Glossary

Angefangen bei A wie "Abmagerung" bis hin zu Z wie "Zytostatika" bieten wir Ihnen kurze Erklärungen für Fachbegriffe aus Medizin und Wissenschaft – in klaren und einfachen Worten.
- O-gebundenbezieht sich auf eine Bindungsart, die zwischen einer Kohlenhydrat-Seitenkette und dem damit verbundenen Protein vorliegt; sie tritt normalerweise an einem Serin- oder Threoninrest des Proteins auf
- Obstipationauch Konstipation oder Stuhlverstopfung genannt
Sammelbegriff für Störungen, die durch erniedrigte Stuhlfrequenz (weniger als dreimal pro Woche) und notwendiges starkes Pressen beim Stuhlgang gekennzeichnet sind.
Ursachen
1. Eine verlangsamte Darmpassage ist die häufigste Form und kommt besonders bei Frauen vor. Die Ursache ist meist unklar. Obstipation tritt auf im Rahmen von Diabetes mellitus, Unterfunktion von Schilddrüse oder Nebenschilddrüse, Schwangerschaft oder Einnahme von Medikamenten (z. B. Opiate, Diuretika, Calciumpräparate).
Therapie
Aufnahme von Ballaststoffen, Milchzucker (Laktulose) oder abführend wirkenden Laxanzien bzw. die Darmbewegung anregende Mittel. 2. Rektoanale Obstruktion (Verschluss im Bereich von Mastdarm und Anus): a) zu Verengung führende Prozesse im unteren Dickdarm und Analkanal (z. B. Tumor, Entzündung, Narben); b) funktionelle Obstruktion: innerer Mastdarmvorfall, Anismus (paradoxe Kontraktion des äusseren Schliessmuskels beim Pressen); c) neurogene Störung: Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom, Schlaganfall, Diabetes mellitus. - ObstruktionsikterusGelbsucht (s. Ikterus) bei Verschluss des Gallenganges (vgl. Gallengänge).
- Off-Label Studieeine Prüfstudie, mit der die Wirksamkeit und Sicherheit eines Medikamentes festgestellt werden soll, dass ausserhalb der von der FDA zugelassenen Indikation, Dosierungs- und/oder Verabreichungsweise eingesetzt wird
- Offene Studieeine Studie, in der sowohl die Probanden als auch die Prüfärzte wissen, welches Medikament die Probanden erhalten
- OkklusionVerstopfung
- okkultklinisch nicht offensichtlich
- OkulomotoriuslähmungLähmung der vom Nervus oculomotorius (III. Hirnnerv) versorgten äusseren Augenmuskeln, des Lidhebers bzw. der vom parasympathischen Anteil des Nervus oculomotorius versorgten inneren Augenmuskeln.
Ursachen
Meist mechanische Kompression, Durchblutungsstörung (z. B. bei Typ 2 Diabetes oder Typ 1 Diabetes) oder entzündlicher Prozess im Bereich des Nervs. - OligosaccharideBezeichnung für Kohlenhydrate, die aus 3-10 Monosaccharideinheiten aufgebaut sind. Vgl. Monosaccharide.
- OmegafettsäurenMehrfach ungesättigte Fettsäuren, die sich durch bestimmte chemische Strukturen auszeichnen (Doppelbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen). Viele ungesättigte Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen. Diese so genannten essentiellen Fettsäuren müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Omegafettsäuren senken die Blutfettwerte (vor allem Triglyceride). Omega-3-Fettsäuren sind besonders in Kaltwasserfischen (z. B. Hering, Lachs) enthalten. Zu den Omega-6-Fettsäuren gehören die essentiellen Fettsäuren Linolen- und Linolsäure, die in pflanzlichen Ölen vorkommen. Vgl. Lipidsenker.
- OnkogeneAuch geschwulsterzeugende Gene; Gene mit onkogener Potenz.
Gene, die bösartige Geschwulste hervorrufen können. Es werden zwei Gruppen unterschieden.
1. virale Onkogene: aus Viren stammende und in Zellen eingebaute Erbinformationen, die zu einer bösartigen Veränderung der befallenen Zelle führen; s. Viren, onkogene.
2.zelluläre Onkogene: natürliche Gene mit z.T. noch unbekannter Funktion, die an normalen Wachstums- und Entwicklungsprozessen beteiligt sind. Eventuell können diese Onkogene aktiviert werden (z. B. durch bestimmte Chemikalien oder radioaktive Strahlung) und zur Entstehung einer Krebserkrankung beitragen. - Orale HaarleukoplakieFlache oder erhabene, weisse, nicht abwischbare Beläge am Rand oder der Unterseite der Zunge, vermutlich durch Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus bei gestörtem Immunsystem (sehr häufig bei HIV-Erkrankung. Die Herde heilen spontan innerhalb von Monaten ab, können aber später wieder auftreten. Die orale Haarleukoplakie ist ein Hinweis auf das Vorliegen einer HIV-Infektion und tritt in der Regel einige Monate bis Jahre vor der Erkrankung am Vollbild AIDS auf.
