Media Release
Basel, 13. Februar 2003
Roche gibt
ihre künftige Preispolitik für Aids-Medikamente aus der Gruppe der Proteasehemmer im Rahmen der „Accelerating
Access Initiative” bekannt
Preise ‚ohne Gewinn‘ für Direktverkäufe von Viracept
und Invirase an Entwicklungsländer und afrikanische Staaten südlich der Sahara
Im Anschluss an Vereinbarungen mit den Partnerfirmen Pfizer Inc. und Japan Tobacco Inc., die Inhaber der Patente für Viracept (Nelfinavir), gibt Roche ihre künftige Preispolitik bezüglich der Proteasehemmer Invirase (Saquinavir) und Viracept zur Behandlung der HIV-Infektion und von Aids in den am wenigsten entwickelten Ländern und den Staaten südlich der Sahara bekannt. Diese Massnahmen zielen darauf ab, den am schlimmsten von der Aids-Pandemie betroffenen Ländern den Zugang zu diesen von der WHO als essentiell eingestuften Medikamenten weiter zu erleichtern und dabei den Preis für Viracept wesentlich zu reduzieren.
Die wichtigsten Elemente dieser künftigen Preispolitik sind:
- Weitere Verbilligung der Darreichungsform von Viracept für Erwachsene auf ein Preisniveau ‚ohne Gewinn‘, wie es bei der Formulierung für Kinder sowie für Invirase bereits Anwendung findet. Diese Regelung gilt für Direktlieferungen vom Roche-Hauptsitz in der Schweiz an afrikanische Staaten südlich der Sahara sowie an Staaten, die nach UNO-Definition zu den am wenigsten entwickelten Ländern gehören.
- Klar festgelegte Preise für Direktlieferungen vom Roche-Hauptsitz an Länder, die nach Einstufung der Weltbank ein geringes oder niedriges mittleres Einkommen aufweisen.
- Bekräftigung, dass Roche in afrikanischen Staaten südlich der Sahara sowie in Staaten, die nach UNO-Definition zu den am wenigsten entwickelten Ländern gehören, nicht gegen Verletzungen von Roche-Patenten für Anti-HIV- und Aids-Medikamente vorgehen wird. In diesen Ländern wird Roche ausserdem keine Patente für neue bzw. im Prüfstadium befindliche Anti-HIV- und Aids-Medikamente anmelden.
William M. Burns, Leiter der Division Pharma von Roche, erklärt: „Unsere aktualisierte Preispolitik unterstreicht den Einsatz von Roche im Kampf gegen HIV und für einen beschleunigten Zugang zu einer Therapie in diesen afrikanischen Staaten sowie in den am wenigsten entwickelten Ländern. Die Preise ‚ohne Gewinn‘ sollen in den am stärksten betroffenen Regionen der Welt den Zugang zu Invirase und Viracept so weit wie möglich vereinfachen. Wir werden die Regierungen dieser Länder ersuchen, von Steuer- und Zollaufschlägen auf diese essentiellen Medikamente abzusehen. Unsere Politik hat zwar wesentliche Preisreduktionen ermöglicht und Patentprobleme, die einer Anti-HIV-Therapie im Wege standen, beseitigt; es wäre jedoch falsch, den Eindruck zu erwecken, dass sich das Problem mit diesen Massnahmen allein lösen liesse. Erschwinglichkeit der Behandlung ist nur eine unter zahlreichen Hürden in Entwicklungsländern.“
Die heutige Ankündigung bedeutet eine wesentliche Erweiterung der seit dem Jahr 2000 betriebenen Firmenpolitik. Damals trat Roche der „Accelerating Access Initiative“ bei, um den Zugang zu einer Anti-HIV-Therapie zu vereinfachen. Im Rahmen dieser Initiative nahm Roche bedeutende Preissenkungen bei ihren Proteasehemmern vor. Viracept und Invirase werden den afrikanischen Staaten südlich der Sahara und den am wenigsten entwickelten Ländern zum Preis ‚ohne Gewinn‘ für Roche angeboten. Roche unterstützt ausserdem regionale Programme zur Verbesserung des lokalen Know-hows und zur Bereitstellung einer Behandlung.
