Glossary
Angefangen bei A wie "Abmagerung"
bis hin zu Z wie "Zytostatika" bieten wir Ihnen kurze Erklärungen für Fachbegriffe aus Medizin
und Wissenschaft
– in klaren und einfachen Worten.
I. E.
Abkürzung für 1. Insulineinheit; 2. Internationale Einheit; z. B. der Enzymaktivität oder der Menge eines Antibiotikums, die in 1 ml Nährmedium das Wachstum eines Testbakteriums gerade noch hemmt. Bei chemisch reinen Substanzen erfolgt die Angabe in Gewichtseinheiten (Gramm, Milligramm, Nanogramm), unabhängig von der Testmethode (absolute Masseinheit).
Icterus gravidarum
Auch Hepatopathia gravidarum, lateinischer Ausdruck für Schwangerschaftsgelbsucht.
Es bestehen zwei unterschiedliche Formen der Schwangerschaftsgelbsucht:
1. Icterus in graviditate (Gelbsucht während der Schwangerschaft, bei der die Ursache unabhängig von der Schwangerschaft ist)
Diese Erkrankung tritt bei akuter Hepatitis, akuter Leberzellzerstörung, Leberzirrhose, Gallenstein-(Verschluss-)Gelbsucht und Auflösung der roten Blutkörperchen auf.
2. Icterus e graviditate (Gelbsucht aufgrund der Schwangerschaft bei der die Ursache durch die Schwangerschaft selbst bedingt ist)
Diese Erkrankung tritt bei akuter Fettleber, Schwangerschaftserkrankung (Gestose) mit HELLP-Syndrom (Auflösung der roten Blutkörperchen und erhöhte Leberwerte), Gallenstauung innerhalb der Leber (auch bei Einnahme hormonaler Verhütungsmittel - Pille- beobachtet) auf. Die Frühgeburtenrate liegt bei 20 %, die Neugeborenensterblichkeit bei 10 %.
Icterus neonatorum
Auch Neugeborenengelbsucht.
Eine Gelbsucht (s. Ikterus) in der ersten Lebenswoche ist normal. Das Bilirubin steigt in den ersten Lebenstagen zunächst an, erreicht am 3.-5. Lebenstag sein Maximum und fällt dann innerhalb von 2-3 Wochen auf den Normalwert ab. Bei Frühgeborenen treten höhere Werte auf und die Gelbsucht bleibt länger bestehen. In mittelschweren Fällen kann eine Phototherapie sinnvoll sein. In schweren Fällen oder wenn eine Phototherapie nicht anschlägt, muss eine Austauschtransfusion des gesamten Blutes erwogen werden.
IDL
Abkürzung für (englisch) intermediate density lipoproteins
Lipoproteine mittlerer Dichte. Sie sind an Transport und Verteilung von Cholesterol beteiligt. IDL sind Vorläufer der LDL (Lipoproteine niedriger Dichte) und entstehen aus VLDL (Lipoproteinen sehr niedriger Dichte).
Ikterus
Auch Gelbsucht.
Durch den Übertritt von Gallenbestandteilen zunächst ins Blut und dann in die Haut, die Bindehaut der Augen und das übrige Körpergewebe entsteht die typische Gelbfärbung, die der Krankheit ihren Namen verliehen hat.
Die Gelbsucht ist ein Krankheitszeichen, das bei verschiedenen Erkrankungen auftreten kann. Sie wird sichtbar, sobald die Gallenfarbstoffe im Gewebe eine bestimmte Konzentration überschreiten. Zuerst sichtbar wird sie an den Augen.