- OropharyngealkarzinomBösartiger Tumor des Mundrachenraums, meist im Bereich der Zunge, der Rachenmandeln und des Mundbodens.
Ursachen: Häufig nach Syphilis (Lues), Leberzirrhose und im Rahmen eines ausgeprägten Eisenmangels (sog. Plummer-Vinson-Syndrom). Faktoren, die zur Krebsentstehung beitragen können sind Nikotin- und Alkoholkonsum. Das Oropharyngealkarzinom ist in Indien und Sri Lanka besonders häufig, da das dort verbreitete Kauen von Tabak und Betelblättern oder das Rauchen kleiner Zigaretten mit dem glühenden Ende im Mund sehr verbreitet ist.
Therapie: Operative Entfernung des Tumors, evtl. mit Neck dissection, Nachbestrahlung (s. Strahlentherapie). Lässt sich der Tumor nicht operieren, wird er mit kombinierter Strahlen- und Chemotherapie behandelt. - OseltamivirVirostatikum (Neuraminidasehemmer) zur frühzeitigen Behandlung der Grippe (Influenza-Virus Typ A und B). Vgl. Virostatika.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Kopfschmerz. - Osmosedie Diffusion von Wasser durch eine halbdurchlässige Membran, als Reaktion auf ein Konzentrationsgefälle
- Ossifikationauch Osteogenese genannt
Ossifikation ist die Bildung von Knochengewebe. Die normale Ossifikation beginnt beim Feten mit der direkten Umwandlung von Bindegewebe in Knochen (desmale Ossifikation; z. B. Bildung von Schlüsselbein und Belegknochen des Schädels). Die zweite Ossifikationsform während der Entwicklung des Feten ist die perichondrale Ossifikation, bei der Knochengewebe um die Knorpelstäbe der künftigen Röhrenknochen herum gebildet wird. Beim Erwachsenen wird die Erneuerung dieser Knochenmanschette (z. B. nach Knochenbrüchen) als periostale Ossifikation bezeichnet. Schliesslich folgt während der Entwicklung des Feten die enchondrale Ossifikation, die bis zum Abschluss des Längenwachstums stattfindet und von einer speziellen Wachstumszone zwischen End- und Mittelstück eines Röhrenknochens ausgeht. Die lebenslange Knochenerneuerung (Knochengeweberemodellierung) wird als endostale Ossifikation bezeichnet. Krankhafte Formen der Ossifikation sind z. B. die ektope Ossifikation als Verknöcherung anderer Gewebearten (Knorpel, Bindegewebe, Muskulatur). - OssifikationsstörungenStörung der Knochenbildung, die entweder angeboren oder erworben sein kann. Angeborene Ossifikationsstörungen sind auf vorgeburtliche Schädigungen zurückzuführen, entweder genetisch bedingt oder durch äussere Faktoren verursacht. Eine nach der Geburt entstandenen Erkrankung wird als erworbene Ossifikationsstörung bezeichnet.
Formen
I. allgemeine Ossifikationsstörungen: 1. primäre, angeborene Ossifikationsstörungen: z. B. Störungen der Knorpelbildung, die zu Krankheiten führen, die bereits bei der Geburt ausgeprägt sind und in der Regel nicht fortschreiten; Störungen der Osteoblastentätigkeit (vgl. Osteoblasten), die infolge eines verminderten oder minderwertigen Knochenaufbaus zu Osteoporose führen; Störungen der Osteoklastentätigkeit (vgl. Osteoklasten), die zu einem verminderten Knochenabbau führen; 2. sekundäre, durch angeborene oder nach der Geburt erworbene Erkrankungen bedingte allgemeine Störungen der Ossifikation: z. B. sekundäre Osteoporose, Osteomalazie, sekundäre Osteosklerose.
II. örtliche Ossifikationsstörungen: z. B. keimfreies Absterben von Knochenmasse (aseptische Knochennekrosen); entzündliche Knochenerkrankungen: Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis), Tuberkulose (Knochentuberkulose, Arthritis tuberculosa und andere), Syphilis, Osteodystrophia deformans; Knochentumoren.
