate sind von enormer Bedeutung. Wir beabsichtigen
deshalb, die Daten an die Zulassungsbehörden weiterzuleiten, um die nächsten Schritte bezüglich einer
Registrierung von Avastin als Erstlinientherapie bei NSCLC zu besprechen.“
Es
handelt sich um die erste Phase-III-Studie, welche Avastin in Kombination mit einer Chemotherapie bei
Patienten mit NSCLC untersucht. An der randomisierten, kontrollierten Multizenter-Studie nahmen 878
Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC teil. Sie wurde vom National Cancer Institute (NCI), das zu den
National Institutes of Health gehört, gesponsert und von einer Reihe von Forschern unter der Leitung
der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) durchgeführt. Die Patienten erhielten randomisiert entweder
eine Platin-haltige Chemotherapie (Paclitaxel und Carboplatin) mit oder ohne Avastin. Die Zugabe von
Avastin zur Chemotherapie erwies sich als gut verträglich. Gemäss ECOG werden die Studiendaten für den
Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vom 13. bis 17. Mai eingereicht.
Lungenkrebs
ist mit 1,2 Millionen neuen Krankheitsfällen pro Jahr weltweit die häufigste Krebserkrankung,
Über die
Studie
An der Phase-II/III-Studie nahmen 878 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC
teil.
Die Patienten wurden randomisiert den folgenden Gruppen zugeteilt:
Gruppe A: Chemotherapie
(Paclitaxel und Carboplatin) mit Placebo
Gruppe B: Chemotherapie (Paclitaxel und Carboplatin)
mit Avastin
Die Patienten erhielten alle drei Wochen 15 mg/kg Avastin.
Die Paclitaxel- und Carboplatin-Chemotherapien wurden ebenfalls alle drei Wochen verabreicht. Die Behandlungen
beider Gruppen wurden alle drei Wochen bis zu sechs Mal wiederholt, sofern die Krankheit nicht fortschritt
oder unzumutbare Nebenwirkungen auftraten.
Nebenwirkungen
Die
klinische Erfahrung mit Avastin in Kombination mit Paclitaxel und Carboplatin zur Behandlung von NSCLC
hat gezeigt, dass offensichtlich nur bei dieser Krankheit eine lebensbedrohliche oder gar tödliche Lungenblutung
als schwere Nebenwirkung auftreten kann. Gewisse Merkmale, unter anderem eine starke Lungenblutung vor
Therapiebeginn mit Avastin oder das Vorliegen einer bestimmten Form von NSCLC, eines so genannten Plattenepithelkarzinoms,
scheinen das Auftreten dieser schweren Nebenwirkung zu begünstigen. Patienten, welche diese Merkmale
aufwiesen, wurden von der Phase-III-Studie ausgeschlossen, weshalb lebensbedrohliche oder tödliche Lungenblutungen
im Vergleich zu früheren klinischen Studien wesentlich weniger häufig auftraten. Trotzdem kam es in
dieser Studie bei einigen Patienten zu tödlichen Lungenblutungen, wobei diese Nebenwirkung in der Gruppe
von Patienten, die Avastin in Kombination mit einer Chemotherapie erhielten, häufiger auftrat als in
der Gruppe, die nur mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Weitere Nebenwirkungen, die in dieser
Studie beobachtet wurden, waren ähnlich zu denen in früheren Phase-II- und Phase-III-Studien mit Avastin.
Detaillierte Informationen über die in dieser Studie aufgetretenen Nebenwirkungen werden im Mai an der
ASCO-Konferenz vorgestellt.
Über Avastin
Avastin
ist
das erste Medikament, das die Angiogenese hemmt – d.h. die Bildung von Blutgefässen, die das Krebsgewebe
mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Avastin ist gegen ein natürlich vorkommendes Protein namens
VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) gerichtet, das bei der Angiogenese eine zentrale Rolle einnimmt.
Es unterbindet auf diese Weise die Blutzufuhr zum Tumor, was dessen Wachstum und Streuung im Körper
(Metastasierung) bremst.
