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Glossary

Angefangen bei A wie "Abmagerung" bis hin zu Z wie "Zytostatika" bieten wir Ihnen kurze Erklärungen für Fachbegriffe aus Medizin und Wissenschaft – in klaren und einfachen Worten.




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Osteoporose
Definition

Erkrankung des Skelettsystems mit Verlust oder Verminderung von Knochensubstanz und -struktur und erhöhter Anfälligkeit für Knochenbrüche.

Ursachen

Die Ursachen der primären Osteoporose (Osteoporose ohne Grunderkrankung) sind bisher weitgehend ungeklärt. Ein Mangel des Hormons Östrogen, bei der Frau insbesondere nach der Menopause, und fehlende körperliche Bewegung können von ursächlicher Bedeutung sein. Die sekundäre Osteoporose (Osteoporose als Folgeerkrankung) kann durch folgende Grunderkrankungen entstehen: Erkrankungen des Stoffwechsels (z. B. Diabetes mellitus), erbliche Bindegewebeerkrankungen, komplexe Knochenkrankheiten (z. B. renale Osteopathie und intestinale Osteopathie) und Krebserkrankungen (vor allem des Knochenmarks). Sekundäre Osteoporose kann auch medikamentös verursacht (z. B. durch Glukokortikoide) oder auf körperliche Inaktivität (z. B. Bettruhe, Lähmung einer Körperhälfte) zurückzuführen sein.

Symptome

1. Bei einer Osteoporose im Vorstadium kommen weder Knochenbrüche noch Wirbelverformungen vor. Festzustellen ist jedoch die deutliche Verminderung der Knochenmasse gegenüber der alters- und geschlechtsentsprechenden Norm.

2. Die ausgeprägte Osteoporose ist gekennzeichnet durch mindestens einen Wirbelbruch bei geringfügiger oder fehlender Verletzung und evtl. zusätzliche Knochenbrüche. In schweren Fällen kommt es zu Rumpfverkürzung, Rundrücken, queren Hautfalten in der Flankenregion und chronischem Schmerzsyndrom besonders im Rumpfbereich. Die vier klinischen Stadien orientieren sich an dem Mineralgehalt der Knochen und dem radiologischen Befund der Wirbelsäule (vgl. Radiologie). Von Bedeutung ist hierbei der so genannte T-Score. Er beschreibt die Abweichung der Knochendichte vom Mittelwert junger gesunder Erwachsener mit dem Wert der Standardabweichungen (SD).
Stadium 0: Osteoporose im Vorstadium (Knochenmineralgehalt vermindert, T-Score -1 bis -2,5 SD), keine Knochenbrüche;
Stadium I: Osteoporose ohne Knochenbrüche (Knochenmineralgehalt vermindert, T-Score kleiner als -2,5 SD), keine Knochenbrüche;
Stadium II: manifeste Osteoporose mit Knochenbrüchen (Knochenmineralgehalt vermindert, 1-3 Wirbelkörperbrüche ohne äussere Gewalteinwirkung;
Stadium III: fortgeschrittene Osteoporose (Knochenmineralgehalt vermindert, zahlreiche Wirbelkörperbrüche, häufig zusätzliche Knochenbrüche).

Diagnose

Verminderung der Knochenmasse in der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie), Grund- und Deckplatteneinbrüche der Wirbelkörper, Keilwirbel, Fischwirbelbildung, evt. feingewebliche Untersuchung einer Knochenprobe aus dem Beckenkamm, Laboruntersuchungen des Blutserums (Calcium, Phosphor, alkalische Phosphatase) sind unauffällig.

Therapie

Veranlassung zur Behandlung
1. Osteoporose ohne Knochenbrüche sollte spätestens ab Stadium I behandelt werden bzw. ab einem Rückgang der Knochendichte um mehr als 2,5 Standardabweichungen vom Mittelwert der Knochendichte eines jungen Erwachsenen; 2. Eine Behandlung ist angezeigt bei ausgeprägter Osteoporose mit Wirbelkörperbrüchen.

