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Glossary

Angefangen bei A wie "Abmagerung" bis hin zu Z wie "Zytostatika" bieten wir Ihnen kurze Erklärungen für Fachbegriffe aus Medizin und Wissenschaft – in klaren und einfachen Worten.




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HIV-Erkrankung
Infektion des Immunsystems mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV), die eine Schwächung des Immunsystems bewirkt, was zum Auftreten verschiedener opportunistischer Infektionen und Tumorerkrankungen führt.

Vorkommen: Weltweit mit regionaler Häufung in der afrikanischen Subsahara-Region, Lateinamerika und Teilen Asiens. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit ca. 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die ersten Erkrankungsfälle wurden 1981 in den USA bei homosexuellen Männern, Abhängigen von injizierbaren Drogen und Patienten mit Blutgerinnungsstörungen beschrieben. Vermutlich tauchten schon Ende der 70er Jahre erste Erkrankungsfälle auf, diese wurden aber nicht einer einheitlichen Erkrankung zugeordnet. 1983 wurde das humane Immundefizienz-Virus als Erreger dieser Erkrankung identifiziert.
Während in Europa und Nordamerika bis heute überwiegend homosexuelle Männer und Abhängige von injizierbaren Drogen mit HIV infiziert sind, sind in Zentral- und Ostafrika, Asien und den GUS-Staaten bereits erhebliche Prozentsätze der Gesamtbevölkerung infiziert.

Übertragungswege: Der häufigste Übertragungsweg ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr, gefolgt von Spritzen- und Nadelaustausch bei injizierendem Drogengebrauch. Die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft und der Geburt ist möglich. Ebenso kann das Virus über Blut- und Blutprodukte (vgl. Blutersatz) übertragen werden, dies ist seit der Einführung von Routineuntersuchung der Blutprodukte jedoch selten geworden. Das Übertragungs- und Ansteckungsrisiko ist abhängig von der Art und Dauer des Kontaktes mit infektiösen Substanzen. Bei massiver Zufuhr des Virus (z.B. bei Transfusion von infiziertem Blut) ist die Ansteckungsgefahr höher als bei der Zufuhr geringer Blutmengen. Auch sind Infizierte mit einer hohen Virusmenge (vgl. Viruslast) infektiöser als Infizierte mit einer geringen Virusmenge. Auch zusätzliche Faktoren wie Mangelernährung, Vitamin-A-Mangel oder gleichzeitige Infektion von Harn- und Genitalorganen begünstigen eine Infektion.

Verlauf: unbehandelt verläuft die Erkrankung in folgenden Phasen:
Serokonversionkrankheit: 6-16 Wochen nach der Infektion kommt es zu einer vorübergehenden Symptomatik mit Fieber, Fieber, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen, evtl. Hautausschlag und anderen unspezifischen Beschwerden.
symptomlose Phase: für durchschnittlich 8-12 Jahre kommt es in der Regel nicht zu HIV-bedingten Beschwerden. In dieser Phase kommt es zur Virusvermehrung mit Neuinfektion weiterer Immunzellen.
beginnende Immunschwäche: auch AIDS-related complex genannt. Es treten Krankheiten auf, die auf die Immunschwäche zurück zu führen sind, aber nicht zu den so genannten AIDS-definierenden Erkrankungen gehören. Beispiele sind Infektionen des Mund- und Rachenraums mit dem Pilz Candida albicans, Virusinfektion der Zunge (orale Haarleukoplakie), Gürtelrose ( Herpes zoster).
AIDS: ausgeprägte Immunschwäche mit Auftreten so genannter AIDS-definierender Erkrankungen: z.B. Pneumocystis-carinii-Pneumonie, Toxoplasmen-Infektion des Gehirns, ausgeprägte Zytomegalie-Infektion, Kaposi-Sarkom, Tumoren des lymphatischen Systems (Lymphome) u. a.

Diagnose: Vor einer Untersuchung sollte in einem ausführlichen Beratungsgespräch geklärt werden, ob ein Infektionsrisiko bestand, warum eine Untersuchung durchgeführt werden sollte und wie mit den möglichen Ergebnissen umgegangen werden kann. Dieses Gespräch kann in spezialisierten Beratungseinrichtungen durchgeführt werden.
In der Routinediagnostik werden Suchtests auf Antikörper gegen das HI-Virus durchgeführt. 12-16 Wochen nach einer Infektion können bei 99% der Infizierten diese Antikörper nachgewiesen werden. Da es bei diesen Untersuchungen auch zu einem fälschlichen Nachweis der Antikörper kommen kann, muss jedes positive (auf das Vorliegen einer Erkrankung hinweisende) Testergebnis durch einen zweiten Test mit einer anderen Methode bestätigt werden (Nachweis der Virus-RNA durch Western Blot oder Polymerasekettenreaktion). Im Verlauf der Infektion werden in grösseren Abständen die Virusmenge (s. Viruslast), die Zahl der T-Helferzellen und der CD4/CD8-Quotient bestimmt.

Therapie: Man unterscheidet die Behandlung der HIV-Erkrankung selbst durch antivirale Therapie und die Behandlung der opportunistischen Erkrankungen. Eine antivirale Kombinationstherapie aus verschiedenen Arzneimitteln mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen kann die Virusvermehrung für längere Zeit verringern oder unterdrücken. Unter der Therapie kann es zu (teils erheblichen) Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen des Virus kommen. Derzeit wird empfohlen, bei rasch abfallenden T-Helferzellen oder einer T-Helferzellanzahl unter 350 pro Mikroliter und bei rascher Virusvermehrung oder Viruslast über 10 000 Kopien/ml oder bei einer HIV-bedingten Erkrankung mit der antiviralen Therapie zu beginnen. Die antivirale Therapie hat seit 1996 zu einem Rückgang der Sterblichkeit geführt. Eine Heilung der HIV-Erkrankung ist jedoch bislang nicht möglich.

Prävention: Kontakt mit Blut, Blutprodukten, Sperma und Vaginalsekret vermeiden. Anwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, Vermeidung von gemeinsamem Gebrauch von Spritzen und Nadeln, Vermeidung von Nadelstichverletzung bei medizinischem Personal, Untersuchung von Blut- und Organspendern, Verhinderung der Übertragung von der Mutter auf das Kind durch antivirale Therapie und Entbindung durch Kaiserschnitt vor Einsetzen der Wehen. Eine Schutzimpfung ist in der Entwicklung (s. HIV-Impfung).

Lexikon-Einträge: Roche und Walter de Gruyter, Berlin