- Osteitis fibrosa cysticaeine entzündliche degenerative Erkrankung, bei der normaler Knochen durch Zysten und fibröses Narbengewebe verdrängt wird
- OsteoblastenOsteoblasten sind Knochen bildende Zellen. Diese Zellen gehen aus embryonalem Bindegewebe (Mesenchym) hervor. Sie liegen in enger Anordnung dem Knochen an der Anbauseite an und produzieren die unverkalkte Knochengrundsubstanz (Osteoid), in die sie nach und nach eingeschlossen werden. Dadurch wandeln sich Osteoblasten zu nicht mehr teilungsfähigen Knochenzellen (Osteozyten) um. Vgl. Knochengeweberemodellierung.
- OsteochondromTumor aus Knorpel- und Knochengewebe, auch verknöcherndes Chondrom genannt. Der Tumor kann bösartig entarten (Osteosarkom). Vergleiche Knochentumore.
- OsteodensitometrieKnochendichtemessung; Verfahren zur Bestimmung der Knochenmasse. Sie wird meist am Unterarmknochen Speiche (Radius), Oberschenkelknochen (Femur) oder der Lendenwirbelsäule zur Abschätzung des individuellen Knochenbruchrisikos oder des Schweregrades einer Osteoporose durchgeführt. Die gängigen Methoden beruhen auf dem Prinzip der Photonenabsorption (Aufnahme von Lichtenergie durch den Knochen) bzw. der Computertomographie. Messungen der Knochendichte oder -steifigkeit werden auch mit Ultraschall durchgeführt, z. B. am Fersenbein. Eine erniedrigte Knochendichte ist nachweisbar bei Osteoporose, Osteomalazie und anderen kalzipenischen Osteopathien.
- Osteodystrophia deformansauch Ostitis deformans oder Paget-Krankheit genannt
Osteodystrophia deformans ist die Bezeichnung für eine schleichend beginnende Erkrankung mit Veränderungen eines oder mehrerer Knochen. Betroffen sind meist über 50-Jährige in Nordamerika (selten Asien).
Ursachen
Möglicherweise führen erbliche Anlagen und Virus-Infektionen der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) zur Erkrankung.
Symptome
Verkrümmung und Verdickung einzelner Röhrenknochen, bei Beteiligung des Schädels Gesichtsdeformierungen mit unter Umständen heftigem (rheumaähnlichem) Knochenschmerz, Neigung zu spontanen Knochenbrüchen, neurologische Symptome (z. B. Lähmungen, Rückenmarkschädigung durch Druck verformter Wirbel, Schwerhörigkeit); im Spätstadium kann es zu gekrümmter Körperhaltung kommen.
Diagnose
Meist wird die Erkrankung durch Zufall im Rahmen von Röntgenuntersuchungen des Skeletts durch Veränderungen äusserer und innerer Knochenanteile festgestellt. In der Skelettszintigraphie (Untersuchung mittels radioaktiv markierter Substanzen, vgl. Szintigraphie) kommt es zur verstärkten Speicherung der radioaktiven Markersubstanz in so genannten Paget-Herden. Labordiagnostisch lassen sich starke Erhöhungen von alkalischer Phosphatase und Hydroxyprolin (einem Baustein des Kollagens) im Urin nachweisen.
Therapie
Calcitonin, Bisphosphonate und Behandlung, die sich an Symptomen orientiert. - Osteodystrophia fibrosa generalisataauch Ostitis fibrosa cystica generalisata oder Recklinghausen-Krankheit genannt
Osteodystrophia fibrosa generalisata ist eine durch Hyperparathyroidismus (vermehrte Bildung von Parathormon) bedingte Erkrankung mit Störung des Calcium-Phosphat-Stoffwechsels und Auftreten zahlreicher Knochenzysten.
Symptome
Erhöhung der Konzentration von Calcium und Phosphat im Blut, häufig Nierensteine, regelloser Knochenumbau (Entkalkung und Knochenabbau durch Osteoklasten unter Bildung von Hohlräumen im Knochen) bei gleichzeitiger Knochenneubildung, Bildung von Granulationsgewebe mit Blutungsherden, Zystenbildung besonders an den langen Röhrenknochen (selten auch am Schädel), chronischer Verlauf mit häufig uncharakteristischen rheumatoiden Beschwerden. Vgl. Dialyse-Osteopathie. - Osteogeneses. Ossifikation
- Osteogenesis imperfectaumgangssprachlich Glasknochenkrankheit genannt
Bei Osteogenesis imperfecta handelt es sich um eine erbliche Bindegewebeerkrankung, die zu vermehrter Knochenbrüchigkeit führt. Es kommt zu mehrfachen Defekten in der körpereigenen Bildung von Bausteinen des Bindegewebes.
