Glossary
Angefangen bei A wie "Abmagerung"
bis hin zu Z wie "Zytostatika" bieten wir Ihnen kurze Erklärungen für Fachbegriffe aus Medizin
und Wissenschaft
– in klaren und einfachen Worten.
B-Lymphozyten
Vgl. B-Zellen.
B-Zellen
Auch B-Lymphozyten.
B-Zellen gehören zu den weissen Blutkörperchen. Sie werden in Knochenmark, Lymphknoten, Thymus und Milz gebildet. Sie haben die Funktion, im Rahmen der Immunantwort des menschlichen Organismus Antikörper zu produzieren. Sie sind Vorstufen der Plasmazellen.
Bakterien
Bakterien sind einzellige Kleinlebewesen ohne echten Zellkern. Sie können die Form von Kugeln (Kokken), Stäbchen (Bazillen) und Schrauben (Spirochäten) haben. Bakterien vermehren sich durch Zellteilung, bei der zwei identische Zellen entstehen. Manche Bakterien können bei ungünstige Bedingungen so genannte Sporen (Dauerstadien) bilden, mit denen sie z. B. extreme Temperaturen überdauern. Viele Bakterien sind Auslöser von Infektionen, während andere Bakterien wichtig für die Bildung der menschlichen Darm- und Hautflora sind.
Ballaststoffe
Gesamtheit der für Menschen unverdaulichen Kohlenhydrate, die als Stütz- und Strukturelemente in Pflanzenzellen vorkommen (z. B. Zellulose).
Wirkungen
1. Die Faserstruktur der Ballaststoffe erfordert längeres, intensiveres Kauen, das für Zahnerhaltung und Vorverdauung von Nahrungsmitteln günstig ist. 2. Das Wasserbindungsvermögen der Ballaststoffe und die damit verbundene Volumenzunahme dient der Aufrechterhaltung der normalen Darmfunktion. Die Darmtätigkeit wird angeregt und die Verweilzeit des Darminhalts verkürzt. Ballaststoffe tragen zur Erhaltung der gesunden Darmflora bei und beugen der Entwicklung von Dickdarmkrebs vor. 3. Die Konzentration von Cholesterol wird gesenkt. 4. Bei Gesunden und Diabetikern ist nach Mahlzeiten eine Senkung der Konzentrationen von Insulin und Glukose im Blut zu beobachten.
Vorkommen
Besonders in Vollkorngetreide, Gemüse (insbesondere Hülsenfrüchte), Kartoffeln und Obst.
Bedarf
Für Erwachsene liegt der Bedarf an Ballaststoffen bei mindestens 30 g/Tag. Bei unzureichender Zufuhr wird z. B. die Entstehung von Verstopfung, Dickdarmkebs, Gallensteinen, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus begünstigt.
Basaliom
Auch Epitelioma basocellulare.
Teilbösartiger Tumor der Haut. Das Basaliom wächst langsam in das umgebende Gewebe hinein, bildet aber keine Metastasen. Es befindet sich meist an Körperstellen, die dem Licht ausgesetzt sind (Gesicht, Hände).
Formen: Vielgestaltige Ausprägung, z. B.
1.knotiges, festes Basaliom: durchscheinende, wachsgelbe bis graurote, halbkugelige Tumore, überzogen von kleinen, erweiterten Hautgefässen (Teleangiektasien) umgeben von perlschnurartig aufgereihten kleinen Knoten; evtl. abgestorbenes Gewebe im Zentrum.
2.oberflächliches Basaliom: gerötete, mit Schüppchen bedeckte Oberfläche, von einem feinknotigen Saum bedeckt, kann auch schon im jungen Alter am Rumpf auftreten oder auch durch Kontakt mit Arsen entstehen.
3.pigmentiertes Basaliom: Basaliom mit einem hohen Anteil an dunklem Hautfarbstoff (Pigment), knotig oder oberflächlich. Kann mit einem bösartigen Tumor der Pigmentzellen (malignes Melanom) verwechselt werden.
4.sklerosierend wachsendes Basaliom: narbenähnliche Herde mit kleinen Knoten im Randbereich, entstehen nach Entfernung häufig neu.