Hank McKinnell, Präsident und Chief Executive Officer von Pfizer, dazu: „Wir sind sehr erfreut, dass unsere Geschäftspartner bei Roche unser Engagement teilen, den Zugang zu Anti-HIV-/Aids-Medikamenten für Patienten, die unter schwierigsten wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bedingungen leben, zu verbessern. Diese Ankündigung bestärkt uns in der Überzeugung, dass der Zugang zu Medikamenten nicht durch ein geringes Einkommen beschränkt werden soll.“
Preispolitik zur Verbesserung des Zugangs
zu wichtigen Proteasehemmern in den bedürftigsten Ländern
Bei den Preisen ‚ohne
Gewinn‘ für alle afrikanischen Staaten südlich der Sahara und die am wenigsten entwickelten Länder handelt
es sich um Preise direkt ab dem Roche in Basel, Schweiz. Diese Preise gelten für Regierungen, gemeinnützige
institutionelle Anbieter von Anti-HIV-Therapien sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in diesen
Ländern. Die vollständigen Verkaufsbedingungen können unter www.Roche-hiv.com eingesehen werden; zu
den für Direktlieferungen ab dem Roche-Hauptsitz geltenden Preise müssen noch die Kosten für Fracht,
Import, Zoll, Steuern, Vertrieb und Lagerhaltung addiert werden. Die Datailhandelspreise in den betreffenden
Ländern sind deshalb höher und können grosse Unterschiede aufweisen.
Zusammenfassung der Preise für Direktkäufe ab Roche Basel, gültig ab 1. März 2003*
Gültig für | Viracept | Invirase |
Preis pro Packung mit 270 Tabletten zu 250 mg (CHF) | Preis pro Packung mit 270 Kapseln zu 200 mg (CHF) |
|
Länder mit geringem oder niedrigem mittleren Einkommen nach Einstufung der Weltbank | 300 | 300 |
Alle afrikanischen Staaten südlich der Sahara sowie alle Staaten, die nach UNO-Definition zu den am wenigsten entwickelten Ländern gehören. Dies sind Preise ohne Gewinn für Roche | 90.90 | 95.40 |
Alle diese Preise verstehen sich ab Roche Basel in Schweizer Franken. Sie werden einmal pro Jahr unter Berücksichtigung der Kosten überprüft, so lange Roche die betreffenden Produkte auf dem Markt anbietet. Diese Preise werden als Direktverkäufe ex Roche Basel aufgelistet, da nur so klare und gerechte Preise für alle in Frage kommenden Länder angeführt werden können, was für länderspezifische Detailhandelspreise nicht möglich wäre.
Roche prüft zurzeit Möglichkeiten einer gesonderten Verpackung für diese zu reduziertem Preis abgegebenen essentiellen Medikamente, um sicherzustellen, dass sie nur für Personen verwendet werden, für die sie eingekauft wurden, und nicht an andere Länder weiterverkauft werden.
In Ländern mit geringem oder niedrigem mittleren Einkommen, in denen Roche durch eine Gesellschaft vertreten ist, nimmt die Firma eine Harmonisierung des Preises für Viracept bei der betreffenden Gesellschaft bis zum Höchstbetrag von CHF 420.- pro Packung mit 270 Tabletten zu 250 mg vor. Die Detailhandelspreise in diesen Ländern werden höher liegen und können aufgrund staatlich geregelter Vertriebs- und Detailhandelsmargen stark variieren. Die lokalen Lieferbedingungen für Länder mit höheren mittleren und hohen Einkommen bleiben unverändert.
Die Preise ‚ohne Gewinn‘ direkt ab Roche Basel sind die niedrigstmöglichen Preise, zu denen die Produkte auf kontinuierlicher Basis geliefert werden können. Darin sind die Kosten für Forschung und Entwicklung, Marketing, Vertrieb sowie firmeninterne Fixkosten nicht enthalten. Um das tiefstmögliche Preisniveau für Viracept gemäss dem erwähnten Preis zu erreichen, haben sich die Roche-Lizenzpartner Agouron/Pfizer und Japan Tobacco als Inhaber der Patentrechte für Viracept bereit erklärt, auf sämtliche Lizenzgebühren auf die Verkäufe des Produkts in den in Frage kommenden Ländern zu verzichten.
Roche
auf dem Gebiet der HIV-Infektion
Roche steht im Kampf gegen die HIV-Infektion und
Aids an vorderster Front und engagiert sich seit 1986 mit ihrer bahnbrechenden Forschungs- und Entwicklungstätigkeit
für neuartige Medikamente und Diagnoseverfahren. Saquinavir war der erste Proteasehemmer, den Roche
1995 erstmals in den USA einführte.