Medikamentöse Therapie
Primäre Osteoporose und postmenopausale Osteoporose der Frau:

Stadium 0
Basisprogramm (Risikofaktoren reduzieren, calciumreiche Ernährung, Steigerung der körperlichen Aktivität, Gymnastik, Calciumzufuhr), Hormonersatztherapie mit einer Kombination von Östrogenen und Gestagenen. Liegt kein menstrueller Zyklus mehr vor, kann jederzeit mit der Einnahme begonnen werden. Eine Hormonersatztherapie sollte evt. ergänzt werden mit Calcium, bei höherem Alter der Frau zusätzlich mit Vitamin D3 (vgl. Calciferole) oder durch eine feste Kombination von Calcium und Vitamin D.

Stadium I
Basisprogramm (s. oben), zusätzlich zur Hormonsubstitution und Calciumgabe Fluoride; alternativ Bisphosphonate.

Stadium II
Basisprogramm (s. oben), Schmerzmittel (Analgetika); bei inaktiver Osteoporose bzw. niedriger Knochenstoffwechselrate können die Knochen bildenden Zellen (Osteoblasten) mit Fluoriden oder Natriumfluorid angeregt werden. Im akuten Schub mit z. B. frischen Knochenbrüchen bzw. bei hohem Umsatz im Knochenstoffwechsel erfolgt die Therapie mit Calcium, Hormonen (Östrogene plus Gestagene, Calcitonin), Vitamin-D-Stoffwechselprodukten (z. B. Alfacalcidol) oder Bisphosphonaten.

Stadium III
Therapie wie bei Stadium II. In Abhängigkeit von Lebensalter und Allgemeinzustand evt. nur symptomorientierte Therapie (Schmerzmittel); evt. Anabolika; bei erhöhtem Risiko eines Schenkelhalsbruchs Calcium und Vitamin D.

Operative Therapie
Operative Versorgung von Knochenbrüchen, z. B. künstliches Hüftgelenk bei Schenkelhalsbruch.

Sonstige Massnahmen
1. Stabilisierende Krankengymnastik: Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie Gleichgewichtsschulung in Kombination mit isometrischen Bewegungsübungen; 2. Atemtherapie bei häufig vorkommender eingeschränkter Atembeweglichkeit; 3. Ausüben von Druck- und Zugkräften als Anregung zum Wiederaufbau der Knochensubstanz; 4. Thermotherapie mit Fangopackungen oder Kurzwellenbestrahlung und Bädertherapie (Melisse- oder Baldrianbad) zur Verbesserung der Durchblutung und Reduzierung der Schmerzwahrnehmung; 5. regelmässiger, massvoller Aufenthalt in der Sonne oder künstliche Lichtbäder (s. Lichttherapie); 6. Ergotherapie; 7. calciumreiche Ernährung (Milchprodukte); Alkohol und Nikotin meiden.

Hinweise
1. Langfristige Bettruhe bei osteoporotischem Wirbelkörperbruch ist im Allgemeinen nicht geboten. 2. Unzureichende Schmerzmitteleinnahme fördert körperliche Inaktivität und den Verlust von Knochensubstanz (Inaktivitätsosteoporose). 3. Ein Nutzen der Magnetfeldtherapie bei Osteoporose ist wissenschaftlich nicht gesichert. 4. Zur Behandlung einer sekundären Osteoporose gehört die Behandlung der Grunderkrankung.

Prävention

Risikofaktoren sollten soweit wie möglich reduziert werden. Vorbeugende Massnahmen sind calciumreiche Ernährung (Milchprodukte), zusätzliche Calciumzufuhr, Steigerung der körperlichen Aktivität durch z. B. Gymnastik. Alkohol und Nicotin sollten gemieden werden. Eine mässige Sonnenexposition ist sinnvoll.

Lexikon-Einträge: Roche und Walter de Gruyter, Berlin