5.exulzerierend wachsendes Basaliom: oberflächliches, geschwürig wachsendes Basaliom.
6.destruierend wachsendes Basaliom: in die Tiefe einwachsendes Basaliom, kann Knochen, Knorpel oder Hirnhäute zerstören.
7.Pinkus-Tumor: Sonderform des Basalioms.
Therapie: Chirurgische Entfernung mit Schnittrand im gesunden Gewebe, evtl. Röntgenbestrahlung.
Base
auch Lauge genannt
Alkalisch (basisch) reagierende chemische Verbindungen, die in wässriger Lösung negativ geladene OH-Ionen abspalten können und mit Säuren Salze bilden, wobei Wasser entsteht. Basen färben rotes Lackmuspapier blau, Phenolphthaleinlösung rot (alkalische Reaktion, pH grösser als 7). Der Begriff Basen wird auch als Sammelbezeichnung für Purin- und Pyrimidinbasen verwendet. Diese sind Bestandteile der Nukleoside und damit der Nukleinsäuren DNA und RNA.
Bauchspeicheldrüse
s. Pankreas
Bayliss-Effekt
Zusammenziehen der glatten Muskulatur der Blutgefässwände als Reaktion bei Druckerhöhung im Gefäss.
BE
Abkürzung für Broteinheit
BED
Abkürzung für (englisch) binge eating disorder
Form der psychogenen Essstörungen, bei der subjektiv unkontrollierbare Essanfälle mindestens zweimal pro Woche über einen Zeitraum von sechs Monaten auftreten. In kurzer Zeit wird viel und wahllos gegessen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl, das von Schuld- und Schamgefühlen begleitet ist. BED kommt oft in Kombination mit Übergewicht und Depressionen vor.
Behandlung, palliative
Lindernde Behandlung im Gegensatz zur heilenden Behandlung. Z. B. bei der Behandlung von Tumoren, die nicht mehr zu operieren sind oder Metastasen gebildet haben, die eine Heilung nicht möglich machen.
Behinderung
Allgemeine Bezeichnung für Einschränkung des Wahrnehmungs-, Denk-, Sprach-, Lern- und/oder Verhaltensvermögens. Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet dabei in Schädigung, (impairment), Funktionsbeeinträchtigung (disability) und Benachteiligung/Behinderung (handicap). Eine Behinderung erfordert entweder besondere individuelle Anstrengungen, um ausgeglichen zu werden oder es müssen fremde Hilfe und/oder Hilfsmittel in Anspruch genommen werden. Im Allgemeinen wird zwischen körperlicher Behinderung ( z.B. Querschnittslähmung), geistiger Behinderung (z.B. extreme Lernschwierigkeiten) und psychischer Behinderung (z.B. aufgrund chronischer psychischer Krankheit) unterschieden.
Belastungselektrokardiographie
Kurzbezeichnung: Belastungs-EKG
Messung körperlicher Leistung, meist auf einem stationären Fahrrad, bei der vor, während und nach möglichst genau dosierter und wiederholbarer Belastung die Aufzeichnung eines Elektrokardiogramms erfolgt.
Anwendung
Vor allem zur Diagnose der koronaren Herzkrankheit.
Gegenanzeigen
Angina pectoris bzw. krankhafte EKG-Veränderungen bereits in Ruhe, maligne Hypertonie, ausgeprägte Herzinsuffizienz, frischer Herzinfarkt.
Berufskrebs
Bezeichnung für eine als Berufskrankheit anerkannte Krebserkrankung, die vor allem durch krebserzeugende Stäube (z. B. Asbest), Gefahrstoffe (z. B. aromatische Amine bei Chemiearbeitern) und ionisierende Strahlung (z. B. Röntgenstrahlen) verursacht wird.
Bestrahlung
S. Strahlentherapie.
Betablocker
s. Betarezeptorenblocker
Betarezeptorenblocker
auch Betablocker, Betasympatholytika oder Betaadrenolytika genannt
Arzneimittel, welche Noradrenalin und Adrenalin an den Rezeptoren (Betarezeptoren) des jeweiligen Erfolgsorgans hemmen.