Formen
Typ I a, b (Hoeve-Syndrom, Lobstein-Krankheit): leichter Verlauf mit blauer Bindehaut des Auges, vorzeitigem Gebissverfall (sich leicht abnutzende Zähne von transparenter Braun- oder Graublaufärbung) und Schwerhörigkeit; Typ II a, b, c (Vrolik-Krankheit): bereits bei Geburt bestehende Verkürzung der Röhrenknochen (besonders der Rippen) durch mehrfache Knochenbrüche, starke Verbiegung der langen Knochen; im Verlauf tödlich, Typ III: schwerer Verlauf mit dünnen, gebogenen Knochen; Typ IV a, b: variabler Verlauf mit und ohne Beteiligung der Zähne.
Therapie
Versuch mit Calcitonin, Calciferolen bzw. Calciferol-Stoffwechselprodukten und Fluoriden; chirurgische und orthopädische Versorgung der Knochenbrüche. - OsteoidUnverkalkte Knochensubstanz (Matrix ossea), bestehend aus der so genannten Grundsubstanz und Kollagenfasern. Osteoid wird von den Knochen bildenden Osteoblasten produziert, die Mineralisation erfolgt ausserhalb der Zellen (extrazellulär).
- OsteoidosteomEin Osteoidosteom ist ein gutartiger, Knochenmasse produzierender Knochentumor, der sich im Röntgenbild als eine im äusseren, harten Knochengewebe gelegene Aufhellungszone mit einem Randsaum darstellt. Der Durchmesser beträgt selten mehr als 2 cm. Der Tumor tritt meist im Ober- oder Unterschenkelknochen auf.
Symptome: Typisch sind eindeutig zu lokalisierende, vor allem nachts auftretende Knochenschmerzen, die nach Gabe von Acetylsalicylsäure ("Aspirin") zurückgehen. Unter Umständen kann es zu einer Weichteilschwellung in der Umgebung des Tumors kommen.
Therapie: Der befallene Knochen wird operativ entfernt (Resektion) und der verbleibende Hohlraum mit gesundem Knochen aufgefüllt (Spongiosaplastik). - Osteoklasie1. vermehrter Abbau der Knochensubstanz durch Aktivierung der Osteoklasten, z. B. bei Dialyse-Osteopathie oder primärem Hyperparathyroidismus; im weiteren Sinne Auflösung durch Tumorwachstum; 2. (orthopädisch) so genannte Osteoklase: Beseitigung einer Achsenfehlstellung bei schlecht verheiltem Knochenbruch oder durch Rachitis bedingter Fehlform der langen Röhrenknochen, indem der betreffende Knochen über einem gepolsterten Keil gebrochen und anschliessend im Gipsverband fixiert wird.
- OsteoklastenOsteoklasten sind vielkernige Riesenzellen, die Knochensubstanz abbauen. Sie liegen häufig in von ihnen gebildeten kleinen Gruben (den so genannten Howship-Lakunen) in der Knochensubstanz. Vgl. Knochengewebe.
- OsteoklastomAggressiver Knochentumor, der invasiv in den Knochen wächst, aber selten metastasiert (in 10% der Fälle Lungenmetastasen, s. Metastasen). Die Einteilung der Tumore erfolgt entsprechend ihrer Bösartigkeit in drei Gruppen: gutartig, halbbösartig und bösartig. Das Osteoklastom tritt meist an den Enden der langen Röhrenknochen, besonders am Knie auf und manifestiert sich gehäuft zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit uncharakteristischen Schmerzen. Unter Umständen kann der befallene Knochen spontan brechen.
Diagnose: Die Diagnose erfolgt durch Röntgenverfahren und mikroskopische Untersuchung von Knochengewebeproben (Biopsie).
Therapie: Das befallene Knochengewebe wird als Ganzes operativ entfernt. In 50% der Fälle tritt der Tumor erneut auf (Rezidiv). - OsteolyseAuflösung und Abbau von Knochengewebe, z. B. bei Knochentumoren oder Knochenentzündung.
- OsteomalazieErhöhte Weichheit und Verbiegungstendenz der Knochen durch mangelhaften Einbau von Mineralstoffen in die normal oder überschiessend gebildete Knochengrundsubstanz (Osteoid) als Form der sekundären Ossifikationsstörungen.
Ursache
Störung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels, z. B. bei Nierenerkrankung, Mangelernährung oder Vitamin-D-Mangel. Osteomalazie im Kindes- und Jugendalter wird Vitamin-D-Mangel-Rachitis (s. Rachitis) genannt.
Symptome
Diffuse Skelettbeschwerden bis hin zu ausgeprägter schmerzbedingter Bewegungseinschränkung.