Die Einteilung der Gelbsucht kann einerseits nach dem Ort erfolgen, an dem sich die auslösende Ursache abspielt (vor der Leber gelegen, innerhalb der Leber gelegen oder hinter der Leber gelegen) oder sich andererseits auf die Krankheitsursache beziehen. Hierbei unterscheidet man 5 verschieden Formen:
1. Produktionsgelbsucht: bei erhöhter Produktion der Gallenfarbstoffe.
2. Transportgelbsucht: Störung des Transports der Gallenfarbstoffe.
3. Konjugationsgelbsucht: Störung des Abbaus der Gallenfarbstoffe.
4. Ausscheidungsgelbsucht: Störung der Ausscheidung der Galle in die Gallengänge, z. B. bei Leberentzündungen, Schrumpfleber, alkohol- oder drogenbedingter Leberentzündung, Schwangerschaft oder nach Einnahme bestimmter Medikamente.
5. Verschlussgelbsucht: Störung des Gallentransports durch teilweisen oder vollständigen Verschluss der Gallengänge, z. B. bei Gallengangkrebs, Gallensteinen oder Entzündung der Gallengänge. Die in der Leber gebildete Gallenprodukte können nicht oder nur geringfügig in den Darm abfliessen und treten daher in das Blut über.
Diagnose: Laborchemische Untersuchungen: Leberfunktionsproben mit Bestimmung der Leberwerte. Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchung der Leber, eventuell Darstellung der Gallengänge durch Röntgenbild.
Immunabwehr
Fähigkeit des Organismus zur spezifischen Abwehr von Antigenen durch das Immunsystem mit Hilfe spezifischer Antikörper (humorale Immunabwehr) bzw. T-Lymphozyten, die körperfremde Zellen zerstören können (zellvermittelte Immunabwehr).
Immundefektsyndrom, erworbenes
S. AIDS.
Immundefizienzvirus, humanes
S. HIV.
Immunität
Unempfänglichkeit des Organismus für eine Infektion mit speziellen Krankheitserregern und Schutz vor der Wirkung bestimmter Gifte durch Abwehrmechanismen. Man unterscheidet:
1. unspezifische Immunität: Grundsätzlich vorhandene Schutzmechanismen des Körpers gegen Fremdstoffe. Z. B. Haut, Schleimhaut, körpereigene Zellen und chemische Substanzen, die gegen Krankheitserreger oder Gifte wirken. Die funktionierende unspezifische Immunität des Menschen bewirkt, dass er an bestimmten Erkrankungen (wie z. B. Hundestaupe) nicht erkrankt.
2. spezifische Immunität: Abwehrmechanismen, die sich nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger oder einem Gift entwickelt. Nach dem Erstkontakt werden bestimmte Abwehrzellen gebildet, die zum Teil lebenslang Informationen zur Abwehr bestimmter Krankheitserreger oder Gifte bewahren. Aktive Impfungen durch die Gabe von abgetöteten oder geschwächten Erregern bewirken die Entstehung dieser spezifischen Immunität gegen die Erreger.
Immunsystem
Das Immunsystem des Menschen hat die Aufgabe, körperfremde Substanzen und veränderte körpereigene Zellen (z.B. Krebszellen) abzuwehren, um den Organismus gesund zu halten. Die Abwehr erfolgt durch spezialisierte weisse Blutkörperchen (vgl. Fresszellen, B-Zellen, T-Zellen) und durch die Bildung von Antikörpern.
Impfkalender
auch Impfplan genannt
Festgelegte Reihenfolge der in der Schweiz von der Schweizerischen Kommission für Impffragen (Abkürzung SKIF), in Deutschland von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Abkürzung STIKO) und in Österreich vom obersten Sanitätsrat (Impfausschuss) empfohlenen Impfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit dem Ziel einer Unempfindlichkeit (Immunität) gegen wichtige Infektionskrankheiten. Für Erwachsene und bestimmte Personengruppen gelten besondere Empfehlungen für Auffrisch- und Erstimpfungen (z. B. vor Reisen, bei Risikogruppen). Vgl. Schutzimpfung.