Wirkungen
1. Am Herzen Verminderung der Kontraktionskraft des Herzmuskels, Abnahme der Frequenz des Herzschlags sowie Abnahme der Erregbarkeit des Herzmuskelgewebes; 2. an der Niere Verminderung der Freisetzung des Enzyms Renin; 3. an der glatten Muskulatur Erhöhung der Muskelspannung; 4. an Leber und Skelettmuskel Verminderung der Glykogenolyse (Bereitstellung von Energie liefernder Glukose); 5. am Fettgewebe Hemmung der Lipolyse (Fettabbau zur Energiegewinnung).
Verwendung
Vor allem bei arteriellem Bluthochdruck (Hypertonie), koronarer Herzkrankheit und chronischer Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche), ferner bei Herzrhythmusstörungen mit beschleunigtem Herzschlag, Überfunktion der Schilddrüse, zur Vorbeugung gegen Migräne und lokal bei grünem Star (Glaukom).
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Z. B. Verlangsamung des Herzschlags, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden. Bei Diabetikern besteht erhöhte Gefahr einer Hypoglykämie (Unterzuckerung).
Gegenanzeigen
Nicht angewendet werden dürfen Betarezeptorenblocker bei z. B. ausgeprägter Verlangsamung des Herzschlags, zu niedrigem Blutdruck und bei schwerer Herzinsuffizienz.
Biguanide
Arzneimittel zur Behandlung von Typ 2 Diabetes zum Einnehmen (orale Antidiabetika).
Wirkungen
Biguanide verzögern die Aufnahme von Glukose aus der Nahrung über den Darm. Ausserdem hemmen sie die Herstellung von Glukose in der Leber (Glukoneogenese) und sie stimulieren den Abbau von Glukose (Glykolyse). Da sie auch weitere biochemische Schritte des Glukoseabbaus (Atmungskette) hemmen, kann dadurch die Milchsäurekonzentration so ansteigen, dass es unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Übersäuerung des Blutes (Laktatazidose, vgl. Azidose) kommen kann. Die genaueren Wirkungsmechanismen sind z. T. noch unklar. Bei Neigung zur Mangelversorgung des Gewebes mit Sauerstoff dürfen Biguanide nicht eingenommen werden.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Unter anderem Magen-Darm-Beschwerden.
Bilirubin
Abbauprodukt eines Bestandteils des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Bilirubin wird in der Leber an einen Trägerstoff gebunden und über die Gallenflüssigkeit in den Darm ausgeschieden. Bei bestimmten Erkrankungen der Leber (z. B. akute Hepatitis und chronische Hepatitis, Leberzirrhose) ist die Ausscheidung von Bilirubin gestört und es kommt zu einer Erhöhung im Blut, in der Haut und in der Bindehaut des Auges. Es kommt dann zur typischen Gelbfärbung von Haut und Augen (s. Ikterus).
Biologicals
Auch Biologics, Biologika oder Biopharmazeutika genannt, sind um ein Vielfaches komplexer als die chemisch klar definierten kleinen Moleküle, die nach wie vor den Großteil der Arzneimittel ausmachen. Biologicals können aus Proteinen (insbesondere Antikörpern), DNA oder RNA bestehen und werden durch biotechnologische Herstellungsverfahren aus lebenden Organismen gewonnen.
Biomarker
Biomarker sind biologische Indikatoren, welche gemessen und verwendet werden können, um normale biologische und/ oder Krankheitsprozesse oder Reaktionen auf Medikamente oder Therapien beurteilen zu können.
Diese weitgefasste Definition schliesst alle diagnostischen Tests, Bildgebungsverfahren und sonstigen objektiven Messgrössen für den Gesundheitszustand eines Menschen ein. Biomarker sind also nichts Neues, doch zahlreiche neue Werkzeuge wie etwa die Proteomik und die Genomik helfen Forschern dabei immer neue Marker zu entdecken, die sich möglicherweise noch mehr dafür eignen die Arzneimittelentwicklung und die Gesundheitsversorgung zu verbessern.
Biopsie
die Entnahme und Untersuchung von Gewebe und Zellen eines lebenden Körpers
Biosimilars
Biosimilars, auch Follow-on Biologics (FOB).