Diagnose
Verlust der (röntgenologischen) Darstellbarkeit der Knochenbälkchen, Verdünnung der Wirbelgrund- und Wirbeldeckplatten, Aufblättern der äusseren Schichten des Knochens (vor allem an den Röhrenknochen der Arme) und unscharfe Absetzung gegen die innere Knochenmasse, mitunter so genannte Looser-Umbauzonen. Frühfälle sind röntgenologisch nicht erkennbar. Bei der Osteodensitometrie liegen deutlich erniedrigte Werte vor, labordiagnostisch nachweisbar sind Calciummangel im Blut, evt. Phosphatmangel im Blut. Es kommt zu einem Anstieg von alkalischer Phosphatase und Parathormon.
Therapie
Bei Osteomalazie richtet sich die Therapie zur Normalisierung des Knochenstoffwechsels nach der Ursache. Je nach Grunderkrankung Zufuhr von Calcium, Phosphat, Vitamin D. Ein günstiger Verlauf der Erkrankung ist bei (noch) nicht bestehenden Knochendeformierungen wahrscheinlich. - OsteomyelitisKnochenentzündung
- Osteopathiaauch Osteopathie genannt
Allgemeine Bezeichnung für Knochenerkrankung. - OsteopathieAllgemeine Bezeichnung für Knochenerkrankung.
- Osteopathie, alimentäreauch Alimentärpsathyrose oder Hungerosteopathie genannt
Durch Mangelernährung (insbesondere Mangel an Proteinen, Calcium und Calciferolen) auftretende Brüchigkeit des Skeletts mit mangelhafter Knochengewebebildung (vgl. Ossifikation) bei normalem Längenwachstum der Knochen. Für die Krankheitsentstehung relevant kann auch ein durch Mangelernährung bedingtes Defizit an Sexualhormonen sein, z. B. bei so genannter Magersucht.
Symptome
Knochenschmerzen und erhöhte Knochenbrüchigkeit im Sinne einer Osteoporose oder Osteoporomalazie mit Looser-Umbauzonen und Muskelschwäche. - Osteopathie, intestinaleBezeichnung für Veränderungen des Skeletts aufgrund von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts mit gestörter Nährstoffaufnahme. Bei einer intestinalen Osteopathie handelt es sich meist um eine Kombination von Osteoporose und Osteomalazie. S. auch Hyperparathyroidismus, sekundärer.
- Osteopathie, kalzipenischeKnochenveränderung infolge Calciummangels durch eine gestörte Aufnahme von Calcium aus der Nahrung über den Darm oder durch eine verminderte Zufuhr.
- Osteopathie, renaleDas gesamte Skelett betreffende Knochenstoffwechselstörung mit Osteomalazie (unter anderem erhöhte Weichheit der Knochen) bzw. Osteodystrophia fibrosa generalisata bei dauerhafter Funktionseinschränkung der Nieren bzw. bei Patienten unter Dialyse-Behandlung (s. Dialyse-Osteopathie).
Ursache
Vor allem Störung des Vitamin-D-Stoffwechsels (s. Vitamin D) durch verminderte Bildung des aktiven Vitamins in der Niere mit Verminderung der Calciumaufnahme aus dem Darm und verzögerter Kalkbildung im Knochen.
Symptome
Gelenk- und Knochenschmerzen, spontan auftretende Knochenbrüche, Schwäche körperstammnaher Muskeln, Juckreiz der Haut.
Therapie
Calcitriol, Calcium, Calciumcarbonat; evt. operative Entfernung des grössten Teils der Parathormon produzierenden Nebenschilddrüsen (ein funktionell wichtiger Geweberest soll verbleiben).
Vgl. Osteoporose. - OsteopenieOsteopenie ist die Abnahme von Knochengewebe: 1. physiologisch altersbedingte Abnahme der Knochenmasse, die im hohen Alter von der Osteoporose als Krankheit praktisch nicht zu trennen ist; 2. Osteoporose im Vorstadium; 3. (radiologisch) Oberbegriff für Knochenerkrankungen, die im Röntgenbild durch diffuse Kalksalzminderung auffallen und ohne weitere Information nicht als z. B. Osteoporose, Osteomalazie oder Osteodystrophia fibrosa generalisata klassifiziert werden können. Vgl. Osteopathie, kalzipenische.
- Osteopetrosis familiariss. Marmorknochenkrankheit
- OsteoporomalazieMischbild aus Osteoporose und Osteomalazie. Osteoporomalazie kommt z. B. bei alimentärer Osteopathie, intestinaler Osteopathie oder renaler Osteopathie sowie altersbedingter (seniler) Osteoporose vor.
- OsteoporoseDefinition
Erkrankung des Skelettsystems mit Verlust oder Verminderung von Knochensubstanz und -struktur und erhöhter Anfälligkeit für Knochenbrüche.