Impfkomplikation
Über die normale Impfreaktion oder Impfkrankheit hinausgehende, oft therapiebedürftige Erkrankung aufgrund einer Impfung. In seltenen Fällen kann diese auch zu bleibenden Schäden führen. Impfkomplikationen können durch das Impfantigen selbst oder die im Impfstoff enthaltenen Hilfsstoffe verursacht werden. Die Poliomyelitis-Schluckimpfung (Kinderlähmung) beispielsweise mit vermehrungsfähigem, lebendem, jedoch abgeschwächtem Impfstoff (nach Sabin) kann eine Impfpoliomyelitis oder Kontaktimpfpoliomyelitis bei engem Kontakt mit dem Impfling hervorrufen. Dementsprechend wird die Poliomyelitis-Impfung nur noch mit der inaktivierten Polio-Vakzine (IPV) nach Salk empfohlen. Vgl. Schutzimpfung.
Impfstoff
s. Vakzine
Impfstoff, polyvalenter
Vakzine aus einem Gemisch verschiedener Impfantigene der Typen eines Erregers (z. B Influenza-Virus, Poliomyelitis-Virus). Vgl. Kombinationsimpfstoff, Schutzimpfung.
Impfung
s. Schutzimpfung
Impotenz
s. Erektionsstörung
in vivo
im lebenden Körper
Indizes für rote Blutkörperchen
Untersuchungen, die Hinweise über die Größe, das Gewicht und den Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen liefern; zu den Indizes gehören das mittlere korpuskuläre Volumen, das mittlere korpuskuläre Hämoglobin und die mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration; diese Tests dienen der Diagnose und der Klassifizierung der verschiedenen Anämietypen
Infarkt
bezeichnet das Absterben von Gewebe aufgrund einer Unterbrechung der Versorgung mit sauerstoffangereichertem Blut.
Ein Infarkt ist eine unumkehrbare Veränderung von Zellen mit folgendem Untergang des Organteils oder Gewebes durch Ischämie infolge eines akuten Arterienverschlusses bei Fehlen eines den Verschluss kompensierenden Umgehungskreislaufs. Die meist keilförmige Form des Infarkts zeigt mit der Spitze gegen den Gefässverschluss und entspricht dem Verteilungsgebiet der verschlossenen Arterie. Bei einem Infarkt am Herzen spricht man von einem Herzinfarkt.
Infekt, grippaler
Unspezifische Sammelbezeichnung für fieberhafte Allgemeinerkrankungen mit unterschiedlicher Ursache, meist mit mehr oder weniger starker Beteiligung der oberen Atemwege oder (seltener) des Magen-Darm-Trakts. S. Erkältungskrankheiten, Grippe.
Infektion
Übertragung, Haftenbleiben und Eindringen von Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze und andere) in einen so genannten Wirt (Pflanze, Tier, Mensch) und Vermehrung in ihm. Eine Infektion bildet die Voraussetzung für die Entstehung einer Infektionskrankheit und wird von den infektiösen Eigenschaften des Mikroorganismus wie Übertragbarkeit, Haftfähigkeit, Eindringungsvermögen, Vermehrungsvermögen wesentlich bestimmt. Entstehung und Verlauf einer Infektionskrankheit hängen ausserdem von der Empfänglichkeit bzw. Unempfänglichkeit und von der Abwehr- und Überwindungskraft (Immunität) des Wirts ab. Eine Grippe ist die Folge einer Virusinfektion.
Infektionen, opportunistische
Infektionen mit Mikroorganismen, die speziell Menschen mit beieinträchtigtem Immunsystem befallen. Menschen mit gesunden Immunsystem erkranken nicht an opportunistischen Infektionen.
Erreger opportunistischer Infekte sind für Menschen mit Immunschwächekrankheiten (z.B. AIDS) oder solchen, die unter immunsuppressiver Therapie (z.B. nach Organtransplantation) stehen, gefährlich.
Zu den häufigen opportunistischen Infektionen bei an AIDS-Erkrankten zählen die Lungenentzündung durch die Erreger Pneumocystis carinii und Aspergillus fumigatus oder Infektionen mit dem Zytomegalie-Virus.
Infektionen, sexuell übertragbare
Ansteckende Krankheiten, die über Sexualverkehr verbreitet werden. Dazu gehören neben AIDS, Syphilis und Gonorrhoe auch bestimmte Entzündungen und Herpes im Genitalbereich sowie Hepatitis.