Neue biologische Arzneimittel, die als einem Referenzarzneimittel 'ähnlich' deklariert werden und für die ein unabhängiger Hersteller eine Zulassung beantragt, nachdem das Patent für das Präparat des Originalherstellers abgelaufen ist.
Während kleine chemische Moleküle relativ einfach zu kopieren sind, erfordert es einiges mehr, biologische Arzneimittel zu kopieren, da diese durch äusserst komplexe Herstellungsprozesse in lebenden Zellen gewonnen werden, die schwer reproduzierbar sind. Deshalb können diese nachgemachten so genannten 'second-entry biologics' nicht als Generika betrachtet werden. Aus diesem Grund bezeichnen diese Behörden die nachgemachten biologischen Arzneimittel als 'ähnliche biologische Arzneimittel' oder 'Biosimilars' (Europa) bzw.
Biosynthese
Aufbau organischer Verbindungen durch lebende Zellen zur Aufrechterhaltung der physiologischen Funktionen des Gesamtorganismus; vgl. Stoffwechsel.
Bisphosphonate
Bisphosphonate sind pharmakologische Substanzen, die als Regulatoren des Calciumstoffwechsels (s. Calcium) therapeutisch genutzt werden.
Wirkung
Bisphosphonate hemmen sowohl den Knochenabbau durch Osteoklasten als auch die Bildung neuer Osteoklasten.
Anwendung
Bei Knochentumoren, bei Symptomen einer erhöhten Calciumkonzentration im Blut (Hyperkalzämiesyndrom), Osteodystrophia deformans und Osteoporose.
Blasenkarzinom
Von den oberflächlichen Zellen der Harnblasenschleimhaut ausgehender bösartiger Tumor.
Vorkommen: v. a. nach dem 60. Lebensjahr, bei Männern häufiger als bei Frauen (Männer:Frauen=3:1).
Ursachen:
1.aromatische Amine: chemische Substanzen, die industriell zur Herstellung von Azofarbstoffen verwendet werden, in Kosmetika enthalten sind und mit Zigarettenrauch und bestimmten Arzneimitteln aufgenommen werden können. Vgl. Berufskrebs.
2.chronische Blasenentzündung.
Symptome: Blutiger Urin mit oder ohne Schmerzen, erschwertes und schmerzhaftes oder häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen, Schmerzen in der Leistengegend, Harnstauung.
Stadien: Die Stadieneinteilung ist abhängig von der Eindringtiefe des Tumors sowie dem Vorhandensein von Metastasen, vgl. TNM-Klassifikation.
Diagnose: Abtasten der Harnblase, Laboruntersuchung des Urins, Ultraschalluntersuchung der Harnblase, Blasenspiegelung, Gewebeentnahme und Gewebeuntersuchung, Computertomographie.
Therapie: Bei oberflächlichen Tumoren chirurgisches Entfernung durch Einführen einer chirurgischen Apparatur durch die Harnröhre (transurethrale Resektion), bei tieferen Tumoren chirurgische Entfernung der gesamten Harnblase und den umgebenden Lymphknoten (radikale Zystektomie), bei oberflächlichen Tumoren zusätzlich Anregung des Immunsystems durch Tuberkuloseimpfstoff (Immuntherapie) zur Senkung der Wiederauftretensrate, Einbringen von Chemotherapeutika (s. Chemotherapie in die Harnblase, bei tiefer eingedrungenen Tumoren zusätzlich Strahlen- und Chemotherapie.
Heilungsaussicht: Je nach Stadium, Eindringtiefe, Art der Tumorzellen und Therapie leben nach 5 Jahren (5-Jahres-Überlebensrate) bei tiefer eingedrungenen Blasenkarzinom ohne Fernmetastasen und nach radikaler Zystektomie noch 45% der Patienten.
Blasentumor
Blasentumore gehen meist von den die Blase auskleidenden Zellen aus. Sie liegen häufig an dem Blasengrund,, der dem Damm zugekehrt ist, können aber auch gleichzeitig an mehreren Stellen vorkommen. Sie treten besonders im höheren Lebensalter auf. Häufige Formen sind v.a. das Blasenpapillom und das Blasenkarzinom, seltener treten Fibrome, Myome oder Neurofibrome auf. Typische Krankheitszeichen sind das Auftreten von Blut im Urin (Hämatourie), Harnwegsinfektionen, häufiger Harndrang und evtl. Schmerzen oder Druckgefühl.