Ursachen
Die Ursachen der primären Osteoporose (Osteoporose ohne Grunderkrankung) sind bisher weitgehend ungeklärt. Ein Mangel des Hormons Östrogen, bei der Frau insbesondere nach der Menopause, und fehlende körperliche Bewegung können von ursächlicher Bedeutung sein. Die sekundäre Osteoporose (Osteoporose als Folgeerkrankung) kann durch folgende Grunderkrankungen entstehen: Erkrankungen des Stoffwechsels (z. B. Diabetes mellitus), erbliche Bindegewebeerkrankungen, komplexe Knochenkrankheiten (z. B. renale Osteopathie und intestinale Osteopathie) und Krebserkrankungen (vor allem des Knochenmarks). Sekundäre Osteoporose kann auch medikamentös verursacht (z. B. durch Glukokortikoide) oder auf körperliche Inaktivität (z. B. Bettruhe, Lähmung einer Körperhälfte) zurückzuführen sein.
Symptome
1. Bei einer Osteoporose im Vorstadium kommen weder Knochenbrüche noch Wirbelverformungen vor. Festzustellen ist jedoch die deutliche Verminderung der Knochenmasse gegenüber der alters- und geschlechtsentsprechenden Norm.
2. Die ausgeprägte Osteoporose ist gekennzeichnet durch mindestens einen Wirbelbruch bei geringfügiger oder fehlender Verletzung und evtl. zusätzliche Knochenbrüche. In schweren Fällen kommt es zu Rumpfverkürzung, Rundrücken, queren Hautfalten in der Flankenregion und chronischem Schmerzsyndrom besonders im Rumpfbereich. Die vier klinischen Stadien orientieren sich an dem Mineralgehalt der Knochen und dem radiologischen Befund der Wirbelsäule (vgl. Radiologie). Von Bedeutung ist hierbei der so genannte T-Score. Er beschreibt die Abweichung der Knochendichte vom Mittelwert junger gesunder Erwachsener mit dem Wert der Standardabweichungen (SD).
Stadium 0: Osteoporose im Vorstadium (Knochenmineralgehalt vermindert, T-Score -1 bis -2,5 SD), keine Knochenbrüche;
Stadium I: Osteoporose ohne Knochenbrüche (Knochenmineralgehalt vermindert, T-Score kleiner als -2,5 SD), keine Knochenbrüche;
Stadium II: manifeste Osteoporose mit Knochenbrüchen (Knochenmineralgehalt vermindert, 1-3 Wirbelkörperbrüche ohne äussere Gewalteinwirkung;
Stadium III: fortgeschrittene Osteoporose (Knochenmineralgehalt vermindert, zahlreiche Wirbelkörperbrüche, häufig zusätzliche Knochenbrüche).
Diagnose
Verminderung der Knochenmasse in der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie), Grund- und Deckplatteneinbrüche der Wirbelkörper, Keilwirbel, Fischwirbelbildung, evt. feingewebliche Untersuchung einer Knochenprobe aus dem Beckenkamm, Laboruntersuchungen des Blutserums (Calcium, Phosphor, alkalische Phosphatase) sind unauffällig.
Therapie
Veranlassung zur Behandlung
1. Osteoporose ohne Knochenbrüche sollte spätestens ab Stadium I behandelt werden bzw. ab einem Rückgang der Knochendichte um mehr als 2,5 Standardabweichungen vom Mittelwert der Knochendichte eines jungen Erwachsenen; 2. Eine Behandlung ist angezeigt bei ausgeprägter Osteoporose mit Wirbelkörperbrüchen.
Medikamentöse Therapie
Primäre Osteoporose und postmenopausale Osteoporose der Frau:
Stadium 0
Basisprogramm (Risikofaktoren reduzieren, calciumreiche Ernährung, Steigerung der körperlichen Aktivität, Gymnastik, Calciumzufuhr), Hormonersatztherapie mit einer Kombination von Östrogenen und Gestagenen. Liegt kein menstrueller Zyklus mehr vor, kann jederzeit mit der Einnahme begonnen werden. Eine Hormonersatztherapie sollte evt. ergänzt werden mit Calcium, bei höherem Alter der Frau zusätzlich mit Vitamin D3 (vgl. Calciferole) oder durch eine feste Kombination von Calcium und Vitamin D.
Stadium I
Basisprogramm (s. oben), zusätzlich zur Hormonsubstitution und Calciumgabe Fluoride; alternativ Bisphosphonate.