Vorkommen: Pro Jahr kommt es zu ca. 340 Mio. Neuinfektionen weltweit. Am stärksten betroffen sind Personen im Alter von 20-24 Jahren.
Infektionsschutzgesetz
Ein Gesetz, das zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen dient. Es regelt u.a., dass ansteckende Krankheiten gemeldet werden müssen (namentlich oder anonym), um die Ausbreitung gefährlicher Erkrankungen zu verhindern.
Infektkette
Die Infektkette beschreibt die Übertragungswege von Krankheitserregern bei Infektionskrankheiten.
Formen:
I. homogene (gleichartige) Infektkette:
Hierbei erfolgt die Übertragung der Erreger von Warmblüter zu Warmblüter. Man unterscheidet Infektketten, die sich auf eine Warmblüterart beschränken, wie die Tröpfcheninfektion und die Kontaktinfektion, die sich als Schmierinfektion, als Geschlechtskrankheit, über den Mutterkuchen (Plazenta) oder durch den Arzt verursacht ausbreiten und die Infektketten, bei denen Übertragung vom Tier auf den Menschen erfolgt.
II. heterogene (verschiedenartige) Infektkette:
Hier erfolgt die Übertragung der Erreger auf Warmblüter durch Insekten oder Spinnentiere.
Auch hier unterscheidet man Erkrankungen, die sich auf eine Warmblüterart beschränken von Krankheiten, die von einem Warmblüter auf den anderen übertragen werden können (Tier Tier, Tier Mensch, Mensch Mensch).
Influenza
s. Grippe
Influenza-Virus
auch Grippe-Virus genannt
Grippe auslösendes Virus. Unterteilung durch ein antigenisch wirksames Protein in die Typen A, B und C. Influenza-Viren des Typs A werden nach den Unterschieden der auf der Virushülle lokalisierten Oberflächenantigene Neuraminidase (N) und Hämagglutinin (H) in weitere Subtypen unterteilt und zeichnen sich durch eine erhebliche Antigenveränderlichkeit aus (vgl. Antigenshift, Antigendrift). Sie kommen beim Menschen und daneben auch bei Schweinen, Vögeln und Pferden vor. Bisher wurden 14 verschiedene Hämagglutinine und 9 verschiedene Neuraminidasen beschrieben. Bei für Menschen infektiösen Influenza-Viren des Typs A sind vor allem die Hämagglutinine H1, H2 und H3 sowie die Neuraminidasen N1 und N2 nachgewiesen worden. Die Spanische Grippe wurde z. B vom Influenza-Virus A des Subtyps H1N1 ausgelöst. Im Mai 1997 wurde jedoch in Hongkong bei einem gestorbenen Kind ein Influenza-Virus A des Subtyps H5N1 gefunden, das zuvor nur einige Vogelarten infiziert hatte. Dies führte zu einer intensiven Überwachung des Subtyps bis Ende 1997 und zur Entdeckung von 15 weiteren Todesfällen in Hongkong. Es wird vermutet, dass die Infektion mit dem Virus durch den Kontakt von Menschen mit infizierten Vögeln zustande kam.
Duch die ausgeprägte Antigenveränderlichkeit des Influenza-Virus können im Rahmen einer vorausgegangenen Immunisierung gebildete Antikörper des Menschen ihre Spezifität für das Antigen und damit ihre Schutzwirkung verlieren. Die Antigenveränderlichkeit verhindert auch die Entwicklung eines konstanten allgemein wirksamen Standardimpfstoffs. Die Übertragung der Viren erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Im Rahmen der Vorbeugung kann eine Grippeschutzimpfung durchgeführt werden. (vgl. Schutzimpfung, Viren).
Inselzellkarzinom
Sehr seltener bösartiger Tumor, der von den Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse ausgeht. Das Inselzellkarzinom entwickelt sich aus einer gutartigen Vorform, dem so genannten Insulinom. Die Tumorzellen des Insulinoms produzieren unkontrolliert das Blutzucker senkende Insulin, was zu Symptomen der Unterzuckerung (z. B. Schweissausbruch, Herzrasen, Bewusstseinsstörungen) führen kann.