Diagnose: Die Diagnose wird durch Zelluntersuchung des Urins, Ultraschalldiagnostik, Tastbefunde, Blasenspiegelung, Entnahme von Gewebeproben durch die Harnröhre und Computertomographie gestellt.
Eine Abgrenzung zum Prostatakarzinom, einer gutartigen Vergrösserung der Vorsteherdrüse (Prostata), Blasensteinen, einem in die Blase einwachsenden kolorektalem Karzinom oder gynäkologischen Tumoren ist erforderlich.
Blut im Stuhl, okkultes
Bezeichnung für nicht sichtbare Blutbeimengungen im Stuhl.
Vorkommen: vor allem bei Tumoren im Dickdarmbereich (z. B. Darmpolyp, kolorektales Karzinom), tritt in der Regel frühzeitig auf und geht Tumorzeichen wie sichtbarer Blutbeimengungen oder Blutarmut voraus.
Nachweis: Vor allem mit der Guajakprobe (Schnelltest, bei dem kleine Mengen Stuhl auf ein Papierblättchen aufgetragen werden und mit einem speziellen Farbstoff vermischt werden). Zahnfleischbluten oder der vorausgegangene Verzehr von Fleisch kann auch dazu führen, dass der Test positiv ausfällt. Eine Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl findet z. B. im Rahmen von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen statt.
Blutdruck
Druck in Blutgefässen und Herzkammern. Im engeren Sinn ist der Blutdruck der in bzw. an einer peripheren Arterie in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) oder kPa (Kilo-Pascal; 1 mmHg=133,322 Pa) gemessene arterielle Blutdruck, der die Blutzirkulation bewirkt. Der Blutdruck ist abhängig von Herzleistung und Blutgefässwiderstand und wird durch die Blutdruckregelung gesteuert.
Systolischer Blutdruck
Blutdruck bei Anspannung und Zusammenziehung des Herzmuskels (Herzsystole, höchster Punkt der Druckkurve bei direkter Blutdruckmessung).
Diastolischer Blutdruck
Blutdruck während der Entspannung und Erschlaffung des Herzmuskels (Herzdiastole; niedrigster Punkt der Druckkurve).
Angaben des gemessenen Blutdrucks werden in der Reihenfolge systolischer Blutdruck/diastolischer Blutdruck gemacht. Der Blutdruck ist in den einzelnen Kreislaufabschnitten sehr unterschiedlich. Die vom linken Herzventrikel erzeugten pulsatorischen Druckschwankungen (ca. 16/1,6 kPa bzw. 120/12 mmHg) werden durch die elastische so genannte Windkesselfunktion der Aorta (Hauptschlagader) gedämpft (ca. 16/10,7 kPa bzw. 120/80 mmHg). In den peripheren Arterien wird die pulsatorische Druckschwankung grösser, der systolische Druck steigt durch Wellenreflexion an. In den Arteriolen (Arterien mit kleinem Durchmesser) findet infolge der Vergrösserung des Gesamtquerschnitts der Gefässe ein steiler Druckabfall statt, der sich in den Kapillaren (so genannte Haargefässe) fortsetzt. Der Blutdruck fällt in den grossen Venen weiter ab, im rechten Vorhof besteht der so genannte zentrale Venendruck. Die Kontraktion des rechten Herzventrikels (Hauptkammer des rechten Herzes, ca. 2,9/0,7 kPa bzw. 22/5 mmHg) treibt das Blut durch die Arteria pulmonalis (Hauptarterie der Lunge, ca. 2,9/1,3 kPa bzw. 22/10 mmHg) und das Lungengefässbett in den linken Vorhof, in dem ca. 1,1 kPa bzw. 8 mmHg als Füllungsdruck für den linken Ventrikel (Hauptkammer des linken Herzes) vorhanden sind. Vgl. Blutkreislauf.
