Investor Update
Basel, 2. Juni 2006
MabThera
erhält in Europa Zulassungsempfehlung zur Behandlung von rheumatoider Arthritis
Erste
selektive B-Zellen-Therapie bringt Patienten reelle Möglichkeit zur Behandlung ihrer behindernden Krankheit
Roche
hat heute bekannt gegeben, dass MabThera (Rituximab) vom europäischen Ausschuss für Humanarzneimittel
(CHMP) eine Zulassungsempfehlung für die Behandlung von rheumatoider Arthritis (RA) erhalten hat. Damit
wird MabThera als erste und einzige selektive B-Zellen-Therapie nun wohl bald auch für Patienten mit
RA erhältlich sein, die bislang nur ungenügend auf die verfügbaren Therapieoptionen (inkl. Anti-Tumornekrosefaktor(TNF)-Therapien)
angesprochen haben oder solche nicht vertragen haben. Die B-Zellen spielen in der Entzündungskaskade,
welche letztlich zu den für rheumatoide Arthritis typischen Knochen- und Knorpelschäden in den Gelenken
führt, eine wichtige Rolle.
Einer der leitenden Ärzte der REFLEX1-Studie,
Professor Paul Emery von der Universität Leeds, Grossbritannien, kommentierte: „Das ist ein wichtiger
Moment, denn MabThera besitzt das Potenzial, das Leben all jener Menschen erheblich zu verbessern, die
in Europa an rheumatoider Arthritis leiden und mit den bestehenden Medikamenten nicht genügend behandelt
werden können oder diese schlecht vertragen. Dieser neue Ansatz vermag mit einem kurzen Therapiezyklus
alle sechs bis zwölf Monate einen langfristigen klinischen Nutzen zu bieten.“
„Die
Zulassungsempfehlung des CHMP ist ein bedeutender Meilenstein für MabThera – das erste Medikament gegen
RA unseres Portfolios im Bereich der Autoimmunkrankheiten. Wir freuen uns, dass MabThera für zahlreiche
Patienten, die an dieser behindernden Krankheit leiden, bald als neue Therapiealternative verfügbar
sein wird“, erklärte Eduard Holdener, Leiter von Global Pharma Development bei Roche.
Gemäss
der Empfehlung des CHMP ist MabThera in Kombination mit Methotrexat zur Behandlung erwachsener Patienten
mit schwerer aktiver rheumatoider Arthritis indiziert, die auf andere krankheitsmodifizierende Antirheumatika
(DMARDs) – einschliesslich eines oder mehrerer Tumornekrosefaktor(TNF)-Hemmer – ungenügend angesprochen
oder diese nicht vertragen haben. Bei rund 40% der Patienten mit RA, welche mit herkömmlichen Biopharmazeutika
behandelt werden, ist die Wirkung unbefriedigend. Für diese Patienten existieren zurzeit auch nur wenige
Therapiealternativen. Der Bedarf nach neuartigen und wirksamen Therapieoptionen für diese Patienten,
deren Alltag durch diese schwere Krankheit stark beeinträchtigt wird, ist daher gross.
Die
Meldung des CHMP folgt auf positive Resultate der REFLEX-Studie. Mit dieser Phase-III-Studie wurde aufgezeigt,
dass MabThera ein hoch wirksames Medikament zur Linderung der Symptome von RA-Patienten ist und bereits
nach einem Behandlungszyklus von zwei Infusionen eine nachhaltige Besserung bewirkt. Die Studie hat
insbesondere ergeben, dass MabThera die Zahl der geschwollenen und druckempfindlichen Gelenke deutlich
verringert, und ausserdem eine signifikante Linderung von Müdigkeit und Verbesserung der Lebensqualität
bewirkt. Weitere Resultate der REFLEX-Studie – z.B. Röntgenbefunde nach einem Jahr, Wirkung durch wiederholte
Behandlungszyklen – werden am Kongress der Europäischen Rheumaliga (EULAR) im Juni 2006 vorgestellt.
MabThera,
das in den USA von Genentech unter dem Handelsnamen Rituxan vertrieben wird, ist kürzlich in einem beschleunigten
Prüfverfahren auch von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für die Behandlung von mittelschwerer
bis schwerer RA zugelassen worden.
RA ist eine der am weitesten verbreiteten
Autoimmunkrankheiten. An ihr leiden weltweit über 21 Millionen Menschen, wovon knapp 2 Millionen in
Europa leben.
MabThera hat seinen festen Platz bei der Behandlung des
Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL), einer Form von Lymphdrüsenkrebs. In sieben Jahren haben mehr als 730 000
Patienten mit NHL MabThera erhalten, ohne dass nennenswerte Bedenken wegen der Sicherheit des Präparats
aufgekommen wären.
Über die REFLEX-Studie
Die
REFLEX-Studie (Randomised Evaluation oF Long-term Efficacy of Rituximab in RA) ist eine randomisierte,
doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie an mehreren Zentren. Bei Patienten, welche im Rahmen
dieser Studie einen einzigen Behandlungszyklus mit lediglich zwei Infusionen MabThera in Kombination
mit einer gleich bleibenden Dosis Methotrexat (MTX) erhielten, wurde nach 24 Wochen eine statistisch
signifikante Besserung der Symptome im Vergleich zur Patientengruppe mit Placebo plus MTX gemessen.