Insuffizienz
Ungenügende Leistungsfähigkeit eines Organs.
Insulin
In den B-Zellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildetes Hormon, das Blutzucker senkend wirkt und an der Einstellung der normalen Blutzuckerkonzentration im Körper von ca. 3,9-6,4 mmol/l (70-115 mg/dl) beteiligt ist. Insulin wirkt nur auf Leber, Muskel- und Fettgewebe. In Muskel- und Fettgewebe sorgt Insulin für den Transport von Glukose und Aminosäuren in die Zellen. Die Aufnahme von Glukose in die Zellen bewirkt ein Absinken der Blutzuckerkonzentration. In allen drei Geweben unterstützt Insulin sowohl die Produktion von Glykogen, der Speicherform der Glukose, als auch den Aufbau von Proteinen (Proteinbiosynthese). Zudem bewirkt Insulin den Transport von Kaliumionen in die Zellen. Die Lipolyse (Spaltung von Fetten) wird durch Insulin gehemmt. In der Leber werden unter dem Einfluss von Insulin wichtige Enzyme für den Abbau von Glukose (Glykolyse) bereitgestellt.
Therapie
Therapeutisch wird Insulin bei insulinpflichtigem Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes eingesetzt, der durch erhöhten Blutzucker (Hyperglykämie) und einem Mangel an Insulin oder unzureichender Insulinwirkung gekennzeichnet ist. Bei der Insulintherapie können Antikörper gegen das verabreichte Insulin gebildet werden, so dass besonders bei Neueinstellung gentechnisch hergestelltes Humaninsulin zu bevorzugen ist. Neben kurz wirkendem Insulin (so genanntes Altinsulin sowie Insulinanaloga) wird Verzögerungsinsulin (so genanntes Depotinsulin) mit unterschiedlichem Wirkungsablauf eingesetzt. Da bei der Einnahme (oral) von Insulin Verdauungsenzyme das Insulin sofort inaktivieren würden, erfolgt die Insulintherapie bei Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes unter Umgehung des Verdauungskanals (z. B. durch Injektionen unter die Haut oder direkt in die Venen). Vgl. Insulinrezeptor, Insulinresistenz, Kohlenhydratstoffwechsel.
Insulin-Glukose-Toleranztest
Diagnostischer Test zur Funktionsprüfung des Hormonsystems bestehend aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde (wichtige Orte der Hormonproduktion). Nach der Gabe des Hormons Insulin und Glukose wird die Blutzuckerkonzentration in bestimmten Zeitabständen gemessen. Der gemessene Blutzuckerwert fällt bei gesunden Menschen zunächst stark ab und steigt dann aufgrund der Hormonwirkungen der Insulinantagonisten (Gegenspieler) deutlich an. Nach drei Stunden erreicht die Blutzuckerkonzentration wieder den Ausgangswert. Bei Erkrankung der Hypophyse und bei schwacher Nebennierenrindenfunktion ergibt sich ein flacher Kurvenverlauf. Die Veränderungen der Blutzuckerkonzentrationen über die Zeit sind aufgrund eingeschränkter Hormonwirkungen schwächer ausgeprägt. Vgl. Gegenregulation, diabetische.
Insulinantagonisten
Körpereigene Stoffe der diabetischen Gegenregulation, die vermehrt bei erniedrigter Blutzuckerkonzentration (Hypoglykämie) ausgeschüttet werden (z. B. Glukokortikoide, Glucagon, Adrenalin und Noradrenalin).
Insulineinheit
Abkürzung I. E.
Internationale Einheit der Menge an Insulin, die der Aktivität eines biologischen Standardpräparats von ca. 41,67 Mikrogramm entspricht. 1 mg kristallisiertes Insulin entspricht 28 I. E.