Blutdruckmessung, direkte
auch invasive bzw. blutige Blutdruckmessung genannt
Messung des Blutdrucks während grosser Operationen oder bei Personen auf der Intensivstation über einen in einer Arterie liegenden Katheter. Die direkte Blutdruckmessung bietet eine grössere Genauigkeit als die indirekte Blutdruckmessung. Eine kontinuierliche Registrierung des Blutdrucks ist möglich.
Blutdruckmessung, indirekte
auch noninvasive oder unblutige Blutdruckmessung genannt
Die indirekte Blutdruckmessung nach Riva-Rocci (1896) erfolgt mittels einer (meist) um den Oberarm gelegten aufblasbaren Gummimanschette. Sie ist mit einem Manometer verbunden und wird aufgepumpt, bis der Puls der nahe des Handgelenks entlang der Speiche verlaufenden Arterie (Radialispuls) nicht mehr tastbar ist. Bei langsamer Verminderung des Manschettendrucks durch das Ablassen von Luft wird der systolische Blutdruck durch Fühlen des Radialispulses (erster Pulsschlag tastbar, wenn der arterielle Blutdruck den Manschettendruck gerade überwindet) bzw. der systolische und diastolische Blutdruck durch Abhören des Korotkow-Tons in der Ellenbeuge ermittelt. Für die Selbstmessung stehen halbautomatische bzw. elektronische Blutdruckmessgeräte zur Verfügung. Eine kontinuierliche ambulante Blutdruckmessung (24-Stunden-Registrierung) in bestimmten Intervallen ermöglicht eine Beurteilung des Blutdruckverlaufs unter Alltagsbedingungen. Vgl. Bluthochdruck.
Blutdruckregelung
Komplexes Regelsystem des Körpers zur Einstellung des arteriellen Blutdrucks. Akute Änderungen (z. B. bei Lagewechsel des Körpers von der Horizontalen in die Vertikale) werden von den so genannten Pressorezeptoren (in der Wand der Körperhauptschlagader und an den Halsschlagadern befindliche Rezeptoren, die durch Dehnung der Gefässwand aktiviert werden) an Kreislaufzentren im verlängerten Rückenmark vermittelt. Diese Kreislaufzentren beeinflussen bei Abweichung der gemessenen Druckwerte vom Sollwert die Spannung der Widerstandsgefässe, die Herzfrequenz und die Herzkraft über Nerven derart, dass der arterielle Blutdruck durch Änderung des peripheren Widerstands und des Herzminutenvolumens entsprechend eingestellt wird. Dieser Regelmechanismus wird von anderen Regelsystemen (z. B. Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) überlagert.
Blutersatz
Auch Hämotherapie.
Therapeutische Übertragung (Transfusion) von Vollblut oder bestimmten Anteilen des Blutes (rote oder weisse Blutkörperchen, Gerinnungsfaktoren, Blutplasma). Blutersatz ist notwendig bei akutem Blutverlust oder krankheitsbedingtem Mangel an bestimmten Blutbestandteilen.
Komplikationen: Bei der Transfusion von Blut oder Blutbestandteilen können Krankheitserreger wie Hepatitis-Viren oder HI-Viren übertragen werden, es kann zu Immunabwehrreaktionen des Empfängers kommen oder zur vermehrten Ablagerung von Eisen aus den transfundierten roten Blutkörperchen.
Blutharnstoffstickstoff
ein Test, anhand dessen der im Harnstoff enthaltene Stickstoffgehalt im Blut gemessen wird; damit wird die Stoffwechselfunktion der Leber und die exkretorische Funktion der Nieren beurteilt
Bluthochdruck
s. Hypertonie
Blutkreislauf
Aus den Gefässen (Arterien, Venen, Kapillaren) bestehendes Strömungssystem für das Blut zur Versorgung der Körpergewebe. Vom rechten Vorhof des Herzens fliesst das Blut in die rechte Herzkammer, die es in die Aorta pulmonalis (Lungenarterie) mit ihren rechten und linken Ästen pumpt. In den Lungenkapillaren erfolgt der Gasaustausch (Aufnahme von Sauerstoff, Abgabe von Kohlendioxid). Das mit Sauerstoff angereicherte Blut fliesst dann zum linken Vorhof (kleiner oder Lungenkreislauf). Von diesem gelangt es in die linke Herzkammer, die das Blut in die Aorta (grosse Körperschlagader) und ihre Verzweigungen pumpt. Nach Sauerstoffabgabe und Kohlendioxidaufnahme im Kapillargebiet der Organe und Gewebe fliesst das Blut durch die Venen zu dem rechten Vorhof zurück (großer oder Körperkreislauf).