Stadium II
Basisprogramm (s. oben), Schmerzmittel (Analgetika); bei inaktiver Osteoporose bzw. niedriger Knochenstoffwechselrate können die Knochen bildenden Zellen (Osteoblasten) mit Fluoriden oder Natriumfluorid angeregt werden. Im akuten Schub mit z. B. frischen Knochenbrüchen bzw. bei hohem Umsatz im Knochenstoffwechsel erfolgt die Therapie mit Calcium, Hormonen (Östrogene plus Gestagene, Calcitonin), Vitamin-D-Stoffwechselprodukten (z. B. Alfacalcidol) oder Bisphosphonaten.
Stadium III
Therapie wie bei Stadium II. In Abhängigkeit von Lebensalter und Allgemeinzustand evt. nur symptomorientierte Therapie (Schmerzmittel); evt. Anabolika; bei erhöhtem Risiko eines Schenkelhalsbruchs Calcium und Vitamin D.
Operative Therapie
Operative Versorgung von Knochenbrüchen, z. B. künstliches Hüftgelenk bei Schenkelhalsbruch.
Sonstige Massnahmen
1. Stabilisierende Krankengymnastik: Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie Gleichgewichtsschulung in Kombination mit isometrischen Bewegungsübungen; 2. Atemtherapie bei häufig vorkommender eingeschränkter Atembeweglichkeit; 3. Ausüben von Druck- und Zugkräften als Anregung zum Wiederaufbau der Knochensubstanz; 4. Thermotherapie mit Fangopackungen oder Kurzwellenbestrahlung und Bädertherapie (Melisse- oder Baldrianbad) zur Verbesserung der Durchblutung und Reduzierung der Schmerzwahrnehmung; 5. regelmässiger, massvoller Aufenthalt in der Sonne oder künstliche Lichtbäder (s. Lichttherapie); 6. Ergotherapie; 7. calciumreiche Ernährung (Milchprodukte); Alkohol und Nikotin meiden.
Hinweise
1. Langfristige Bettruhe bei osteoporotischem Wirbelkörperbruch ist im Allgemeinen nicht geboten. 2. Unzureichende Schmerzmitteleinnahme fördert körperliche Inaktivität und den Verlust von Knochensubstanz (Inaktivitätsosteoporose). 3. Ein Nutzen der Magnetfeldtherapie bei Osteoporose ist wissenschaftlich nicht gesichert. 4. Zur Behandlung einer sekundären Osteoporose gehört die Behandlung der Grunderkrankung.
Prävention
Risikofaktoren sollten soweit wie möglich reduziert werden. Vorbeugende Massnahmen sind calciumreiche Ernährung (Milchprodukte), zusätzliche Calciumzufuhr, Steigerung der körperlichen Aktivität durch z. B. Gymnastik. Alkohol und Nicotin sollten gemieden werden. Eine mässige Sonnenexposition ist sinnvoll.
- OsteosarkomSehr bösartige knochenbildende Tumore mit frühzeitiger Bildung von Knochenmarks- und Fernmetastasen (in 80% der Fälle sind Lungenmetastasen nachweisbar; s. Metastasen). Es werden verschiedene Tumortypen unterschieden, je nachdem welche Zellsorte im Tumor vorherrscht (Knochenzellen, Knorpelzellen, Bindegewebe etc.) und wie sich das Wachstumsmuster des Tumors darstellt (z. B. mit Blutgefässen, im Knochen, am Knochen etc.). Der Tumor tritt meist an den Enden der langen Röhrenknochen auf (44% knienaher Oberschenkelknochen, 17% knienaher Unterschenkelknochen, 15% Oberarmknochen).
Das Osteosarkom ist der häufigste bösartige Knochentumor, vor allem bei männlichen Kindern und Jugendlichen. Der Altersgipfel liegt im zweiten Lebensjahrzehnt.
Diagnose: Im Rahmen der Diagnostik kommen Röntgen, Computertomographie, Kernspintomographie sowie die mikroskopische Untersuchung von Knochengewebeproben (Biopsie) zum Einsatz. Der Tumor muss von anderen Tumoren, insbesondere dem Ewing-Sarkom, dem Osteoblastom, dem Riesenzelltumor und der aneurismatischen Knochenzyste abgegrenzt werden.
Therapie: Die Therapie besteht aus einer mehrfachen Chemotherapie sowie der radikalen operativen Entfernung des Tumors. Die 5-Jahres-Überlebensrate bei fehlender Fernmetastasierung liegt bei 60-70%. - Osteosclerosis congenita diffusas. Marmorknochenkrankheit
- OsteoskleroseVerdichtung des schwammartigen (spongiösen) Knochengewebes mit evt. Verdickung der festen Aussenzone (Kortikalis) des Knochens im Rahmen verschiedener Skeletterkrankungen. Es kann zu erhöhter Knochenbrüchigkeit durch mangelnde Elastizität kommen. Röntgenologisch ist eine vermehrte Schattendichte der Knochenstrukturen erkennbar. Vgl. Ermüdungsbruch.