Insulininfusionssysteme
Elektrisch betriebene Pumpsysteme zur kontinuierlich geregelten Dauerinfusion von Insulin (und ggf. Glukose). Die Insulinzufuhr erfolgt im Allgemeinen über einen unter der Haut bzw. in einer Vene liegenden flexiblen dünnen Kunststoffkatheter oder durch einen Zugang in den Bauchraum.
Bedeutung
Der Blutzucker kann auf möglichst gleichmässig normale Werte bei Personen mit insulinpflichtigem Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes eingestellt werden (mit herkömmlicher Insulin-Injektionsbehandlung nur selten möglich). Die kontinuierliche Infusion von Insulin, besonders auch nachts, trägt vermutlich erheblich zur Stabilisierung der Stoffwechsellage bei. Die bessere Blutzuckereinstellung auch nach Beendigung der therapeutischen Anwendung von Insulininfusionssystemen erklärt sich möglicherweise unter anderem durch gesteigerte Empfindlichkeit des Insulinrezeptors infolge Stoffwechseloptimierung.
Klinisch relevante Systeme
1. Blutzuckerkontrollierte computergesteuerte Insulin- und Glukoseinfusionssysteme (closed loop systems) ahmen das Insulinabgabemuster eines gesunden Menschen nach und bestehen prinzipiell aus Glukosefühler zur Messung der Blutzuckerkonzentration, Rechnereinheit zur Bestimmung der zu verabreichenden Insulindosis entsprechend der Vorgabe und Insulin-Glukose-Dosiereinheit. Dieses System kommt hauptsächlich im Krankenhaus zur Anwendung, z. B. bei diabetischem Koma, Operation, Entbindung von Diabetikerinnen und zur Neu- bzw. Schnelleinstellung insulinpflichtiger Diabetiker. 2. Tragbare, batteriebetriebene Insulininfusionssysteme ohne Glukosefühler (open loop systems). Mit der so genannten Insulinpumpe ist neben der kontinuierlichen Insulininfusion die steuerbare, bedarfsgerechte Insulinzufuhr vor und zu den Mahlzeiten möglich (entsprechend der in Eigenkontrolle ermittelten aktuellen Blutzuckerkonzentration). Diese Geräte können ca. eine Stunde pro Tag abgenommen werden. Bei guter Blutzuckereinstellung kann die Person Ernährungsweise und Tagesablauf relativ frei gestalten.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen können bei langdauernder ambulanter Anwendung sein: technische Probleme (z. B. Katheterknickung oder -ausriss), lokale Schmerzen und Verhärtungen.
Insulinresistenz
Insulinresistenz ist ein gestörtes bzw. ineffizientes Zusammenspiel zwischen Insulin und Insulinrezeptor. Die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Zellen ist dadurch gestört. Insulinresistenz ist von hohen Insulinwerten trotz normaler oder erhöhter Blutzuckerkonzentration gekennzeichnet.
Folge
Mehrbedarf an Insulin (über 80 I. E./Tag) zur Stoffwechseleinstellung bei Typ 2 Diabetes. Vgl. Insulinsensitizer.
Insulinrezeptor
Bindungsstelle für Insulin an der Zellmembran (Leber-, Muskel- und Fettzellen). Nach der Bindung von Insulin wird daraus der Insulin-Rezeptor-Komplex, der in das Zellinnere aufgenommen wird. Der Insulin-Rezeptor-Komplex veranlasst eine erhöhte Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Zelle. Dadurch wird die Blutzuckerkonzentration gesenkt.
Insulinsensitizer
Insulinsensitizer sind Antidiabetika zur Senkung der Insulinresistenz. Sie erhöhen die Blutzuckeraufnahme des Muskel- und Fettgewebes und werden bei Typ 2 Diabetes sowie metabolischem Syndrom angewendet.
Insulintherapie
Behandlung des Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes durch Zufuhr von Insulin mit dem Ziel einer befriedigenden Einstellung der Blutzuckerkonzentration von unter 160 mg/dl Blut vor den Mahlzeiten und zwei Stunden danach.