Blutvergiftung
s. Sepsis
Blutverlust
Verminderung von Blutzellen und Blutflüssigkeit im Kreislaufsystem, wobei die dadurch bedingten klinischen Symptome abhängig sind von der Grösse des Blutverlusts und der Zeit in dem der Blutverlust erfolgt
Blutzucker
Als Blutzucker wird die Konzentration von Glukose im (venösen) Vollblut, Kapillarblut, Blutplasma oder -serum bezeichnet. Glukose wird über das Blut zu den Zellen transportiert, in denen sie zur Energiegewinnung abgebaut wird (vgl. Glykolyse). Die Regulation der Blutzuckerkonzentration erfolgt durch die Hormone Insulin, Glucagon, Adrenalin, Cortisol und STH. Die Blutzuckerkonzentration liegt normalerweise zwischen 3,6-5,6 mmol/l. Erkrankungen können zu erniedrigter oder erhöhter Blutzuckerkonzentration (Hypoglykämie, Hyperglykämie) führen. Vgl. Typ 2 Diabetes, Typ 1 Diabetes, Glukose-Toleranztest.
Blutzucker-Belastungsprobe
s. Glukose-Toleranztest
Blutzucker-Bestimmungsmethoden
Enzymatische Methoden zur Bestimmung der Konzentration von Glukose im Blut (vgl. Enzyme). Durch die Enzymaktivität in biologischen (Blut-) Proben kann der Glukosegehalt z. B. über bestimmte Farbreaktionen ermittelt werden.
Formen
1. Semiquantitativer Schnelltest (Teststreifen), Prinzip: Glukoseoxidase-Peroxidase-Methode; 2. quantitative Blutzucker-Bestimmungsmethoden: a) Hexokinasemethode: optischer Test nach Umsetzung von Glukose durch Hexokinase und Glukose-6-phosphat-Dehydrogenase; b) Glukose-Dehydrogenase-Methode: optischer Test nach Umsetzung mit Glukose-Dehydrogenase; c) Glukoseoxidase-Peroxidase-Methode: Nachweis von Wasserstoffperoxid (entsteht bei Umsetzung von Glukose durch Glukoseoxidase) mit einer Peroxidase-gekoppelten Farbreaktion; d) Glukoseoxidase-Methode: amperometrische Bestimmung von Wasserstoffperoxid, das von membrangebundener Glukoseoxidase in einer Durchflusszelle gebildet wird.
Blässe
mangelnde Hautfarbe
BMI
Abkürzung für Body-mass-Index
Body-mass-Index
Abkürzung BMI
Körpermassenzahl, die der Beurteilung des Körpergewichts im Hinblick auf die höchste Lebenserwartung bzw. als Mass für die Feststellung von Übergewicht dient. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht (kg) dividiert durch das Quadrat der Körperlänge (m2) oder wird aus einem Nomogramm (grafisches Skalensystem) abgelesen. In die Beurteilung fliessen Alter und Geschlecht ein. Vgl. Waist-hip-Ratio.
Klassifizierung des BMI durch die Weltgesundheitsorganisation WHO:
18.5 bis 24,9 kg/m2: Normalgewicht
25,0 bis 29,9 kg/m2: Übergewicht (Klasse I)
30,0 bis 39,9 kg/m2. Adipositas bzw. starkes Übergewicht (Klasse 2)
mehr als 40,0 kg/m2: morbide Adipositas bzw. extremes Übergewicht (Klasse 3)
Bowman-Kapsel
der Teil eines Nephrons, der das Nierenkörperchen umgibt und das glomeruläre Filtrat aufnimmt
Broca-Formel
Vom französischen Chirurgen Pierre P. Broca (1824-1880) entwickelte Formel zur Abschätzung des normalen Körpergewichts Erwachsener. Unter Berücksichtigung einer Abweichung von 10-20 % nach oben oder unten entspricht das Normalgewicht in kg der Körpergrösse (in cm) minus 100.