Bei den meisten Patienten wurden allfällige zusätzliche Behandlungszyklen jeweils 24 Wochen nach der
vorgängigen Behandlung durchgeführt. Eine erste Analyse der REFLEX-Daten ergaben keine unerwarteten
Sicherheitsbedenken; die langfristige Sicherheit von MabThera wird in allen klinischen Studien weiter
überwacht.
Signifikante Verbesserungen aller Symptomparameter
Die
Ergebnisse der Analyse nach sechs Monaten zeigen, dass MabThera in Kombination mit Methotrexat (MTX),
einem Standardmedikament gegen RA, hochwirksam ist und im Vergleich zur MTX-Therapie plus Placebo zu
statistisch signifikant höheren Ansprechraten führt: Bei 51% der Patienten wurde eine Besserung der
Krankheitssymptome um 20% (ACR202) erzielt, verglichen mit 18% bei alleiniger MTX-Therapie. Der Unterschied
in den beiden Gruppen war bereits nach acht Wochen sichtbar und hielt für die Dauer der Studie nach
lediglich einem Behandlungszyklus mit zwei Infusionen MabThera im Abstand von zwei Wochen an. Innerhalb
von sechs Monaten erzielten über fünfmal mehr Patienten aus der Gruppe mit MabThera eine Besserung der
Krankheitssymptome um 50% gegenüber MTX allein (ACR50: 27% vs. 5%); und zwölfmal mehr Patienten unter
MabThera erzielten eine Besserung um 70% (ACR70: 12% vs. 1%). Bei den meisten Patienten wurden allfällige
zusätzliche Behandlungszyklen jeweils sechs Monate nach der vorgängigen Behandlung durchgeführt.
Über
MabThera und rheumatoide Arthritis
MabThera wirkt selektiv auf eine Untergruppe
von B-Zellen, die das Protein CD20 exprimieren, während es Stammzellen, Pro-B-Zellen sowie Plasmazellen
unbeeinflusst lässt. Diese Untergruppe von B-Zellen spielt im Autoimmunprozess der RA eine zentrale
Rolle; MabThera wirkt auf eine Unterbrechung dieses Prozesses hin, indem es eine Abfolge von Reaktionen
hemmt, die zur Entzündung der Gelenkinnenhaut und schliesslich zu dem für diese Krankheit typischen
Knorpelschwund und Knochenabbau führen. Mehr als 1000 Patienten mit RA haben bislang in klinischen Studien
MabThera erhalten. Ein umfassendes klinisches Entwicklungsprogramm der Phase III ist zurzeit im Gang,
um den potenziellen klinischen Nutzen von MabThera bei früheren Krankheitsstadien der RA zu prüfen.
Über rheumatoide Arthritis
Bei der
rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine progressive systemische Autoimmunkrankheit, die sich
durch eine Entzündung der Gelenkinnenhaut auszeichnet. Diese Entzündung verursacht einen Verlust der
Form und Funktion des Gelenks, was zu Schmerzen, Steifigkeit und Schwellungen und schliesslich zu einer
irreversiblen Zerstörung des Gelenks und zu Behinderung führt. Zu den typischen Symptomen der RA zählen
Schwellungen, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke an Händen, Füssen, Ellenbogen,
Knien und im Nacken. Rheumatoide Arthritis kann, wenn sie wichtige Organsysteme beeinträchtigt, die
Lebenserwartung verkürzen. Nach 10 Jahren sind weniger als 50% der Patienten noch in der Lage, einer
Arbeit oder ihren gewohnten Alltagsaktivitäten nachzugehen.
Über
Roche
Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist ein global führendes, forschungsorientiertes
Healthcare-Unternehmen in den Bereichen Pharma und Diagnostika. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen,
die der Früherkennung, Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten dienen, trägt das Unternehmen
auf breiter Basis zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität von Menschen bei. Roche ist einer
der weltweit bedeutendsten Anbieter von Diagnostika, der grösste Hersteller von Krebs- und Transplantationsmedikamenten
und nimmt in der Virologie eine Spitzenposition ein. 2005 erzielte die Division Pharma einen Umsatz
von 27,3 Milliarden Franken und die Division Diagnostics Verkäufe von 8,2 Milliarden Franken. Roche
beschäftigt rund 70 000 Mitarbeitende in 150 Ländern und unterhält Forschungs- und Entwicklungskooperationen
und strategische Allianzen mit zahlreichen Partnern. Hierzu gehören auch Mehrheitsbeteiligungen an Genentech
und Chugai. Weitere Informationen zur Roche-Gruppe finden sich im Internet (www.roche.com).
Alle
erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.
Literatur:
1
Die REFLEX-Studie (Randomised Evaluation oF Long-term Efficacy of Rituximab in RA) ist eine randomisierte,
doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie an mehreren Zentren.
2 Die
ACR-Response ist ein vom American College of Rheumatology (ACR) entwickelter Massstab zur Beurteilung
des Therapieerfolgs bei rheumatischen Erkrankungen. Dabei müssen sich bei einem Patient die Anzahl Symptome
und die Krankheitswerte um einen bestimmten prozentualen Anteil reduzieren. Eine Verminderung um 20%,
50% oder 70% (prozentuale Verbesserung der RA-Symptome) wird beispielsweise als ACR20, ACR50 oder ACR70
ausgewiesen. Eine ACR70-Response wird von den bestehenden Therapien nur in Ausnahmefällen erreicht und
bedeutet eine signifikante Verbesserung des Gesundheitszustandes eines Patienten.