Formen
1. Konventionelle Insulintherapie: in der Regel starres Schema von 2-3 Injektionen einer vorgegebenen Mischung aus Intermediärinsulin (verzögernd wirkend) und Normalinsulin (rasch wirkend) morgens, evtl. mittags und abends. Auf schwankende Blutzuckerwerte ist diese Variante nicht optimal abstimmbar. 2. Intensivierte Insulintherapie: zweimalige Injektion eines Intermediärinsulins morgens und spät abends und zusätzlich eines Normalinsulins zu den Mahlzeiten. Die Dosis des Normalinsulins wird angepasst an den Kohlenhydratgehalt der Nahrung und den vor der Mahlzeit gemessenen Blutzuckerwert. Mit diesem so genannten Basis-Bolus-Prinzip wird die Ausschüttung von Insulin des Gesunden imitiert. 3. Insulintherapie mit Insulininfusionssystemen.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Unterzuckerung (Hypoglykämie), Fettgewebeveränderungen an der Einstichstelle, selten Schwellungen.
Insulintoleranztest
Testverfahren zur Diagnose der Insulinresistenz, d. h. der verminderten Wirksamkeit des Insulins.
Prinzip
Nach intravenöser Injektion von 0,1 I. E. (Internationale Einheiten) Insulin pro Kilogramm Körpergewicht sinkt die Blutzuckerkonzentration normalerweise nach 30 Minuten auf maximal 40 % des Ausgangswerts. Bei Insulinresistenz fällt die Blutzuckerkonzentration erst bei höherer Dosis (0,3-1 I. E. pro Kilogramm Körpergewicht auf maximal 80 % des Ausgangswerts.
Komplikation
Hypoglykämischer Schock; klinische Überwachung ist notwendig.
Interferon alpha
Auch natürliches humanes Leukozyten-Interferon, IFN-a.
Gruppe körpereigener Eiweissstoffe, die Zellen bilden und in den Kreislauf abgeben, wenn sie von Viren, Bakterien oder anderen Mikroorganismen infiziert wurden. Interferon alpha entsteht in den weissen Blutkörperchen. Für die Arzneimittelproduktion kann dieser Eiweissstoff nicht nur aus Blutspenden gewonnen werden, sondern auch gentechnisch hergestellt werden. Interferon alpha wird bei schweren Viruserkrankungen (z. B. AIDS, chronischer Hepatitis), bestimmten Krebsarten und Herpes-Infektionen zur Therapie eingesetzt. Interferone können die Vermehrung der Viren blockieren. Interferone stehen bisher nur als Spritzlösungen zur Verfügung. Es gibt verschiedene Gründe, warum Interferone nicht eingesetzt werden dürfen (Kontraindikationen), die mit dem Arzt besprochen werden müssen; einer davon ist eine Eiweissallergie.
Als unerwünschte Wirkungen treten nach einer Interferon-Spritze u. a. häufig ähnliche Symptome auf wie bei einer Grippe und es kann an der Einstichstelle zu Hautreaktionen kommen. Besonders zu Beginn der Behandlung müssen die Blutwerte kontrollieren werden.
Neben Interferon alpha produziert der Körper noch Interferon beta in bestimmten Zellen des Bindegewebes und Interferon gamma in den T-Zellen.
Interferon pegyliertes
Chemisch verändertes Interferon, welches stärker und länger wirksam ist.
Interferone
Botenstoffe aus Eiweissen, die von Zellen nach einer Infektion mit Viren oder Bakterien gebildet werden. Im Körper werden drei grosse Gruppen von Interferonen gebildet: Interferon alpha in den weissen Blutkörperchen, Interferon beta in bestimmten Zellen des Bindegewebes und Interferon gamma in den T-Zellen. Interferone wirken gegen Viren, behindern das Zellwachstum und verändern das Immunsystem - je nach Situation regen sie es an oder dämpfen es. In der Therapie werden gentechnisch hergestellte Interferone gegen Krebserkrankungen und bei verschiedenen Virus-Erkrankungen (z.B. AIDS, chronische Hepatitis) eingesetzt.