Bronchiolen
Bronchiolen sind feinere Verzweigungen der Bronchien. Sie haben einen Durchmesser von 0,7-1 mm. Ihre Wand ist knorpel- und drüsenfrei, enthält reichlich elastische Fasern und schraubig angeordnete glatte Muskulatur. Bronchiolen sind durch ein Flimmerepithel ohne Schleim absondernde Becherzellen ausgekleidet.
Bronchitis, akute
Plötzlich einsetzende entzündliche Infektion der unteren Atemwege (vgl. Bronchus), zumeist als Folge viraler Infekte. Eine durch Bakterien ausgelöste Bronchitis ist eher selten.
Symptomatik
Husten, zäher Auswurf, Erhöhung der Körpertemperatur, Schmerzen im Brustkorb.
Therapie
Flüssigkeitszufuhr, Massnahmen zur Schleimhautabschwellung, Fiebersenkung und Hustenlinderung. Antivirale Therapie (Virostatika) nur in Ausnahmefällen, Antibiotika nur bei bakterieller Infektion (z. B. durch Haemophilus influenzae, ggf. Fieber senkende Mittel. Naturheilkundliche Mittel sind Schleimdrogen, z. B. als Teezubereitungen zum Schutz der Schleimhaut; etherische Öle wirken sekretionsfördernd, schleimlösend und antibakteriell. Äusserliche Anwendung finden sie als medizinische Bäder, Einreibungen oder Inhalation. Feuchte Brustwickel gelten als beruhigende, den Hustenreiz dämpfende, schmerzlindernde Massnahme.
Bronchus
Untere Atemwege; Fortsetzung der Luftröhre. Der Bronchus teilt sich vor dem 4. Brustwirbel in den rechten und linken Stammbronchus. Die Stammbronchien verzweigen sich entsprechend den Lungenlappen rechts in drei, links in zwei Lappenbronchien, diese wiederum in die Segmentbronchien entsprechend der Zahl der Lungensegmente. Die Wand der Bronchien ist mit einem Flimmerepithel bedeckt. Im Flimmerepithel sitzen Becherzellen, die Schleim absondern, welcher sich durch die Bewegung der Flimmerhärchen rachenwärts bewegt. Auf diesem Weg werden Fremdpartikel aus den Bronchien hinausbefördert. Die Bronchialmuskulatur ist glatt und zirkulär, in kleinen Bronchien schraubig angeordnet. Vgl. Bronchiolen.
Broteinheit
Abkürzung BE
Berechnungseinheit bzw. Hilfsrechengrösse zur Berechnung der Diät bei Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes. 1 BE entspricht 12 g Kohlenhydraten mit blutzuckersteigernder Wirkung, d. h. eine Broteinheit ist folglich die Nahrungsmenge in Gramm, die 12 g Kohlenhydrate enthält. Dies gilt z. B. für 25 g Vollkornbrot, 80 g Bananen oder ein viertel Liter Buttermilch.
Brustkrebs
S. Mammakarzinom.
Bulimia nervosa
auch Essbrechsucht genannt
Bulimia nervosa bezeichnet eine psychogene Essstörung, bei der exzessive, meist sehr kalorienreiche Nahrungsmengen in kurzer Zeit zugeführt (Essanfall) und anschliessend Massnahmen ergriffen werden, um das Körpergewicht in einem (sub)normalen Rahmen zu halten. Diese umfassen z. B. periodisches Fasten, extreme körperliche Aktivität, selbstausgelöstes Erbrechen oder Missbrauch von Abführmitteln (Laxanzien) und Diuretika mit entsprechenden Komplikationen. Die geschätzte Häufigkeit liegt bei 1-3 % der Frauen und ca. 0,01 % der Männer zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. Häufig gehen krankhaftes Übergewicht oder Magersucht der Entwicklung einer Bulimia nervosa voraus.
Therapie
Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie).
BZ
Abkürzung für Blutzucker
Lexikon-Einträge: Roche und Walter de Gruyter, Berlin