Das Präparat ist in Europa zur Erstbehandlung
von Patienten mit metastasierendem Dickdarmkrebs (Kolon- oder Rektumkarzinom) in Kombination mit einer
Chemotherapie bestehend aus 5-Fluorouracil/Folinsäure intravenös oder 5-Fluorouracil/Folinsäure/Irinotecan
intravenös zugelassen. Avastin wurde in den USA im Rahmen eines beschleunigten Zulassungsverfahrens
seitens der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA geprüft und im Februar 2004 zugelassen.*
Die
zulassungsrelevante Phase-III-Studie zeigte, dass die Zugabe von Avastin zur Chemotherapie (Irinotecan/5-Fluorouracil/Leucovorin)
das Überleben von Patienten mit metastasierendem Dickdarmkrebs, die bislang unbehandelt waren, signifikant
verbesserte, d.h. im Durchschnitt um fünf Monate (20,3 Monate versus 15,6 Monate). Ausserdem erhöhte
Avastin die Zeitdauer, in der die Krankheit nicht fortschritt, im Vergleich zu den Patienten mit alleiniger
Chemotherapie signifikant (10,6 Monate gegenüber 6,2 Monate).
Auch
Patienten mit stark fortgeschrittenem Dickdarmkrebs, deren Gesundheitszustand keine herkömmliche aggressive
Chemotherapie zulässt, profitierten von Avastin. Die Zugabe von Avastin zu einer weniger aggressiven
Chemotherapie erhöhte die Zeitdauer, bis die Krankheit fortschritt, um vier Monate im Vergleich zur
Chemotherapie allein (was einer Erhöhung des progressionsfreien Überlebens um 67% entspricht).
Roche und Genentech führen gegenwärtig ein umfassendes klinisches Programm zur Anwendung
von Avastin bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs mit anderen Chemotherapien durch. Gleichzeitig wird
auch der Einsatz des Medikaments zur Begleittherapie nach einer Operation geprüft. Da dieser Wirkmechanismus
auch für zahlreiche andere bösartige Tumoren von Bedeutung sein könnte, prüfen Roche und Genentech ausserdem
den potenziellen klinischen Nutzen von Avastin bei Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- und Nierenzellkrebs
sowie weiteren Formen. Es wird erwartet, dass im Laufe der nächsten Jahre zirka 15 000 Patienten weltweit
in klinische Studien aufgenommen werden.
Über Roche
Roche
mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist ein global führendes, forschungsorientiertes Healthcare-Unternehmen
in den Bereichen Pharma und Diagnostika. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, die der Früherkennung,
Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten dienen, trägt das Unternehmen auf breiter Basis
zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität von Menschen bei. Roche ist einer der weltweit bedeutendsten
Anbieter von Diagnostika, der grösste Hersteller von Krebs- und Transplantationsmedikamenten und nimmt
in der Virologie eine Spitzenposition ein. 2004 erzielte die Division Pharma einen Umsatz von 21,7 Milliarden
Franken und die Division Diagnostics Verkäufe von 7,8 Milliarden Franken. Roche beschäftigt rund 65
000 Mitarbeitende in 150 Ländern und unterhält Forschungs- und Entwicklungskooperationen und strategische
Allianzen mit zahlreichen Partnern. Hierzu gehören auch Mehrheitsbeteiligungen an Genentech und Chugai.
Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.
Weitere Informationen:
- Über Roche: www.roche.com
- Über Genentech: www.gene.com
- Über Krebs: www.health-kiosk.ch
- Roche in der Onkologie: roche.com/pages/downloads/company/pdf/mboncology05d.pdf
Anmerkungen
*
Avastin ist in den USA in Kombination mit einer intravenösen Chemotherapie auf der Basis von 5-Fluorouracil
als Erstlinientherapie bei Patienten mit mestastasierendem Kolon- oder Rektumkarzinom zugelassen.
Literatur:
1.
World Health Organisation, World Cancer Report, 2003.
2. www.lungcancercoalition.org/cancer_facts.html.
3.
Hurwitz H, Fehrenbacher L, Novotny W, et al. Bevacizumab plus Irinotecan, Fluorouracil, and Leucovorin
for Metastatic Colorectal Cancer. New England Journal of Medicine 2004; 350(23): 2335–2342.
4.
Mitchell EP, Alberts SR, Schwartz BJ, et al. High-dose bevacizumab in combination with FOLFOX4 improves
survival in patients with previously treated advanced colorectal cancer: Results from the Eastern Cooperative
Oncology Group (ECOG) study E3200. ASCO Gastrointestinal 2005 Cancer Symposium, January 2005 (abstract
169a).
5. Kabbinavar FF, Joseph Schulz J, McCleod M, et al. Addition of Bevacizumab to
Bolus 5-FU/Leucovorin in First-Line Metastatic Colorectal Cancer: Results of a Randomized Phase II Trial.)
J Clin Oncol 23:10.1200/JCO.2005.05.112, 2005.