Interleukin
Von weissen Blutkörperchen produzierte Signalstoffe des Immunsystems. Sie sind verantwortlich für die durch T-Zellen hervorgerufene zellzerstörende Immunreaktion sowie die Antikörperproduktion durch Aktivierung der B-Zellen.
Interleukin 2
Abk. IL2
Interleukin*, das vor allem in der zellvermittelten Immunität wirkt. Interleukin 2IL2 wird von aktivierten T-Zellen gebildet und aktiviert T- und B-Zellen und natürliche Killerzellen (vgl. T-Killerzelle).
Intervalltherapie
Auch Tablettenpause, Therapieunterbrechung
Therapieform, bei der die Medikamentengabe geplant unterbrochen wird. Ziel einer solchen Unterbrechung ist es, die unerwünschten Arzneimittelwirkungen gering zu halten. Die Pause muss unter Kontrolle durchgeführt werden, damit z.B. bei einer HIV-Infektion die Viruslast nicht zu gross wird.
Intima
Innerste Schicht der Gefässwand der Arterien, Venen und Lymphgefässe.
Intimaödem
Durch Eindringen von Bestandteilen des Blutplasmas entstandene Flüssigkeitsansammlung in der innersten Gewebeschicht von Blutgefässen, Anfangsstadium der Arteriosklerose.
Intimafibrose
Bindegewebevermehrung und daraus resultierende Verdickung der innersten Gewebeschicht von Blutgefässen. Sie kommt z. B. bei Arteriosklerose vor.
Intrinsic Factor
dient zur Aufnahme von Vitamin B12 im Darm. Der Intrinsic Factor ist ein Eiweissmolekül, das in der Magenschleimhaut gebildet wird. Vitamin B12 bindet an den Intrinsic Factor, ist so vor dem Abbau im Darm geschützt und hilft, dass das Vitamin B12 zur Speicherung in die Leber transportiert wird
Inulin
Pflanzliches Reservekohlenhydrat (z. B. in Chicorée- und Dahlienwurzel, Artischocke) aus ca. 5-40 (bis ca. 60) verknüpften Fruktoseeinheiten (s. Fruktose). Die Wasserlöslichkeit und damit die Verfügbarkeit von Inulin für den Organismus sinkt mit steigender Kettenlänge des Inulinmoleküls.
Anwendung
Oligofruktoside (gut wasserlösliches Inulin aus ca. 5-12 Fruktosemolekülen), auch so genannter löslicher Ballaststoff, fördert speziell die Vermehrung der für die Darmfunktion nützlichen Bifidobakterien. Oligofruktoside sind geeignete Kohlenhydrate zur besonderen Ernährung bei Störung der Glukosetoleranz und bei Diabetes mellitus, weil die Aufnahme von Fruktose in die Zelle unabhängig von Insulin ist. So können auch bei schwerem Diabetes mellitus bis zu 30 g Fruktose pro Tag umgesetzt werden.
Involutionsosteoporose
Bezeichnung für Osteoporose der Frau nach dem Ende der Zeit der Regelblutungen (Menopause) bzw. im höheren Alter.
Inzidenz
die Anzahl neuer Fälle eines spezifischen Ereignisses oder die Anzahl Neuerkrankungen innerhalb einer Population in einem bestimmten Zeitraum
Ion
ein Atom oder eine Atomgruppe mit einer elektrischen Ladung
Ischämie
Verminderung oder Unterbrechung der Durchblutung eines Organs, Organteils oder Gewebes infolge mangelnder arterieller Blutzufuhr (z. B. durch Thrombose, Embolie). Die Folge ist eine verminderte Sauerstoffversorgung des betroffenen Gewebes. Bei längerem Bestehen kommt es zur Nekrose, d. h. zur Veränderung von Zellen nach unumkehrbarem Ausfall von Zellfunktionen mit folgendem Untergang des Gewebes. Vgl. Infarkt.
ischämisch
den mangelnden Blutfluss zu einem Organ oder Gewebe betreffend, s. Ischämie
Lexikon-Einträge: Roche und Walter de Gruyter, Berlin