- OsteozytenOsteozyten sind Knochenzellen, die aus den Knochen bildenden Osteoblasten hervorgehen. Sie sind nicht mehr teilungsfähig. Osteozyten liegen in kleinen Hohlräumen des Knochengewebes und senden in die Knochenkanälchen verzweigte Zellfortsätze aus, mit denen sie untereinander in Verbindung stehen. Vgl. Osteoklasten.
- Ostitis deformanss. Osteodystrophia deformans
- Ostitis fibrosa cystica generalisatas. Osteodystrophia fibrosa generalisata
- OTC-MedikamenteOTC ist die Abkürzung für (englisch) over the counter; OTC-Medikamente sind ohne ärztliches Rezept erhältliche Medikamente. Das Angebot frei verkäuflicher Medikamente kann von Land zu Land sehr unterschiedlich sein.
- Otitis mediaMittelohrentzündung
Meist im Rahmen eines Infekts des Nasenrachenraums über die Ohrtrompete aufsteigende Infektion des Mittelohrs. Erreger einer akuten Otitis media sind Viren oder Bakterien, z. B. Haemophilus influenzae. Eine Otitis media kann einen milden Verlauf haben mit Druckgefühl und mässigem Schmerz sowie Höreinschränkung. Schwere Infektionen sind von starken Allgemeinerscheinungen gekennzeichnet, evtl. verbunden mit Fieber und Schüttelfrost. Die Behandlung umfasst den ursächlichen Infekt der oberen Atemwege (s. Erkältungskrankheiten), zusätzlich evtl. Wärmebehandlung (Rotlicht). Wird die Ohrtrompete nicht innerhalb 1-2 Wochen nach Abklingen des Infekts wieder frei, ist eine Tubenbehandlung anzuschliessen. 2. Schwere Verlaufsformen sind immer antibiotisch, evtl. auch chirurgisch zu behandeln. - OvarialfibromGutartiger, meist einseitig auftretender Tumor des Eierstocks, der hauptsächlich aus festem Bindegewebe besteht. Er kommt vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren vor, wächst langsam und kann Kindskopfgrösse erreichen. Bei einem Viertel der Patientinnen kommt es zum so genannten Meigs-Syndrom: Bauchwasserbildung (Aszites) und Wasseransammlung im Brustraum (Hydrothorax) bei Ovarialfibrom. Eine Operation heilt sowohl das Fibrom als auch das Meigs-Syndrom.
- OvarialkarzinomS. Ovarialtumore.
- OvarialtumoreTumoren des Eierstocks. Da die Eierstöcke aus vielen verschiedenen Zellarten bestehen, gibt es je nach Ursprungszellen zahlreiche Tumorformen, die gutartig oder bösartig sein können. Zu den gutartigen (benignen) Tumoren zählt z. B. das Ovarialfibrom. Die Mehrzahl der Ovarialtumoren sind jedoch bösartig (maligne). Bösartige Ovarialtumoren wachsen sehr schnell und stellen die Hauptursachen für Sterbefälle bei gynäkologischen Krebserkrankungen dar. Risikofaktoren: Ovarialtumoren in der Familie (5-10% der Tumoren sind genetisch bedingt), höheres Lebensalter, fett- und fleischhaltige Ernährung, Unfruchtbarkeit, Kinderlosigkeit. Die langfristige Einnahme hormoneller Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille), durchgemachte Schwangerschaften und Stillzeiten senken das Risiko.
Symptome: Im Frühstadium der Erkrankung gibt es keine speziellen Symptome. Erst relativ spät kommt es zu Zyklusstörungen, schmerzhafter Monatsblutung (Menstruation), Blutungen nach den Wechseljahren, diffusen Unterleibsbeschwerden, Zunahme des Leibesumfangs und Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens.
Diagnose: Gynäkologische Tastuntersuchung, Ultraschalluntersuchung, Computertomographie, Kernspintomographie, Bauchspiegelung, Operation, Laboruntersuchungen.
Therapie: Operative Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter, wenn nötig auch Entfernung angrenzender Organteile wie Blinddarm, Lymphknoten. Je nach Art und Stadium des Tumors wird nach der Operation eine Strahlen- oder Chemotherapie durchgeführt.
Prophylaxe: Bei familiär auftretenden, genetisch bedingten Ovarialtumoren wird zur vorbeugenden Entfernung der Eierstöcke geraten.
Lexikon-Einträge: Roche und Walter de Gruyter, Berlin