Dank der konsequenten Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von Roche konnten mit der verstärkten Kombination von Saquinavir mit Ritonavir (zweimal täglich 1000/100 mg) in einer klinischen Studie dank der hohen Wirksamkeit und ausgezeichneten Verträglichkeit der Medikamente ermutigende Resultate erzielt werden. Saquinavir/r erhielt im August 2002 die Zulassung in der EU. Viracept (Nelfinavir), ein weiterer Proteasehemmer, wird von Roche ausserhalb der USA und Kanada angeboten. Als Medikament der ersten Wahl zur Behandlung der HIV-Infektion ist Viracept ein sicheres Medikament mit anhaltend guter Langzeitwirkung. Bei dieser Anwendungsart gestattet Viracept aufgrund seines einzigartigen Resistenzmusters zudem bei den meisten Patienten die anschliessende Verwendung von Anti-HIV-Medikamenten aus den Klassen der nichtnukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer und der Proteasehemmer.
Über Roche
Roche ist unter
den forschenden Firmen im Gesundheitssektor eines der weltweit führenden Unternehmen mit Hauptsitz in
Basel, Schweiz. Die beiden Kernbereiche der Firma – Pharma und Diagnostics – bringen innovative Produkte
und Dienstleistungen für die Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten auf den Markt und tragen
zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität bei. Die zwei Kerngeschäfte erzielten in den ersten
drei Quartalen von 2002 einen Umsatz von 19,3 Milliarden Schweizer Franken und beschäftigten weltweit
rund 57 000 Mitarbeitende.
Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.
* Eine vollständige Auflistung der Bedingungen und Konditionen finden Sie unter www.roche-hiv.com.
Hintergrundinformation
Die
folgenden Länder sind von der UNO als am wenigsten entwickelt bezeichnet worden:
Äquatorialguinea,
Äthiopien, Afghanistan, Angola, Bangladesch, Benin, Bhutan, Burkina Faso, Burundi, Demokratische Republik
Kongo, Djibouti, Eritrea, Gambia, Guinea, Guinea Bissau, Haiti, Jemen, Kambodscha, Kapverdische Inseln,
Kiribati, Komoren, Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Malediven, Mali, Mauretanien, Moçambique, Myanmar,
Nepal, Niger, Rwanda, Sambia, Samoa, Senegal, São Tomé und Principe, Sierra Leone, Salomon-Inseln, Somalia,
Sudan, Togo, Tschad, Tuvalu, Uganda, Tanzania, Vanuatu, Volksrepublik Laos und Zentralafrikanische Republik.
Weitere
afrikanische Länder südlich der Sahara, die nicht auf der UNO-Liste der am wenigsten entwickelten Länder
aufgeführt sind und für die das niedrigste Preisniveau der Preise ohne Gewinn anwendbar ist:
Botswana,
Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Kamerun, Kenya, Kongo, Mauritius, Namibia, Nigeria, Simbabwe, Südafrika
und Swaziland.
Volkswirtschaften mit niedrigem Einkommen – Quelle: Klassifizierung von Volkswirtschaften der Weltbank1
Armenien, Aserbeidschan, Demokratische Republik Korea, Georgien, Indien, Indonesien, Moldavien, Mongolei, Nicaragua, Pakistan, Republik Kyrgyz, Tadschikistan, Ukraine, Usbekistan, Vietnam.
Volkswirtschaften
mit niedrigem mittleren Einkommen1,2
Ägypten,
Albanien, Algerien, Belarus, Belize, Bolivien,
Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Bundesrepublik Jugoslawien, China, Dominikanische Republik, Ecuador,
El Salvador, Fidschi, Guatemala, Guyana, Honduras, Iran, Irak, Jamaika, Jordanien, Kasachstan, Kolumbien,
Kuba, Marokko, Marschall-Inseln, Mazedonien FYR, Mikronesien, Papua-Neuguinea, Paraguay, Peru, Philippinen,
Rumänien, Russische Föderation, Sri Lanka, St. Vincent und Grenadinen, Surinam, Syrische Arabische Republik,
Thailand, Tonga, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, West Bank und Gaza.
1 Volkswirtschaften,
die von der UNO nicht anderweitig als „am wenigsten entwickelt“ klassifiziert worden sind.
2
Volkswirtschaften, die nicht bereits in der obenstehende Liste von Ländern südlich der Sahara aufgeführt
sind, für die Selbstkostenpreise anwendbar sind.
Weitere Informationen über die von der WHO als wesentlich definierten Medikamente.